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Bützower Zeitung

24. November 2017 | 17:37 Uhr

Bützow : Dreiste Diebe bestehlen die Toten

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Immer wieder werden auf Bützows Friedhof Grabbeilagen entwendet – Verwandte wütend über Grabschändung

svz.de von
erstellt am 30.Jun.2017 | 21:00 Uhr

Es passiert immer wieder: Der Besuch auf dem Friedhof endet in Tränen über gestohlenen Grabschmuck. Auch Martina Klähns Besuch am Grab ihrer Großmutter endet im Schrecken.

Für Martina Klähn aus Steinhagen ist es ein Unding. Vom Grab ihrer Großmutter Olga Geisler, die auf dem Bützower Friedhof ruht, sind fünf eingepflanzte Blumen entfernt worden. „Es macht mich einfach nur traurig, dass es Menschen gibt, die so etwas tun“, sagt die Enkelin. Zuerst war sie schlicht fassungslos. „Ich dachte zuerst, ich stehe am falschen Grab.“ Als die Erkenntnis dann aber doch griff, dass jemand die Blumen ausgebuddelt hatte, wich die Überraschung der Trauer. „Ich bin zum Auto gegangen und habe dort geweint. Ich war traurig und wütend gleichzeitig“, erzählt Martina Klähn.

Die Enkelin steckt viel Liebe in die Grabstelle ihrer Großmutter. Regelmäßig besucht Martina Klähn das Grab von Olga Geisler, bringt frische Blumen hin und gießt diese. „Es ist die letzte Ehre, die ich einem verstorbenen Menschen erweisen kann. Und das liebevoll.“

Dass Unbekannte den gepflegten Blumenschmuck nun aus der Erde heben, lässt sie frustriert und wütend zurück. Diese Respektlosigkeit führt zu einer klaren Aussage ihrerseits: „Für solche Menschen habe ich nichts als Verachtung übrig.“ Denn es ist mehr als ein gepflücktes Blümchen oder auch ein gestohlener Blumenkorb – wie es ihr schon einmal vor drei Jahren passierte. „Das ist geplant und mit Vorsatz. Da kommen die Leute mit Werkzeugen an.“

Von anderen Betroffenen wisse sie, dass sie nicht die einzige ist, bei denen sich am Grab von Verwandten zu schaffen gemacht wurde. „Die Diebe machen ja nicht einmal vor Kindergräbern halt“, sagt Martina Klähn. Sie vermutet, dass aber die wenigsten Betroffenen sich bei der Friedhofsverwaltung melden. „Sie stehen dann unter Schock oder denken, dass es ohnehin keinen Zweck hat.“

Martina Klähn selbst wird sich aber an die Polizei wenden. „Ich werde eine Anzeige gegen Unbekannt erstatten“, sagt sie. Sie habe allerdings kaum Hoffnung, dass ein Täter ermittelt werden kann.

Stattdessen möchte sie zu einer anderen Aktion aufrufen: „Betroffene könnten kleine Schreibtafeln mit eigenem Text verfassen, die den Dieben ins Gewissen reden sollen“, so Martina Klähn. Sie kann kaum glauben, dass die Diebe es selbst gut finden würden, wenn der Schmuck von den Gräbern ihrer Verwandten entwendet werden würden.

Matthias Knappe von der Friedhofsverwaltung kennt das Problem nur zu gut. Eigentlich ging er davon aus, dass die Diebstähle nicht mehr so häufig vorkommen. „Ich hatte die Hoffnung, dass es momentan ruhig ist. Bei mir kamen keine Beschwerden an“, so Knappe. Denn bei den Diebstählen ist die Friedhofsverwaltung machtlos. „Kameras sind nicht möglich. Häufig wird danach gefragt, ob wir den Friedhof am Abend verschließen können, aber auch das würde nichts bringen“, sagt Knappe. Denn die Blumen verschwänden meist am Wochenende, wo kein Friedhofsmitarbeiter zugegen ist.

Zudem ist der Friedhof wegen großer Löcher in den Hecken leicht zugänglich. Das wäre auch bei verschlossenen Eingängen der Fall. „Außerdem werden die Diebstähle wohl kaum mit Taschenlampe in der Nacht begangen, sondern tagsüber“, so Knappe.

Das solle aber keine Ausrede sein. Die Diebstähle gehen auch dem Verwalter nahe. „Ich habe die Menschen vor Augen und das ist auch mir nicht egal.“

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