Bützow : Ein anderer Blick auf die Welt

Seit zwölf Jahren spielt Pauline Krause Gitarre. Ihr musikalisches Talent kann die 17-Jährige beim Freiwilligen Sozialen Jahr im Hort am Schlossplatz einbringen.
Seit zwölf Jahren spielt Pauline Krause Gitarre. Ihr musikalisches Talent kann die 17-Jährige beim Freiwilligen Sozialen Jahr im Hort am Schlossplatz einbringen.

Pauline Krause absolviert im Hort am Schlossplatz ein Freiwilliges Soziales Jahr

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04. April 2017, 12:00 Uhr

Nach dem Schulabschluss direkt in den Job – das war für Pauline Krause keine Option. Denn obwohl die 17-Jährige aus Kurzen Trechow schon recht lange wusste, was sie wollte, wollte sie auch auf Nummer sicher gehen. „Für mich war schon länger klar, dass ich in die soziale, pädagogische Richtung gehen möchte. Die Erzieherausbildung war das Ziel“, erzählt sie. Um das nochmal zu festigen beziehungsweise herauszufinden, ob der Beruf wirklich etwas für sie ist, entschied sich Pauline Krause für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ).

Seit September arbeitet sie im Hort am Schlossplatz in Bützow. Dort betreut sie die Kinder der Klasse 3b. „Ich hatte einen Monat Zeit, in alle Klassen hineinzuschnuppern und konnte mich dann entscheiden.“

Nach Schulschluss holt Pauline Krause die Hortkinder ab und gestaltet mit ihnen den Nachmittag. Vor allem die sogenannten hortoffenen Angebote hätten ihr die Möglichkeit gegeben, sich auszuprobieren. „Jeder Erzieher hat ein bestimmtes Angebot wie Sport oder gesunde Ernährung und macht dann mit den Kindern täglich eine Aufgabe dazu. „Ich habe zum Beispiel mit den Kindern gekocht und Musik gemacht.“ Die Musik liege ihr am besten, sagt die 17-Jährige. „Ich spiele seit zwölf Jahren Gitarre und nehme auch Gesangsunterricht.“

Das praktische Arbeiten ist aber nur ein Teil des FSJ. Über den Träger – Pauline Krause macht ihr FSJ über den Internationalen Bund (IB) – werden verschiedene Seminare organisiert. „Wir lernen dort viele nützliche Sachen, zum Beispiel zu gewaltfreier Kommunikation“, erzählt Pauline Krause. Die theoretischen Grundlagen kämen ihr in ihrer Arbeit sehr zugute, da es im Hort auch viele emotional schwache Kinder gebe, mit denen sie durch die Seminare viel besser umgehen könne. Außerdem habe sie gelernt, sich selbst zurückzunehmen. „Ich bin selbst ein sehr emotionaler Mensch, das darf ich den Kindern aber natürlich nicht zeigen.“

Nach mittlerweile sieben Monaten als Teil des Hort-Teams hat sich für Pauline Krause bestätigt, dass der Beruf des Erziehers der richtige für sie ist. „Es gab natürlich Momente, die sehr herausfordernd waren, aber ich habe sie eher als schöne Herausforderungen wahrgenommen.“ Nach dem FSJ, das im August zu Ende geht, folgt die Ausbildung an der Beruflichen Schule Güstrow. Dort absolviert Pauline Krause zunächst eine zweijährige Ausbildung zur Sozialassistentin, im Anschluss folgen drei Jahre Erzieherausbildung.

Für Pauline Krause ist klar, dass sie der Entscheidung, nach der Schule erst ein FSJ zu absolvieren, viel zu verdanken hat. „Ich war immer schon selbstbewusst, habe mich aber noch weiterentwickelt. Es kostete mich am Anfang schon Überwindung, vor einer Klasse zu stehen und das Kommando zu übernehmen. Das ist jetzt kein Problem mehr.“ Außerdem habe sie viel in Sachen Verantwortungsbewusstsein dazugelernt. „Ich habe einfach einen anderen Blick auf die Welt bekommen.“

Doch trotz aller Vorteile habe das FSJ einen schlechten Ruf, sagt Pauline Krause. Sie selbst habe die Erfahrung gemacht, dass damit viel Negatives assoziiert wird. So komme immer wieder das Gerücht durch, man schiebe das Arbeiten auf und liege auf der faulen Haut. „Es herrscht ziemlich viel Unwissenheit darüber. Dagegen rebellieren wir vom Internationalen Bund nun als erste Generation. Wir sind dabei, ein Netzwerk aufzubauen“, erzählt Pauline Krause, die auch als Standortsprecherin ihres Trägers für Mecklenburg-Vorpommern aktiv ist. Dass der Ruf des FSJ so schlecht ist, wollen sie und ihre Mitstreiter nicht länger hinnehmen. „Wir sind in Schulen gegangen und haben darüber informiert“, erzählt Pauline Krause. Ihr sei wichtig, darüber aufzuklären, welche Möglichkeiten das Jahr bietet. „Ich bekomme ein Arbeitszeugnis, auch für mein Engagement beim IB bekomme ich Zertifikate. Das hilft bei Bewerbungen.“ Zudem sei es einfach eine wunderschöne Erfahrung. „Ich kann es jedem nur empfehlen.“

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