Baumgarten : Ein Pastor, der einfach nur ein Geistlicher sein will

Nicht nur die nächste Veranstaltung wird am Info-Brett am Pfarrhaus aufgehängt. Derzeit sind die Corona-Bestimmungen auch wichtig. Also hängt Pastor Michael Fiedler sie auf.
Nicht nur die nächste Veranstaltung wird am Info-Brett am Pfarrhaus aufgehängt. Derzeit sind die Corona-Bestimmungen auch wichtig. Also hängt Pastor Michael Fiedler sie auf.

Dr. Michael Fiedler will sich wieder auf seinen Beruf als Pastor konzentrieren können

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25. Mai 2020, 17:00 Uhr

Dass das Leben als Pastor kein Wunschkonzert ist, musste Dr. Michael Fiedler von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Bützow-Baumgarten-Tarnow am eigenen Leib erfahren. Erst seit wenigen Monaten im Amt, hat vor allem die Corona-Krise seine Arbeit maßgeblich beeinflusst. „Was ich in den letzten Wochen gemacht habe, war überwiegend Kulturpflegearbeit und Bürokratiepflege. Gut, das ist auch eine Schnittstelle zur Basis. Aber die Hälfte meiner Arbeit ist eigentlich nicht meine Aufgabe. Das habe ich auch nicht gelernt. Ich möchte in erster Linie gern Geistlicher sein“, sagt der 42-Jährige.

Dabei verlief der Start in seine erste Pastorenstelle noch ganz verheißungsvoll. „Ich hatte eine große Beerdigung in Baumgarten. Die Kirche war voll, anschließend der lange Leichenzug zum Friedhof. Das war für mich wie eine Art Feuertaufe. Ein Ritterschlag. Denn es hatte alles gut geklappt“, sagt Michael Fiedler. Doch die Freude währte nicht lange: „Danach kam ich nach Hause, musste noch den Konfirmationstag und den Gottesdienst vorbereiten. Ich hatte kaum Zeit zum Luftholen, als es plötzlich durch die Nachrichten und über Anrufe zu mir drang: Alles abgesagt!“

Das war ein radikaler Einschnitt in seinen Alltag: Plötzlich hatte der Pastor ein Wochenende für sich und seine Familie. Natürlich konnte und wollte er sich nicht auf Dauer auf Corona ausruhen. Doch das Altbewährte war nicht mehr möglich, sondern ein Umdenken gefragt. „Plötzlich war ich damit beschäftigt, neue Strukturen schaffen zu müssen, für meine Gemeinde, im Team mit der Gemeinde und meiner Kollegin, Pastorin Johanna Levetzow aus Bützow.

So hat Pastor Fiedler in dieser Zeit sehr intensiv Geburtstagsbesuche gepflegt, aber nicht drinnen, sondern an der (Tür-)Schwelle. Eine Kerze, eine Karte, ein Spruch im Briefkasten. Das war intensiv, wie auch so manches Telefonat und auch die Entwicklung der Videoarbeit. Irgendwann war dann auch die Zeit reif für einen Gottesdienst vor Ort. „Die Menschen in ihrer Einsamkeit lechzten förmlich nach Gemeinschaft“, sagt Fiedler. Deshalb wurde die Open-Air-Gottesdienst-Trilogie in Tarnow, Bützow und Baumgarten mit dem gemeinsamen Singen auch ein riesiger Erfolg. Hiernach zeigte er sich zuversichtlich, dass etwas Neues entsteht. „Wir wissen nur noch nicht, wie es aussehen wird. Auf jeden Fall wird Altes und Bewährtes ergänzt durch bislang nicht Dagewesenes, seien es die Formate, seien es die Zielgruppen“, sagt Fiedler.

So habe er das Gefühl, dass zum Beispiel Baumgarten ein neuer „Spielplatz“ für Kinder- und Jugendarbeit werden könne. Er zeigt sich zuversichtlich, dass demnächst eine neue Pfadfindergruppe auf den Plan trete. Dazu ein Ausbau der Pfarrscheune. Dann soll es Ende Juli bis Mitte August eine Landpartie geben, das heißt, die Gemeindemitglieder werden die Großgemeinde und ihre Menschen näher kennenlernen. Was sich Pastor Fiedler aber ganz besonders wünscht: „Wenn man den Pfarrberuf auch weiterhin attraktiv halten will, muss man den zukünftigen Pastoren die Möglichkeit geben, bei ihren Leisten zu bleiben.“

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