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Bützow : Diese „Verrückten“ braucht das Land

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Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Landkreis Rostock verleiht bei Jahresempfang zwölf Ehrenmedaillen in Silber und eine in Gold an Menschen, die sich ehrenamtlich in Denkmalpflege engagieren

svz.de von
erstellt am 10.Sep.2017 | 21:00 Uhr

Gestern waren wieder zahlreiche Interessierte in der Region unterwegs, um anlässlich des Tags des offenen Denkmals historische Bauwerke zu besuchen. Dass es diese noch gibt, ist kein Zufall. Denn es gibt Menschen, die sich für den Erhalt einsetzen und dafür weder Kosten noch Mühen scheuen. Dieses Engagement würdigte der Landkreis am Freitagabend, als er zur Ehrenamtsanerkennung auf das Gut Gerdshagen bei Satow einlud. Zwölf Ehrenmedaillen in Silber und eine in Gold wurden im Beisein von Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) und der Vorstandsvorsitzenden der Ehrenamtsstiftung, Hannelore Kohl, verliehen.


Historische Bausubstanz gerettet


Hartmut Böhnke gilt als „Stadtarchitekt“ von Bützow. Sein Engagement für Denkmale geht aber auch über die Warnowstadt hinaus. „Ihm ist es gelungen, immer wieder das Interesse der Menschen für die historische Bausubstanz in Bützow und vielen anderen Ortschaften zu wecken“, sagte Kreistagspräsidentin Ilka Lochner (CDU), die die Ehrungen gemeinsam mit Landrat Sebastian Constien (SPD) vornahm. Hartmut Böhnke unterstützte bereits zahlreiche Menschen bei Förderanträgen für Zuschüsse zum Wiederaufbau denkmalgeschützter Gebäude, hieß es in der Laudation weiter.


Engagiert in Bodendenkmalpflege


Seit vielen Jahren ist der Güstrower Gerhard Brunk in der Bodendenkmalpflege aktiv. Er entdeckte sogar neue Funde, darunter beispielsweise ein einzigartiges bronzezeitliches Schwert bei Güstrow. Er half bei Notbergungen und Dokumentationen für das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, führte zahlreiche Flurbegehungen und Baustellenkontrollen durch. Dafür erhielt Gerhard Brunk nun die Ehrenmedaille in Silber.

Beim gestrigen Tag des offenen Denkmals lud auch das Kloster Rühn neugierige Besucher ein. Ohne Hans-Georg Harloff, der auch ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Rühn ist, wäre das ehemalige Zisterzienserinnenkloster nicht so sehenswert, wie es heute ist. Er setzt sich seit Jahren für die Restaurierung der Anlage sowie für die Beschaffung der dafür notwendigen Gelder ein. Dafür wurde Harloff geehrt.

Auch Dieter Kölpien aus Güstrow hat einen maßgeblichen Anteil daran, dass die Barlachstadt ein touristischer Magnet ist. Gemeinsam mit dem verstorbenen Gernot Moeller, dem die Ehrung ebenfalls galt, veröffentlichte er Studien und Dokumentationen zur Stadtgeschichte. Er gestaltet und pflegt die in Fachkreisen viel genutzte Internetseite www.stadtgeschichte-guestrow.de, organisierte Spendensammlungen zur Renovierung der Grabanlage von John Brinckman sowie für den Brinckman-Brunnen.


Einsatz für Erhalt der Dorfkirche


Nicht nur in Städten lohnt sich der Einsatz für Denkmale. Das stellt Peter Reizlein unter Beweis. Der Wiendorfer saß sieben Jahre lang dem Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Buchholz vor und gründete in Eigeninitiative den Förderverein Dorfkirche Wiendorf. Reizlein und der Verein haben sich den Erhalt der Dorfkirche auf die Fahnen geschrieben.

Die Ehrenmedaille des Landkreises in Gold erhielt indes Volker Häußler. Der Kühlungsborner ist seit 1981 in der Bodendenkmalpflege engagiert, gründete die Kreisarbeitsgruppe „Ur- und Frühgeschichte“ und war außerdem Gründungsmitglied der „Archäologischen Gesellschaft für Mecklenburg und Vorpommern“. Dort ist er noch heute Ehrenmitglied. Volker Häußler hielt mehr als 1400 Vorträge.

In seinen Grußworten zollte auch Minister Caffier den zu Ehrenden Respekt. Zwar habe der Denkmalschutz ihm schon viele graue Haare beschert, dennoch sei der Erhalt von Kulturschätzen wichtig, um Identität zu wahren. Sich im Denkmalschutz zu engagieren bedürfe einer gewissen Verrücktheit, sagte Hannelore Kohl. Und langen Atem sowie Erfindungsreichtum beim Einwerben von Geldern. „Wider aller Vernunft “ würden sich viele dieser „Verrückten“ für Denkmale einsetzen, hob Prof. Dr. Henning Bombeck in seiner Rede hervor. „Und von diesen Verrückten kann ein Land nicht genug haben.“

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