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Pferderücker in Letschow : Ein aussterbender Beruf?

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Pferderücker mussten in der Vergangenheit oft dem industriellen Holzrücken weichen / Eine neue Förderung könnte dies ändern

svz.de von
erstellt am 02.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Viele Bäume in den Letschower Tannen sind nach dem Sturm abgeknickt. Überall versperren Holzstämme und Äste die hügeligen Pfade und der schlammige Untergrund lädt dazu ein, dass in ihm die Reifen von Fahrzeugen versinken. Doch Marko Jakubzyk machen diese Umstände bei seiner Arbeit nicht allzu viel aus. Der hauptberufliche Zimmermeister beschäftigt sich mit der naturnahen Waldbewirtschaftung und ist deshalb auch als Pferderücker aktiv.

„Dort, wo große Maschinen nicht durchkommen und den Wald empfindlich beschädigen, haben meine Pferde den Vorteil, flexibel und waldschonend Holz zu rücken“, sagt Marko Jakubzyk. Dies resultiere vor allem daraus, dass die Maschinen wie der Forwarder einen Rückegassenabstand von meist 20 bis 40 Metern und eine Wegbreite von drei bis vier Metern bräuchten, um das Holz zu transportieren. Auf diese Art und Weise würden die Fahrzeuge allerdings dem Boden, der so zu sehr verdichtet werde, schaden.

Zwar wäre der Zeitaufwand beim Pferderücken größer, jedoch dürfe man nicht die Langzeitwirkung auf die Waldumgebung außer Acht lassen. „Auf lange Sicht hat das Pferderücken auch einen wirtschaftlichen Vorteil, da so mehr Fläche des Waldes genutzt werden kann“, erklärt Marko Jakubzyk. „Bei der anderen Methode ist der Boden anschließend für über 150 Jahre für jedes Wachstum ungeeignet.“

Immer wieder spannen Jakubzyk und seine vier Kollegen die Holzstämme an das moderne Geschirr der Pferde. Diese ziehen das Holz dann zu speziellen Sammelpunkten, wo es dann für den Weitertransport vorbereitet wird. „Es ist schwere Arbeit. Man braucht gutes Geschirr und Erfahrung im Umgang mit Pferden“, sagt der Pferderücker.

Komplett davon leben könne Marko Jakubzyk von diesem Handwerk zwar nicht, doch mittlerweile gebe es wieder eine Förderung, um die man sich jahrelang bemüht habe. Im September 2014 lief eine Förderung der EU aus. Daraufhin hatten der Waldverein Bansow, die AG für nachhaltige Waldwirtschaft, die AG naturgemäße Waldwirtschaft MV und die IG Zugpferde bei einem Waldaktionstag ihre Forderungen für eine neue Förderung vorgestellt. Zwar resultierte daraus eine bundesweite Förderung, die jedoch aufgrund der komplizierten Antragsstellung und der unklaren Verteilung der Fördersumme nur gering in Anspruch genommen wurde. 2017 gab es dann aber vom Land eine landeseigene Förderung, die den Pferderückern insgesamt 20 000 Euro vom Jahreshaushalt zur Verfügung stellt. Ab März waren Pferderücker dazu berechtigt, pro Festmeter vier Euro Förderung zu beantragen.

„Das ganze hatte nur den Nachteil, dass im März eigentlich schon unsere Arbeit getan ist. In den Sommermonaten gibt es dann keine Aufträge mehr. Nun müssen wir also aktuell im Oktober und November möglichst viel arbeiten, um die Fördersumme auch in Anspruch nehmen zu können“, erklärt Marko Jakubzyk. „Allgemein gab es in den letzten Jahren sehr wenige Aufträge. Das ist auch für die Pferde sehr schwierig, die lange Zeit im Stall waren und dann über mehrere Tage sehr beansprucht werden.“

Im nächsten Jahr, so hofft er, könnte es durch die Förderung mehr und regelmäßiger Aufträge geben. Unter anderem würden der Landesforst Rostock und das Forstamt Bad Doberan auf das Pferderücken zurückgreifen wollen. Dies wäre ein deutlicher Fortschritt zu den Ausschreibungen und Aufträgen der letzten Jahre. Mit seiner Arbeit als Pferderücker möchte Marko Jakubzyk noch lange einen Beitrag zum Wald- und Umweltschutz leisten und eine Alternative zum maschinellen Holzrücken bieten.

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