Tarnow : Ein Gottesmann, der nicht streiten kann

Pastor Siegfried Rau: „Es wird mir guttun, in der zweiten Reihe zu sein.“
Pastor Siegfried Rau: „Es wird mir guttun, in der zweiten Reihe zu sein.“ Fotos: Manuela Kuhlmann

Pastor Siegfried Rau hält am Sonntag seinen letzten Gottesdienst in Witzin

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19. November 2017, 09:00 Uhr

Seit 2004 wirkte Pastor Rau in den Gemeinden Tarnow und Witzin, insgesamt vier Jahre lang unterstützte er zusätzlich die Gemeinde Dabel. Jetzt geht er in den Ruhestand. „Obwohl“, sagt er gleich „ich bleibe lebenslang Pastor.“

Am 19. November wird er seinen letzten Gottesdienst im Amt in Witzin abhalten, nachdem er sich zuvor schon in den anderen Kirchengemeinden, wie zum Beispiel in Tarnow, verabschiedet hatte. In der vergangenen Woche sagte er dann auch in Dabel Tschüss mit den Worten: „Ich bin froh, nicht mehr vorn stehen zu müssen. Es wird mir guttun, in der zweiten Reihe zu sein.“

Er wolle erst einmal Luft holen. Noch viele Bücherkartons stehen ungeöffnet in der neuen Güstrower Wohnung, die in Ruhe ausgepackt werden sollen. Die Bücher, die er zum Lutherjubiläum dieses Jahr bekommen hat, möchte er als erstes lesen. Gastvorlesungen zu Geschichte, Theologie und Architektur stehen ebenfalls auf seinem Unruhestand-Wunschzettel.

„Ich werde meine Enkelkinder in Nürnberg besuchen“, erzählt er und dass er gern pilgern möchte. „Da muss ich aber noch etwas trainieren“, schmunzelt er. Auch auf die gemeinsamen Stunden mit seiner Frau und Theaterbesuche freut er sich. „Das Gute in Güstrow ist, dass wir alles fußläufig erreichen können“, sagt er. Vom Balkon aus könne er sogar den Stern der Heiligengeistkirche sehen. Ein paar Pflänzchen aus dem Witziner Garten sind jedenfalls schon beheimatet.

Mit der zweigeteilten Pastorenstelle Tarnow und Witzin wandelte er immer zwischen zwei Welten. „Da die Gemeinden zu unterschiedlichen Kirchenkreisen gehören, war es rein organisatorisch schon schwierig“, gibt er zu. Was ihn immer gefreut habe, sei die gute und engagierte Kinderarbeit beider Gemeinden. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit den Vereinen in Witzin. „Ich kann mich freuen, über das, was bei anderen geschieht“, sagt er über sich selbst.

Und: „Ich kann mich nicht richtig streiten.“ Vielleicht war es das, was es ermöglicht hat, in dem Vereinsreichtum als Vertreter der Kirche einen Platz zu finden. Viele Dinge, die woanders die Kirche übernimmt, tragen hier die Vereine. Die Freude über den Erfolg anderer hört man auch in den Worten zur Ruchower Kirche. „Ich finde es sehr schön, dass die alten Orgeln wieder vor vielen Menschen erklingen“, sagt er über die Sommerkonzerte, die großen Anklang fanden.

Mit dem Ende der Arbeiten an der Bausubstanz der Witziner Kirche kann er selbst einen Schlussstrich ziehen. „Ein schönes Gefühl“, sagt er.

Im Rückblick auf 13 Jahre macht ihm allerdings das Generationsproblem Sorgen. „Ich habe es selbst erlebt, wie es ist, wenn die treuen Gemeindemitglieder nicht mehr da sind“, resümiert er. Die Gemeinden werden immer kleiner und es sei schwierig geworden, neue Menschen zu begeistern. Sein Weg sei daher immer der zu den Menschen gewesen, ganz gleich, ob sie kirchlich oder nicht kirchlich waren. „Man muss mit Toleranz und Wertschätzung zu denen gehen, die nicht kommen“, ist sein Motto. „Nur dann verlieren sie die Fremdheit, wenn sie einen Menschen persönlich erleben.“ Ein natürlicher Kontakt baue die vielen kleinen Brücken in den Gemeinden und auch zur Kirche. Die Brücken, die Pastor Siegfried Rau baute, sind nicht aus Stein, sondern aus Worten und Taten und vielleicht, wenn er einige seiner Pläne umgesetzt hat, wird er auf diesen auch das eine oder andere mal wieder in seine ehemaligen Gemeinden finden. Als Gast in der zweiten Reihe.

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