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Bützower Zeitung

23. Oktober 2017 | 23:01 Uhr

Bützow : Ein Pastor im Widerstand

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Erich Arndt gehörte zu Gründungsmitgliedern des Nationalkomitees „Freies Deutschland“

von
erstellt am 12.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Mit dem organisierten Widerstand gegen den Nationalsozialismus befasste sich jüngst die Wanderausstellung „Deutschland muss leben, deswegen muss Hitler fallen“. Auf diversen Schautafeln konnten sich Geschichtsinteressierte über das Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) informieren. Bereits bei der Eröffnung im Dezember diskutierten die Teilnehmer über den inhaltlichen Bezug zu Bützow, den die Ausstellung nicht aufgriff. Am Ende waren sich die Diskutierenden einig: Erich Arndt, der in den 1970er-Jahren Pastor in Bützow war, hat sich im NKFD engagiert. In welcher Form wusste jedoch niemand zu sagen.

Sabine Prescher, Leiterin des Krummen Hauses, hat sich daraufhin auf Spurensuche begeben. „Ich habe gleich nach der Ausstellungseröffnung die Recherche gestartet, das hat mir in den Fingern gejuckt“, erzählt sie. Bei ihren Recherchen hat Sabine Prescher einiges über Erich Arndt herausgefunden. Wie sich herausstellte, war er eine der essenziellen Persönlichkeiten des Nationalkomitees. „Er war sogar Mitbegründer der Bewegung“, so Prescher.

Dokumentiert wird Arndts Werdegang in diversen Publikationen, er hat unter anderem einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Im 2003 veröffentlichten biographischen Lexikon „Deutsche in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung ,Freies Deutschland‘“ ist festgehalten, dass Erich Arndt, der 1912 in Parchim geboren wurde, 1942 als „Kriegspfarrer im Range eines Majors“ eingezogen wurde und als Divisionspfarrer im Januar 1943 bei Stalingrad in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet. Während dieser Zeit war Arndt im Antifa-Lager-Aktiv und „nach der Gründung des Nationalkomitees ,Freies Deutschland‘ als Lagergeistlicher tätig“, heißt es in der Publikation weiter. Außerdem ist dort zu lesen: „Im Juni 1944 gehörte er zu den Mitgründern des ,Arbeitskreises für kirchliche Fragen‘ beim Nationalkomitee; er gehört zu den Unterzeichnern des Aufrufes der Geistlichen in der Bewegung Freies Deutschland ,An die Christen an der Front und in der Heimat‘, der durch den Sender ,Freies Deutschland‘ und in Millionen Flugblättern verbreitet wurde.“

Die Recherche zum Leben und Wirken Erich Arndts hat auch das Bützower Museum bereichert, sagt Sabine Prescher. „Unsere Unterlagen sind jetzt vervollständigt.“ Neben den offiziellen Dokumenten liegt dem Museum auch ein autobiographischer Text des ehemaligen Pastors vor, den er dem Museum zukommen ließ. Darin schildert Arndt unter anderem seine Erlebnisse in der Kriegsgefangenschaft. Während dieser Zeit war er „von Anfang an bis kurz vor meiner Entlassung im Herbst 1948“ als Lagerseelsorger tätig. Er berichtet weiter über seine Rolle als vom „Nationalkomitee ,Freies Deutschland‘ ausdrücklich beauftragter Lagerpfarrer“.

Sabine Prescher ist froh darüber, dass das Museum dieses zeitgeschichtliche Dokument in seinem Fundus hat. Sie kannte Erich Arndt persönlich und beschreibt ihn als autoritären Mann, der ihr nicht vorrangig als Pastor, sondern als jemand, der sich stets für Frieden eingesetzt hat, im Gedächtnis bleibe. Erich Arndt lebte bis kurz vor seinem Tod in Bützow. Er starb 2012 in Rostock.

Die Ausstellung zum Nationalkomitee im Bützower Ratssaal ist in der vergangenen Woche zu Ende gegangen. Die Schautafeln werden künftig in der beruflichen Schule in Bockhorst zu sehen sein. Insgesamt werden elf Stationen anvisiert, die letzte Etappe wird das Prora-Zentrum auf Rügen im März 2018.

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