zur Navigation springen
Bützower Zeitung

22. September 2017 | 10:20 Uhr

20 Fragen : Ein besonderes Faible für Holz

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Holger Klaiber aus Bützow ist beruflich sowie privat handwerklich aktiv und möchte sein Wissen in Kursen im Rühner Kloster gern weitergeben

svz.de von
erstellt am 16.Sep.2017 | 15:00 Uhr

Handwerkliches Geschick zeichnet Holger Klaiber aus. Der 44-Jährige arbeitet in der Tischlerei Rossnagel, bildet dort unter anderem Auszubildende aus. Gelernt hat der Bützower die Berufe des Schäfers und des Bau- und Möbeltischlers. Außerdem betreut Holger Klaiber Schüler auf dem Weg ins Berufsleben. Der 44-Jährige hat zwei Kinder und lebt in einer Patchworkfamilie. Zu seinen Interessen zählen historische Bausubstanzen, Handwerkstraditionen, die Natur, gute Gespräche und die Liebe zum Werkstoff Holz. Neben Beruf und Hobbys restauriert er in liebevoller Kleinarbeit das historische Gebäude, in dem er auch wohnt. Neuerdings hat Holger Klaiber sich Räumlichkeiten im Rühner Kloster eingerichtet – Mit-Mach-Manufaktur. „Mit Beginn der dunklen Jahreszeit (Oktober) plane ich Vorbereitungen zum Veranstalten von Workshops und Kreativkursen“, sagt der Bützower. Klaiber will sein Geschick und sein Auge für die Verwerung vermeintlicher Wegwerf-Gegenstände weitergeben. Alte Holzstücke, Metall und Co. – für den Müll ist dem 44-Jährigen vieles zu schade. Eigens kreierte Möbelstücke, Wohnaccessoires oder einfach das Erlernen handwerklicher Fähigkeiten, in Gruppen von bis zu vier Personen möchte Klaiber sein Wissen vermitteln. Damit interessierte Menschen auch wissen, bei wem sie möglicherweise diesen Kurs belegen, stellte SVZ-Redakteur Christian Jäger dem vielseitig begabten und engagierten Holger Klaiber die 20 Fragen zum Wochenende.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Völlig egal. Hauptsache es ist ein Ort, an dem ich ungestört meinen Gedanken folgen kann, um sie im Anschluss praktisch umsetzen zu können. In der Regel ist es aber in meiner Werkstatt.
Was würden Sie als Bürgermeister in Ihrem Wohnort sofort ändern?
Das ist eine sehr komplexe Frage und aus’m Hut nicht ganz leicht zu beantworten. Ein Nachfolger wickelt doch für gewöhnlich das Leichentuch seines Vorgängers aus und sieht sich mit dessem Erbe und seinen eigenen Vorstellungen konfrontiert. Ich denke, wahrscheinlich würde ich etwas für die Belebung der Geschäftsstraße tun, konsequent den Verfall historischer Bausubstanz weiter aufhalten (hier ein Lob an dieser Stelle) und mit einem wachen Blick auf die Menschen zugehen.
Wo kann man Sie am ehesten treffen?
Immer dort, wo es etwas zu tun gibt. Das ist in der Regel dort, wo mein zweifarbiger Bulli grade steht. Es ist also besser, vorher anzuklingeln. Meistens wird es aber in meinem Haus in der Wallstraße sein oder im Kloster Rühn. Wer mich wirklich sucht, wird mich finden.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Das war im Sommer 1987 drei Wochen beim VEB Schiffszubehör als Ferienarbeit hier in Bützow. Ich habe Rettungsringe und Westen verpackt, Lederhandschuhe sortiert und heimlich den Gesprächen der „Alten“ gelauscht.
Wofür haben Sie es ausgegeben?
Ich habe mir einen kleinen Fotoapparat gekauft, welchen man heute auf Flohmärkten findet. Ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit. Wenn nicht immer dieser Zirkus mit den Filmen und deren Entwicklung gewesen wäre... Heute: Klick, fertig. Nichts geworden – gelöscht – weiter. Persönliche Bemerkung: leider ein Verfall für den Blick auf gute Motive und dessen Momente.
Was würden Sie gerne können?
Oh, da gäbe es Einiges. Manchmal die Zeit anhalten können für Rückblicke und Korrektur/Heilung sogar... Aber bleiben wir bei etwas Irdischem, ich würde gerne ein Instrument spielen können, so zum Entspannen vielleicht. Na, noch ist nicht aller Tage Abend...
Was stört Sie an anderen?
Also für mich sind die Dinge oft nicht so klar, wie sie sich für den Moment anfühlen und somit sind oft auch die Dinge, welche uns an anderen stören, in sich begründet und teilweise sogar berechtigt. Ich möchte hier nicht für Unzulänglichkeiten werben, mehr aber für Toleranz und Akzeptanz. Und seien wir doch mal ehrlich, haben wir nicht alle einen kleinen Kratzer auf der Platte...
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Über ein Video, in dem (ich glaube) Chinesen versucht haben, über eine gläserne Brücke eine Gebirgsschlucht zu überqueren. Oder ein Typ steht im Freibad unter der Dusche, wäscht sich die Haare, jemand anders tut ihm immer wieder unbemerkt neues Schampoo in die Haare. Er wird den Schaum nicht los und trampelt vor Wut auf dem Boden herum. Das ist genau mein Humor.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Ja, ich bin leider viel zu schnell gefahren und habe dafür ordentlich berappen müssen. Liebes Bundesverkehrsregister, ich bitte um Entschuldigung und gelobe Besserung. Ja, ansonsten liebe ich verrückte Sachen. Unvernunft liegt doch im Auge des Betrachters.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Sind wir nicht alle Helden – Helden des Alltags? Was muss man tun, um ein Held zu sein? Für eine Maus auf der Straße bremsen? Sie meinen sicher eine besonders wichtige Person in meinem Leben? Ja, da gibt es in der Tat wichtige Menschen, sprichwörtlich als Kerzen an meinem Weg. Menschen, denen ich viel verdanke. Pastor Schabow, Volkmar Rossnagel, Erika Dohrendorf Seel und nicht zu letzt meiner Mutter. Sie alle stehen für Verlässlichkeit, Tatendrang, Empathie und die Bereitschaft zu geben. Danke.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Kleine Mecklenburgische Bauernhausfiebel von Karl Baumgarten.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Ich habe keinen Fernseher. Ich sehe jeden Tag so viele Bilder und höre so viele Worte, das genügt mir. Daraus mache ich mir vorm Einschlafen täglich einen Bestseller...
Wo trifft man Sie eher: bei einer Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?
Weder bei dem einen noch bei dem anderen. Hingegen für ein Lagerfeuer und ein Glas Wein nehme ich weite Wege in Kauf.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Dieter „Maschine“ Birr, den ehemaligen Frontmann der Puhdys. Für seine schnörkellosen Kompositionen und die lyrische Verarbeitung weltbewegender Themen in vielen wenig bekannten Liedern.

PS: Vielleicht gemeinsam mit dem Liedermacher Gerhard Schöne.
Wenn Sie selbst kochen: was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Da ich griechische, italienische und chinesische Rezepte nicht lesen kann, bleiben ja nur noch deutsche Gerichte über. Ich koche zu gerne einen deftigen Schmorkohl à la Wallstraße.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Oh, da gäbe es einiges zu erzählen. Ich lege mich mal auf „Wir sind auf der Fahrt“ von den Puhdys fest. Oder doch „Wilder Frieden“? Die Frage ist aber auch gemein!
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Das war eine Stossaxt (ein Werkzeug zur traditionellen Holzbearbeitung). Ich bekam sie von einem älteren Zimmermanns-Kollegen und engen Freund, Alfred Dobrow, der leider nicht mehr lebt. Er bekam sie selber kurz nach dem Krieg zum Beginn seiner Lehre. Ich arbeite noch heute damit und denke an ihn.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Ich träume davon, einen Ort zu errichten, an dem geistig und körperlich benachteiligte Kinder durch kreativ-handwerkliche Angebote aufgefangen werden. Einem Stellwerk gleichend, in dem die Weichen und Signale für ihre Zukunft gestellt werden. Vielleicht im Kloster Rühn, um eventuell den Ort zu rehabilitieren. Es gäbe dort alles, was man bräuchte...
Wie gestalten Sie Ihre Freizeit als Rentner?
Hoffentlich bei guter Gesundheit und, wenn Zeit dafür bleibt, auf einem kleinen Kajütboot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?
Gottfried Hägele aus Bützow.
Einem Menschen, den ich für seine Verdienste und sein Engagement für die Entwicklung unserer Stadt sehr schätze.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen