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Silver Surfer in Bützow : Digitale Welt ohne Angst erfahren

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Ulrich Schnell hilft anderen Senioren beim Umgang mit Laptop, Smartphone und Co.

von
erstellt am 25.Feb.2016 | 05:00 Uhr

„Ich bin kein Experte“, sagt Ulrich Schnell. Dennoch denkt er schon, dass er Menschen über 50 in seiner ruhigen und geduldigen Art den Umgang mit den modernen Medien wie Laptop oder Smartphone beibringen kann. Denn der Bützower ist ein Senioren-Technik-Botschafter – kurz „SilverSurfer“ genannt. Dahinter steht ein landesweites Projekt, das vom Europäischen Integrationszentrum in Rostock koordiniert wird.

Facebook, Skype, Twitter, Laptop, Smartphone, Tablet – für viele ältere Menschen ist der Umgang mit den modernen Medien und den vielen Diensten ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei können sie helfen, das Leben zu erleichtern. Davon ist Peter Boldt vom Europäischen Integrationszentrum überzeugt. Er koordiniert das Projekt Senioren-Technik-Botschafter. Das wurde vor drei Jahren ins Leben gerufen. Das Ziel: Senioren erklären Senioren die moderne Technik und wie sie diese für sich nutzen können.

Der 65-jährige Ulrich Schnell in Bützow ist einer der ehrenamtlichen Senioren-Technik-Botschafter. Im ganzen Land gibt es rund 30, unter anderem in Greifswald, Stralsund und Güstrow.

Annähernd jeder vierte Einwohner des Landkreises Rostock ist älter als 60 Jahre. Nicht jedem fällt es leicht, mit der modernen und sich so schnell verändernden Medientechnik umzugehen. „Das ist nichts für mich“, sagen viele, weiß Peter Boldt. Dabei können auch ältere Menschen davon im Alltag profitieren. Boldt nennt den öffentlichen Personennahverkehr. „Es ist doch einfacher, Fahrzeiten über eine App auf dem Smartphone abzurufen, als dicke Kursbücher zu wälzen“, sagt der Projektkoordinator. Auch wer etwas erleben, Konzerte, Theater oder andere Veranstaltungen besuchen möchte, werde über die verschiedenen digitalen Angebote fündig. „Denn nicht jeder Veranstalter plakatiert oder verteilt Flyer“, erklärt Boldt.

Dabei muss nicht jeder Senior ein PC, ein Laptop oder Tablet besitzen. Vielmehr gehe es darum, festzustellen, welches dieser digitalen Medien für den Einzelnen den „gewünschten Mehrwert“ bringt, erklärt Peter Boldt. Das ist ein Ansatz der Senioren-Technik-Botschafter, wenn sie zu den Veranstaltungen einladen. Über 200-mal kamen die „SilverSurfer“ im vergangenen Jahr zum Einsatz, erreichten dabei rund 1000 Teilnehmer, resümiert Peter Boldt. Dabei sind die Startvoraussetzungen bei den Kursteilnehmern ganz unterschiedlich. „Es geht damit los, zu zeigen, wie ein Gerät gestartet wird und die Angst davor zu nehmen, es könnte etwas kaputt gehen“, sagt Boldt.

Natürlich könnte diese Technikhilfe auch im Familienkreis passieren, Enkel ihren Großeltern helfen. Doch die Erfahrung der „SilverSurfer“ zeige, der Erfolg dieses Projektes beruhe u.a. auf der unmittelbaren Hilfe, die die Ehrenamtler auf Augenhöhe anbieten. Die Technik-Botschafter kennen die Zielgruppe und deren Probleme aus eigenem Erleben. Da geht es viel ruhiger zu, als wenn Enkel ihren Großeltern technisch auf die Sprünge helfen wollen. Das weiß auch Ulrich Schnell.

„Über eine Anzeige in der SVZ habe ich von dem Projekt erfahren“, erzählt Schnell. Der Agrar-Ingenieur, besitzt seit 2001 einen PC. „Ich denke schon, dass ich Menschen über 50 zeigen kann, wie es funktioniert und wie sie sich im Internet bewegen können, ohne dass sie größeren Schaden nehmen.“

Da die digitale Welt auch sehr schnelllebig ist, werden die „SilverSurfer“ regelmäßig geschult. „Dabei erhalten wir Unterstützung von der Medienanstalt MV“, erklärt Peter Boldt. Denn eine staatliche Förderung wie im Jahr eins, als das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung angeschoben wurde, gibt es heute nicht mehr. „Wir sind ehrenamtlich unterwegs. Deshalb haben wir auch keine finanziellen Mittel, um zum Beispiel Räume zu mieten“, sagt der Bützower. Wer seine Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann sich bei ihm melden.

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