SVZ-Serie : Ein Ort für Kreativität und Spaß

Zusammen beleben sie denFreizeittreff in Bützow: (v. l.) Justin Rieckhof, Jasleen Kour, Ole Janke, Leiterin Gisa Gierer, Laura Sill, Julian Höpner, Ulf Schmidt, Marie Schumacher und Kevin Keßler.
Zusammen beleben sie denFreizeittreff in Bützow: (v. l.) Justin Rieckhof, Jasleen Kour, Ole Janke, Leiterin Gisa Gierer, Laura Sill, Julian Höpner, Ulf Schmidt, Marie Schumacher und Kevin Keßler.

Wir stellen die Anlaufpunkte für Kinder und Jugendliche in der Region vor / Teil 1: Der Freizeittreff Bützow

svz.de von
03. April 2017, 05:00 Uhr

Reger Betrieb auf dem mit Collagen gesäumten Gang. Bunt gekleidete Gestalten huschen an Gisa Gierer vorbei, flitzen in Richtung Bastelraum – Gierer, die Leiterin des Freizeittreffs Bützow lächelt. Fünf Tage die Woche beleben ganze Horden – im Durchschnitt 40 Kinder – den Freizeittreff neben der Grundschule Bützow am Schloßplatz.

„Von Montag bis Freitag können die Kinder sich hier ausleben und ihre Freizeit verbringen“, sagt Gierer. Dafür bieten die insgesamt vier Räume des Treffs allerlei Möglichkeiten. „Wir haben einen Bastel- und Kreativraum, einen PC und Entspannungsraum und einen Spieleraum. Dazu haben wir noch eine Küche für gemeinsames Kochen“, erzählt Gierer. Das Angebot des Freizeittreffs wird gut angenommen. „Basteln und Kochen ist sehr beliebt, aber wir haben auch einen Kickertisch und eine Xbox.“ Letzteres sei aber zeitlich begrenzt. Jeder darf nur eine halbe Stunde spielen.

„Schließlich sollen sich die Kinder ja auch etwas bewegen und im besten Fall draußen die Sonne genießen können“, sagt Gierer. Im Sommer plane sie daher viele Aktivitäten draußen auf dem Schulhof. Diese Chance wird gern genutzt. „Ich fahre gerne mit dem Go-Kart“, sagt Kevin Keßler. Auch die Ausflüge in den Ferien begeistern ihn. „Besonders erinnere ich mich an die Fahrten in die Eishalle in Rostock oder den Marinestützpunkt“, erzählt Kevin.

„Ich möchte, dass die Kinder ihre Freizeit sinnvoll nutzen. Mit kreativer Arbeit.“ Der Freizeittreff ist für sie nicht nur ein Ort, wo die Kinder Zeit verbringen, sondern wo sie auch für das Leben lernen. „Die Kinder sollen Werte wie Toleranz, Empathie und interkulturelles Verständnis mitnehmen. Dafür ist die Gemeinschaft der beste Weg.“ Toleranz wird bei dem Freizeittreff groß geschrieben. „Ob jemand nun aus Deutschland ist oder nicht, oder ob jemand körperlich oder geistig beeinträchtigt ist, oder nicht – der Freizeittreff soll allen gleichermaßen gefallen“, so Gierer.

Im Freizeittreff werden verschiedene Interessengemeinschaften (IG) angeboten. Dort können sich die Kinder anmelden und regelmäßig – einmal in der Woche – teilnehmen. „Die Interessengemeinschaften haben einen festen Stamm an Teilnehmern, aber jeder ist willkommen“, sagt Gierer. Angeboten werden eine Sport-IG, Hip-Hop tanzen, kreatives Arbeiten sowie Kochen und Backen. „Dafür engagieren sich dann auch langjährige Besucher des Freizeittreffs“, sagt Gierer.

So zum Beispiel Julian Höpner, der die Freizeitsport-IG leitet. „Ich versuche schon, jeden Tag hier zu sein, wenn es die Zeit zulässt.“ Der Jugendliche schätzt, dass der Freizeittreff ein guter Ort zum Schließen von neuen Freundschaften ist. Und auch der Austausch kommt nie zu kurz. „Mir persönlich macht es sehr viel Spaß, als Trainer den Jüngeren etwas beizubringen. Und dadurch werde ich auch zum Ansprechpartner.“ Er selbst hat sich auf die Fahne geschrieben, Mobbing zu bekämpfen. „Ich achte sehr darauf, dass niemand in meiner Sportgruppe oder im Freizeittreff gemobbt wird“, sagt Julian. Gegenseitigen Respekt betrachtet er als das A und O.


Projekte verleihen Treff Abwechslung


Mobbing – das ist auch ein Thema bei dem Gierer noch Bedarf sieht. „Größere Probleme gibt es hier zwar nicht, aber Mobbing ist für die Kinder auch an der Schule nicht unwichtig.“ Daher plane sie für den Herbst diesen Jahres einen Experten einzuladen, der einen Vortrag zu dem Thema gibt. „Das soll dann ein Projekt werden.“ Denn ihr größter Wunsch ist: „Dass die Kinder respektvoll miteinander umgehen.“

Die Leiterin versucht mindestens ein großes Projekt im Jahr anzustoßen. „Dann haben die Kinder etwas, worauf sie hinarbeiten. In den vergangenen Jahren waren es viele Bastelprojekte, wie ein Bützower Stadtplan für Kinder, ein Fußball-Cup in Berlin, ein Grafitti-Workshop oder ein Filmprojekt“, sagt Gierer.

Gierer widmet sich bereits seit der Gründung des Freizeittreffs 1990 den Kindern und ihren Sorgen. Dazu bietet sie auch Einzelgespräche an. „Im Durchschnitt kommen schon ein, zwei Kinder die Woche zu mir und erzählen mir von ihren Sorgen und Nöten. Ob es nun Probleme in der Schule oder zu Hause sind, bei mir haben sie immer ein offenes Ohr.“ Gemeinsam setze sie sich dann mit den Beteiligten zusammen und suche eine Lösung. „Wir haben eine offene Kommunikation mit den Eltern, anderen Jugendclubs und Schulsozialarbeitern.“

Gierer selbst macht ihre Arbeit im Freizeittreff sehr viel Spaß. „Ich habe mich schon in meiner Zeit als Lehrerin immer sehr für die kreative Arbeit interessiert. Als dann ein Posten in dem damals noch Pionierhaus heißenden Treff frei wurde, habe ich mich prompt dafür beworben. Bis heute habe ich es nie bereut. Hier kann ich viele meiner Ideen umsetzten.“

Einige ihrer schönsten Erinnerungen sind die Puppentheater, die sie mit dem damaligen Leiter Wolfgang Pfannenschmidt plante und aufführte. „Er schrieb die Stücke selbst und wir bastelten die Puppen. Das war immer sehr schön.“

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