Schwaan : Ein Motiv, acht Gemälde

Ein Raum ist den Stillleben Rudolf Bartels’ gewidmet, auf denen Heiko Brunner, Leiter der Kunstmühle in Schwaan, immer wieder spannende Bildelemente entdeckt.
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Ein Raum ist den Stillleben Rudolf Bartels’ gewidmet, auf denen Heiko Brunner, Leiter der Kunstmühle in Schwaan, immer wieder spannende Bildelemente entdeckt.

In der Kunstmühle findet heute die Vernissage zur bisher größten Ausstellung Rudolf Bartels’ statt

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25. Juni 2016, 05:00 Uhr

„Einfach und nur schön“ – der Titel der neuen Ausstellung in Schwaan ist kurz, knackig und trifft den Kern der neuen Schau. Die große Sommerausstellung über den Künstler Rudolf Bartels, der von 1872 bis 1943 lebte, ist neben dem Kunstmuseum in Schwaan auch im Kulturhistorischen Museum Rostock zu sehen. Es ist das Ergebnis jahrelanger Vorbereitungen und einjährigem Engagements beider Institutionen. Gezeigt werden insgesamt über 110 Werke Rudolf Bartels’. „Wir haben in Vorbereitung der Ausstellung Kenntnis von über 250 Gemälden“, verrät Heiko Brunner, Leiter der Kunstmühle in Schwaan.

Dort erwarten die Besucher einige Überraschungen. So gibt es zwar eine große Vielfalt an Werken des Künstlers. Spannend ist jedoch, dass viele Motive mehrfach auftauchen und die Betrachter die Möglichkeit haben, die Entwicklung des Künstlers anhand seiner Gemälde nachzuverfolgen.

Bekannt ist Bartels für seine Laternenbilder, von denen acht Fassungen bekannt sind – drei sind in Schwaan und drei in Rostock zu sehen. Immer wieder griff er dieses Motiv auf und sucht darin nach Harmonie. „Die strahlen so eine Ruhe aus“, erklärt Museumsleiter Heiko Brunner. Schon bei diesen Bildern sei klar erkennbar, dass Bartels „nicht so detailverliebt wie andere Künstler“ war.

Das ist an seinem Seifenblasenbildern eindrucksvoll zu sehen, von denen zwei bewusst an gegenüberliegenden Wänden aufgehangen wurden. Auf der einen Seite hat das Werk noch viele Details, auf der anderen bemüht sich Bartels um Abstraktion. „So zieht sich das durch die gesamte Ausstellung, wie sich Bartels den Themen immer wieder stellte.“

Inspiration dazu fand er womöglich bei Claude Monet, der die Idee hatte, den Impressionismus neu zu erfinden und genau wie Bartels Leitthemen immer wieder aufgriff und malte. Die Entwicklung eines völlig untypischen Motivs, ein Heuschober, zeigt die Evolution seines Malens, das immer ungegenständlicher wurde. Insgesamt malte Monet 15 Fassungen. Auch Rudolf Bartels fertigte zunehmend abstraktere Werke, was die Besucher der Ausstellung in den verschiedene Bilderserien selbst nachvollziehen können.

Häufig wählte er auch Ansichten Schwaans, die sich auf den ersten Blick stark ähneln. Doch die Details verraten, dass Bartels auch hier ausprobierte „wie weit der Abstraktionsgrad geht“, so Heiko Brunner. Ebenso an einer Scheune mit Blumen, die in einer zweiten Version nur noch schemenhaft dargestellt sind. „Das ist schon beeindruckend“, sagt der Museumsleiter. „Was mich besonders fasziniert ist, wie er sich der Thematik einer Wiesenlandschaft genähert hat“, erzählt er und zeigt zwei der wenigen Bartels-Werke mit Datierung. 1901 malte der Künstler eine realistische Darstellung der Landschaft. – Wie er es in seinen Studien in Weimar gelernt haben muss, meint Heiko Brunner. Im Vergleich mit allen anderen ausgestellten Werken fällt es schwer, die Landschaft Bartels zuzuordnen. Direkt daneben hängt die gleiche Ansicht, allerdings von 1923 und in völlig anderer Technik, deutlich abstrakter, gemalt.

Ergänzt werden die Gemäldereihen von einer Serie verschiedener Stilleben, die einen Blick in Bartels’ Träume erlauben. Er bildete nicht nur prächtige Blumesträuße sondern oftmals auch Kuchen oder andere Leckereien wie Kokosnussstücke ab. „Leisten konnte er sich das sicher nicht“, weiß der Museumsleiter.

Die Vernissage zur Ausstellung findet heute um 15 Uhr im Kunstmuseum in Schwaan statt. „Einfach und nur schön“ kann bis 25. September besucht werden.

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