Dreetz : Ein Glas Honig als Monatspacht

Einen originalen Dachziegel von 1936 zeigt Anja Abdank vor dem restaurierten Bienenhäuschen aus den 30er-Jahren.
Einen originalen Dachziegel von 1936 zeigt Anja Abdank vor dem restaurierten Bienenhäuschen aus den 30er-Jahren.

Mit Unterstützung von Landwirt Kurt-Peter Gaedecke wurde in Dreetz ein Bienenhäuschen wieder auf Vordermann gebracht

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01. April 2020, 05:00 Uhr

„Es gab eine Zeit, da gingen in diesem Häuschen der Hahn und seine Hennen ein und aus. Aber, es gab noch eine Zeit davor, so Mitte der 1930er-Jahre, als auf der angrenzenden Wiese Obstbäume, vor allem Apfel- und Birnenbäume gepflanzt wurden. In dieser Zeit war es üblich, an den Rand einer Streuobstwiese ein Bienenhaus aufzustellen. Das heißt, bevor in dieses Haus die Hühner einzogen, gab es ein reges Flugtreiben der Honigbienen, die in einer Eiche-Hütte ihren Honig anlegten. Zu dieser Zeit wurde die Verbundenheit mit der Natur noch aktiv gelebt.“

Das erzählte Dirk Müller vom Förderverein Bützower Land im vergangenen Jahr am Rande des letztjährigen Obstbaumschnitts auf der Wiese am Dorfeingang von Dreetz mit Blick auf ein ehemaliges, restaurierungsbedürftiges Bienenhäuschen. Und er erzählte auch, dass man dieses alte Eichenhäuschen als Bienenhaus wieder zum Leben erwecken wolle.

„Zwischenzeitlich wurde Kurt-Peter Gaedecke von der Agraprodukte GmbH Zernin der Grundeigentümer des Grundstücks mit Streuobstwiese und Bienenhaus. Er wollte auf die Förderung für das Bienenhäuschen, die nur mit einer langfristigen Pachtvereinbarung möglich gewesen wäre, verzichten und hat im Gegenzug für uns überraschend angeboten, die Restauration auf eigene Kosten und in Eigenregie durchzuführen und dem Imker das Bienenhaus für zwölf Gläser Honig jährlich zum Imkern zur Verfügung zu stellen. Damit war das Projekt gerettet und konnte weitergeführt werden“, so Dirk Müller.

Ein Jahr später hat sich so einiges getan. Das gut 80 Jahre alte Häuschen erstrahlt wieder in neuem Glanz, obwohl alle alte Substanz, wie das Eichegerüst, darin erhalten geblieben ist. Das Dach wurde mit seinen alten Ziegeln neu gedeckt. „Hier handelt es sich um Dachziegel, die von der Brüggener Tonwarenindustrie 1936 gebrannt wurden. Damit kann unter anderem das Alter des Bienenhäuschens belegt werden“, ergänzte Anja Abdank vom Streuobstnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern. „Und fehlende Ziegel konnten wir dank einer privaten Spende mit Originalziegeln ergänzen.“ Nun fehlen nur noch die Einfluglöcher. Das heißt, es müssen noch Klappen eingeschnitten werden, damit die Bienen rein und rauskommen. „So war das früher auch, dass das Häuschen auf der windabgewandten Seite offen war“, erklärt Anja Abdank. Als letztes ist draußen nur noch etwas Schutt zu beseitigen, innen ist dann das Häuschen samt Plattenfußboden zum Empfang der Bienen bereit.

Diese wird Imker Dietmar Seyer aus Rühn nach Dreetz bringen. Konkret: „Ich werde vier Völker zur Vermehrung bis Ende Juni rüberbringen und sie werden dann dort bleiben“, erklärt der 59-Jährige. Seit gut zehn Jahren beschäftigt er sich mit Bienen und der Honigproduktion. Den Standort des Häuschens an der Dreetzer Wiese findet er erst einmal „ok“. Er müsse die Sache natürlich erst beobachten, wie alles angenommen wird.

Anja Abdank und Dirk Müller sind diesbezüglich optimistisch. Tun sie doch alles, um den Bienenstandort optimal zu halten. Zweimal im Jahr, immer im Mai und August, wird die Wiese von ihnen mit der Sense gemäht, um das Blühen zu fördern.

„Nun hatten wir im letzten Jahr Fördermittel für die Restauration beantragt. Dadurch, dass Herr Gaedecke diese Kosten übernahm, stellten wir für die schon bewilligten Fördermittel einen Änderungsantrag, der ebenfalls bewilligt wurde. Es wurde hochwertige Landschaftspflegetechnik, ein Hochgras-Balkenmäher mit Anbaugeräten Grubber und Rotationspflug angeschafft. Damit kann die Gemeinde künftig ausgewählte Flächen, insbesondere die beiden Streuobstwiesen bienen- beziehungsweise insektenfreundlich bewirtschaften. Das Anlegen von Blühstreifen ist auch geplant“, so Dirk Müller.

„So viel zur Wiese an sich. Die 20 Obstbäume auf dieser Wiese werden in ihrer Blütezeit für die Bienen ihr Übriges tun. Fehlen letztlich nur noch ein Schild und eine Tafel, welche auf das Bienenhäuschen hinweisen sollen“, so Anja Abdank.

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