Bernitt : Eine Lanze für die Landwirtschaft

Etwa ein Fünftel der Arbeit in seinem landwirtschaftlichen Betrieb macht die Kälberzucht aus: Martin Vorbeck aus Jabelitz.
Etwa ein Fünftel der Arbeit in seinem landwirtschaftlichen Betrieb macht die Kälberzucht aus: Martin Vorbeck aus Jabelitz.

Mela 2019 – heute: Martin Vorbeck engagiert sich in der Öffentlichkeitsarbeit.

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13. September 2019, 05:00 Uhr

Friedlich liegen die meisten Mutterkühe und ihre Kälber in der Morgensonne. Martin Vorbeck aus Jabelitz legt Wert darauf, dass sie es möglichst gut haben. Es geht ihm nicht nur ums Geld, er ist leidenschaftlich Bauer. Und er bricht eine Lanze für die Landwirtschaft: In Deutschland werde die Qualität kontrolliert, der Verbraucher sollte dies seiner Meinung nach mehr würdigen. Auch deshalb engagiert er sich im Bauern-Landesverband für die Öffentlichkeitsarbeit. In dieser Eigenschaft ist er auch auf der Mela in Mühlengeez.

„Das große Problem ist die EU“, sagt der Jabelitzer. „Sie hat uns verkauft.“ Die Drohung des US-Präsidenten, Strafzölle zu erheben und das anschließende Abkommen mit den USA hätten zur Folge, dass zehntausende Rinder zusätzlich aus den Vereinigten Staaten im Jahr nach Europa verschifft würden.

Der Verbraucher möge vielleicht das zarte Rindfleisch, das vier bis fünf Wochen lang in großen Kühlschiffen hänge. Das deutsche Fleisch komme nur auf drei Wochen. Aber dafür könne der Konsument die Herkunft nachverfolgen und es gebe den Mindestlohn. „Was wird noch mehr kontrolliert als das Fleisch in Deutschland?“, fragt er rhetorisch.

Und auch die Bedingungen, wie das Vieh gehalten wird, seien hier klar zu sehen. Sein Fleckviehbulle steht auf der Weide und zeugt im Natursprung seine Nachkommen mit Kühen der Rassen Charolais, Uckermärker und Fleckvieh. „Schon immer“ hätten die Vorbecks auf Besamung verzichtet. Andererseits ist der Hof keineswegs altmodisch: Der 46-Jährige stellt seinen Betrieb sogar im Internet vor.

Er führt den Hof in Jabelitz in vierter Generation. Aber ob seine Kinder auch noch diesen Beruf ausüben, das vermag er nicht einzuschätzen. Er bewirtschaftet rund 350 Hektar Land, das allerdings nicht in Gänze ihm gehört. Er baut Marktfrüchte an: Gerste, Weizen, Roggen, Mais, Raps, außerdem hat er Ackergras und Blühstreifen für Insekten. Einige Flächen sind stillgelegt, etwa 80 Hektar sind Grünland. Das beweiden die 55 Mutterkühe samt Nachzucht. Kühe seien auch Landschaftspfleger, sagt er, denn sie verhinderten eine Verbuschung. Und es sei ja auch ein schönes Bild, die Tiere in der Natur. Außerdem mäht Martin Vorbeck die Wiesen, um im Winter Futter für die Tiere zu haben. Zurzeit sind sie draußen. „Die Kälber wachsen an der Mutter auf“, erklärt er. Die männlichen werden an Mastbetriebe verkauft. Die besseren weiblichen dienen im Kreislauf der Natur der eigenen Reproduktion, die alten landen beim Schlachter. Martin Vorbeck bedauert den aktuellen Preisverfall bei den Kälbern – etwa 100 Euro bei sonst 800 bis 850 Euro je Kalb. Ein weiteres Problem für Martin Vorbeck ist das „Bürokratie-Monster“. Nicht jeder Landwirt könne sich zeitlich diesen großen Aufwand leisten. „Ich wünsche mir, dass die Förderung einfacher gestrickt ist“, sagt Martin Vorbeck. Darüber wird auch bei der Mela gesprochen – auch heute bei einer Podiumsdiskussion auf dem Bauerntag im Festzelt.

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