Warnow/Schlemmin : Disput um Waldwege in der Region

Waldweg gesperrt: Hier zwischen Bützow und Tarnow besagt das Schild ganz klar, dass die Durchfahrt verboten ist. Aber wann ist ein Waldweg öffentlich und wann nicht? Forstamtsleiter Mathias Regenstein ruft die Gemeinden in die Pflicht.
1 von 2
Waldweg gesperrt: Hier zwischen Bützow und Tarnow besagt das Schild ganz klar, dass die Durchfahrt verboten ist. Aber wann ist ein Waldweg öffentlich und wann nicht? Forstamtsleiter Mathias Regenstein ruft die Gemeinden in die Pflicht.

Wann ist ein Weg öffentlich und wann nicht? Schlemmins Forstamtsleiter Mathias Regenstein ruft Gemeinden in die Pflicht

svz.de von
09. Januar 2018, 05:00 Uhr

Oft sind Waldwege die kürzeste Verbindung zwischen zwei Orten. Doch grundsätzlich ist das Befahren von Wegen in Wäldern verboten. Ohne Schilder würden die Menschen denken, dass sie die Wege befahren dürfen, meint Mathias Regenstein, Leiter des Forstamtes in Schlemmin. Das sei nicht richtig. Denn grundsätzlich gehöre jedes Grundstück jemandem, und der Eigentümer müsse das Befahren dulden wollen. Aber wann ist ein Weg nun öffentlich und wann nicht? „Als Autofahrer hat man keine Chance, das zu erkennen“, sagt der Forstamtsleiter.

Genau aus diesem Grund pirschte Mathias Regenstein im vergangenen Jahr mit den Bürgermeistern der Gemeinden seines Forstbezirks durch die Gegend. Es sollte geklärt werden, welche Wege die Bürgermeister für öffentliche halten und welche nicht. Möchte eine Gemeinde einen Weg öffentlich zugänglich machen, wird er auch zum Baulastträger und er muss das Grundstück kaufen.

Dieses Thema wurde beispielsweise bei der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Warnow besprochen. „Es gab einen Antrag der Forst, dass wir Waldwege übernehmen sollen“, sagt Bürgermeister Siegfried Hoffmann. „Es wurde gefragt, ob wir bereit sind, Wege zu übernehmen.“

Ganz so sei es nicht, grätscht Mathias Regenstein dazwischen. Denn die Gemeinden hätten bereits Mitte der 1990er-Jahre katalogisieren sollen, welche Wege für sie öffentlich seien und welche nicht. Laut Regenstein hätte sich aber kaum eine Gemeinde diese Arbeit gemacht. Konkret gibt es im Amt Bützow-Land 25 Wege, bei denen der Status – ob öffentlich oder nicht – nicht geklärt ist. Daher wandte sich der Forstamtsleiter an die Gemeinden mit der Frage: „Was wollt ihr als Gemeinde?“

In Warnow ging es beispielsweise um zwei Wege. Die Verbindung zwischen Eickelberg und Labenz ist inzwischen mit Einigungen zwischen den Gemeinden Warnow und Warin geklärt (SVZ berichtete). Interessant für Warnow ist aber noch der Weg zwischen Rosenow und Lübzin, verrät Siegfried Hoffmann. „Wir haben Interesse daran, aber auch eine Vorstellung von der Abwicklung.“ Die Gemeinde möchte den Weg gern kostenlos übernehmen.

Widerspruch kommt erneut von Mathias Regenstein. Er wolle sich keinesfalls dagegen sperren, dass der Weg öffentlich werde. Aber: „Ich vertrete eine Anstalt öffentlichen Rechts mit eigenem Vermögen, wo nichts verschenkt wird. Umsonst gibt es den Weg nicht.“ Schließlich werden Vermessungen, Kartierungen und nicht zuletzt eine Entschädigungszahlung an den Eigentümer fällig. Zu verschenken sei der etwa 400 Meter lange Weg keinesfalls. „Wenn die Gemeinde den Weg als Ortsverbindung haben will, müssen wir auch über die Bedingungen reden.“

Da bei vielen Wegen der Status unklar ist, plädiert der Forstamtsleiter dafür, eine klare Regelung zu erzielen. Seiner Meinung nach könnte eine Möglichkeit darin bestehen, die Beschaffenheit des Weges als Kriterium zu nehmen. „Alles, was asphaltiert ist, ist ein öffentlicher Weg, und was nicht, das nicht.“ Zur Aufklärung, jeden Weg mit Schildern zu versehen, hält er nicht für sinnvoll. „Schilder haben wir genug in Deutschland.“ Im Kern sei es eine Dorfentwicklungsaufgabe, weswegen er die Gemeinden in die Pflicht nimmt. Die Gemeinden sollten sich seiner Meinung nach Fragen: „Welche Wege will ich, welche Wege brauche ich und welche kann ich mir auch leisten?“ Denn für Schäden kommt der Baulastträger auf, also die Gemeinden, sofern sie den Weg öffentlich machen und sich für diese verantwortlich zeichnen.

Deswegen wurden die Gemeinden gebeten, bis Ende des Jahres auf Listen zu reagieren. Listen mit Wegen, die sie für die Öffentlichkeit vorsehen. Bislang sei bei Mathias Regenstein aber noch nichts eingegangen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen