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Bützower Zeitung

22. November 2017 | 23:26 Uhr

Bützow : Eine Lehrstunde im Wald bei Boitin

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Pilzsachverständiger des Kreises Klaus Warning aus Bützow führte Teilnehmer eines Vhs-Kursus auf die Spuren von Steinpilzen, Pfifferlingen & Co.

von
erstellt am 23.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Warum heißen Stäublinge Stäublinge, und wie kann eine Pilzsuppe mit einem nichtessbaren Pilz dennoch verfeinert werden? Antworten auf diese und viele andere Fragen gab es am Sonnabend im Boitiner Forst. Klaus Warning, Pilzsachverständiger des Landkreises Rostock, war noch gar nicht ganz am Treffpunkt der Pilzlehrwanderung angekommen, da gab es schon die ersten Fragen von Teilnehmern.

Die Resonanz auf den Aufruf der Kreisvolkshochschule (Vhs) Güstrow war enorm. „Wir mussten leider zehn Interessenten absagen“, sagt Petra Zühlsdorf-Böhm von der Vhs. Es bringe nichts, wenn 40 Leute durch den Wald stapfen. Bei 18 Teilnehmern wurde deshalb ein Schlussstrich gezogen.

Für Klaus Warning ist es bereits die dritte Wanderung dieser Art in diesem Jahr. Gleich zu Beginn macht er klar, dass es schwierig sein werde, an diesem Tag noch reiche Ernte zu machen. „Auch wenn offiziell gerade erst angefangen ist der Herbst schon sehr, sehr fortgeschritten“, meint der Experte. Das Wetter 2017 spiele einfach nicht mit. Doch ohnehin gehe es nicht darum, viele Pilze zu sammeln, sondern es sei eine Lehrwanderung. Der Pilzfachmann möchte die Teilnehmer in die Geheimnisse von Steinpilzen, Pfifferlingen & Co einweihen.

Genau deshalb ist zum Beispiel Gabi Konrad aus Moisall mit Enkelsohn Felix Knitter aus Klein Sien gekommen. „Meine Leute schauen immer skeptisch, wenn ich mit Pilzen ankomme. Ich will einfach wissen, was das für Pilze sind“, sagt Gabi Konrad. Er sei schon früher mit der Oma mitgegangen, habe selbst Pilze gesucht, erzählt der 13-jährige Felix. Seit dem interessiere er sich dafür. Von der Oma habe er ein dickes Pilzbuch bekommen, anhand dessen er schaut, was er an Pilzen findet.

Gerade hat er einen Knoblauchpilz entdeckt. Klaus Warning hat da gleich die lateinische Bezeichnung parat und einen guten Tipp. Den Knoblauchpilz an einen Bindfaden befestigen und ihn beim Zubereiten eine Pilzsuppe hineinhängen, ihn anschließend wieder herausnehmen. Das verfeinere den Geschmack der Pilzsuppe.

Ohnehin sollten die meisten Pilze abgekocht oder zumindest erhitzt werden. Der Hallimasch zum Beispiel müsse auf jeden Fall abgekocht, das Kochwasser anschließend weggekippt werden. Durch das Kochen würde den Pilzen die giftigen Substanzen entzogen. Solche und viele weitere Ratschläge hat Klaus Warning parat. Mancher der Teilnehmer schreibt eifrig mit.

Schon im nächsten Moment wird Klaus Warning ein Täubling in die Hand gegeben. Es handele sich um einen ockergelben Täubling. Generell sei es „fast unmöglich, alle Arten zu unterscheiden“, sagt der Pilzexperte. „Allein bei den Täublingen gibt es 127 verschiedene Arten.“

Für die Pilzbestimmung sei es deshalb auch immer wichtig, den ganzen Pilz samt Stil zu entfernen und zur Expertise mitzubringen. Auch Hinweise zum Fundort lassen möglicherweise eine noch genauere Bestimmung ermöglichen.

Seit mehreren Jahrzehnten ist Klaus Warning in Sachen Pilze unterwegs. Sein großes Fachwissen wird auch vom Naturschutzbund geschätzt. Deshalb ist er dieser Tage auch noch unter anderem an der polnischen Grenze und in Prora auf der Insel Rügen unterwegs. Für den Bereich von ehemaligen Truppenübungsplätzen soll der Bützower eine Pilzkartierung vornehmen. Eine solche Aufstellung gibt Auskunft über die Artenvielfalt in einem bestimmten Bereich. Denn auch das Vorkommen der Pilze ändere sich ständig. „Als ich kurz nach der Wende in den Alpen war, habe ich dort Pilze entdeckt, die gab es 15 Jahre später dann auch im Harz. Und kürzlich habe ich sie hier bei Moisall gefunden“, erzählt Klaus Warning. Auch das sei ein Folge der Klimaveränderung.

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