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Vollzugsleiterin bei JVA Bützow geht : Dreibergen: "Es war eine gute Zeit"

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"Es war eine gute, eine sehr gute Zeit", sagt Agnete Mauruschat. Seit Herbst 2001 ist sie Leiterin der größten Justizvollzugsanstalt MVs, der JVA Dreibergen Bützow. In knapp zwei Wochen endet ihre Aufgabe an der Warnow.

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erstellt am 06.Sep.2013 | 04:37 Uhr

Bützow | "Es war eine gute, eine sehr gute Zeit", sagt Agnete Mauruschat. Seit Herbst 2001 ist sie Leiterin der größten Justizvollzugsanstalt Mecklenburg-Vorpommerns, der JVA Dreibergen Bützow. In knapp zwei Wochen endet ihre Aufgabe an der Warnow (SVZ berichtete). "Es ist an der Zeit noch einmal etwas Neues auszuprobieren", erklärt die 52-Jährige. "Wenn nicht jetzt, wann dann?" Sie wechselt in die JVA Lübeck, nimmt dabei viele Erfahrungen mit, die sie auf Dreibergen gesammelt hat.

Arbeiten in einem sensiblen Bereich

"Ich gehe mit einem weinende Auge." Ein Satz, den viele in einer ähnlichen Situation auch schon gesagt haben. Doch für sie steht fest: "Die JVA Bützow ist die schönste im Land." Dabei war die erste Begegnung mit Dreibergen alles andere als aufbauend. Im Frühjahr 1993 kam die Hamburgerin das erste Mal nach Mecklenburg-Vorpommern und auch nach Bützow. "Es war grau", erinnert sie sich an jenen Apriltag. So wie die Anstaltsmauern damals. Doch bevor sie Vollzugsleiterin in Bützow wurde, arbeitete sie acht Jahre im Justizministerium in Schwerin. Als dann 2001 das Angebot kam, die JVA in Bützow zu übernehmen, hielt sie Familienrat. Immerhin war grade die jüngste von drei Töchtern geboren. Sie nahm das Angebot an, erzählt die Juristin. "Während meines Referendariats war ich ein Jahr in Santas Fu, der bekannten JVA in Hamburg. Seit dem war es eigentlich immer mein Wunsch, einmal eine JVA zu leiten." Aus ihrer Sicht gibt es für einen Juristen nichts Schöneres, der Rechtsstaatlichkeit ein Gesicht zu geben, sie umzusetzen. "Es ist ein sehr sensibler Bereich." Es geht um die individuelle Freiheit des Einzelnen, die aber durch den Vollzug eine Zeit lang eingeschränkt werde. Natürlich auf der Grundlage von Rechten und Gesetzen. Als Leiterin habe man viele gestalterische Möglichkeiten. "Und ich führe gern Personal", so Mauruschat.

Breites Betätigungsfeld zum Gestalten

Und gerade zum Gestalten und Umgestalten hatte Mauruschat in diesem zwölf Jahren ein breites Betätigungsfeld. In ihre Zeit fällt der Beginn des großen Umbauprogramms auf Dreibergen, nachdem im Land die Entscheidung gefallen war, den Standort zu erhalten. Seit Jahren wird auf dem Gelände gebaut. Derzeit an einem der Flügel des geschichtsträchtigen, denkmalgeschützten Hafthauses aus roten Backsteinziegeln. Das atmet eine über 160-jährige Geschichte. Die Mitarbeiter hätten gerade ein hartes Jahr hinter sich, mit dem Bau der Unterkünfte für die Sicherungsverwahrten auf dem Anstaltsgelände (SVZ berichtete).

Die scheidende JVA-Chefin ist stolz auf ihre Mitarbeiter, nicht nur bezogen auf das zurückliegende Jahr. Dabei verlief der Start vor zwölf Jahren alles andere als glücklich. In jenem Herbst verschwanden zwei Gefangene über den Zaun. "Keine schöne Situation." Auf der andere Seite erinnert sich Mauruschat mit Stolz an den G 8-Gipfel in Heiligendamm. In der JVA Dreibergen wurden jene Frauen und Männer für einige Tage "einquartiert", die zum so genannten schwarzen Block gehörten, Menschen die gegen bestimmte Sicherheitsauflagen verstoßen hatten. "Es hat alles reibungslos geklappt. Es gab keinen Zwischenfall."

Und in die Bützower Zeit von Agnete Mauruschat fallen auch Projekt mit und für Gefangene, mit denen die JVA Dreibergen bundesweit für Aufsehen sorgte. Da ist der Film "Underdogs", der maßgeblich in Bützow gedreht wurde. Der Inhalt: Gefangene werden zur Ausbildung von Hunden herangezogen. Später gab es ein solches Projekt mit Gefangenen in der JVA. Auch das Projekt "Rap hinter Gittern" gehört dazu. Der Auftritt von Bands im Knast oder ein Graffitoprojekt mit einem Künstler aus Jürgenshagen.

Anstaltsbeirat knüpft soziale Netzwerke

Agnete Mauruschat fand es immer als sehr angenehm, wie selbstverständlich die JVA in das gesellschaftliche Leben der Stadt integriert sei. Ohne große Aufregung, es werde als selbstverständlich hingenommen. Mehr noch: Es gebe einen Anstaltsbeirat, der auch soziale Netzwerke nach draußen knüpft. "Das ist wichtig." So überließ die Bützower Feuerwehr der JVA ein ausgedientes Einsatzfahrzeug. "Wir haben hier eine freiwillige Feuerwehr aufgebaut." Auch mit diesem Projekt sei Dreibergen bundesweit im Gespräch gewesen. Zwölf Jahre pendelte Agnete Mauruschat mit dem Zug zwischen Hamburg und Bützow. Zunächst eine Stunde. Später, als kein Intercity mehr fuhr, zwei Stunden. Die JVA-Chefin gewinnt der Fahrerei etwas Positives ab. "Man kommt auf andere Gedanken, kann besser von der Arbeit loslassen."

Auch übernachtete sie zwei Tage die Woche in Bützow. Das wird sich ändern. "Da muss sich meine Jüngste dran gewöhnen, dass ich wieder jeden Abend Zuhause bin", sagt die Mutter und lacht. Ihre beiden anderen Töchter sind aus dem Haus. Die mittlere ist gerade nach Jena umgezogen, zum Medizin-Studium. Umziehen heißt es in den nächsten Tagen auch für Agnete Mauruschat.

In Lübeck erwartet sie eine neue Herausforderung.

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