Die Zukunft des Obstbaums

Diskutieren über den besten Obstbaum-Schnitt: Uwe Arnsberg (links), Dirk Müller (3.v.l.) und Interessierte auf einer Streuobstwiese am Rande Zibühls.
Diskutieren über den besten Obstbaum-Schnitt: Uwe Arnsberg (links), Dirk Müller (3.v.l.) und Interessierte auf einer Streuobstwiese am Rande Zibühls.

Laien schauten einem Fachmann bei der Obstbaumpflege zu und legten selbst Hand an

svz.de von
05. März 2018, 05:00 Uhr

Einen Obstbaum so zu schneiden, dass er ordentlich wächst und möglichst viele Früchte produziert, ist nicht einfach. In Zibühl und Dreetz schauten am Samstag sieben Männer und zwei Frauen dem Experten Uwe Arnsberg zunächst über die Schulter. Später durften auch die Laien zu Säge und Zweigschere greifen.

Samstagvormittag am westlichen Rand Zibühls: Die Streuobstwiese liegt zum Glück im Schatten des kalten Ostwinds, die Sonne wärmt die Menschen sogar etwas. Sie sind gekommen, um von Uwe Arnsberg den optimalen Baumschnitt zu lernen. Der Ausbilder in der Arbeitsgemeinschaft Obstgehölzpflege im Pomologen-Verein will den Interessierten den naturgemäßen Kronenaufbau hochstämmiger Streuobstpflanzungen näher bringen. Das heißt, der Baum soll an der Krone einen Haupttrieb und drei bis vier starke Leitäste erhalten. „Ein Leitast soll der Chef werden“, sagt Uwe Arnsberg bei einem Apfelbaum. Dem Mann geht es um die Zukunft eines jeden einzelnen Baums.


Streuobstwiese links liegen gelassen

Die gewünschte Form haben die Apfel- und Birnenbäume am Rande Zibühls noch nicht, weil die in den Jahren 2001 und 2006 gepflanzten Bäume bis 2014 links liegen gelassen wurden. Erst im Jahr 2014, so berichtet Dirk Müller aus Zibühl, habe die Gemeinde Dreetz damit begonnen, die Bäume schneiden zu lassen. Die Umstellung auf die gewünschte Form der Krone dauere fünf Jahre, sagt der an der Natur interessierte Zibühler.

Dirk Müller, der seit zehn Jahren Kurse in Sachen Obstbaum besucht, will die Ideen verstehen lernen, die Uwe Arnsberg nach der Betrachtung eines Baums entwickelt. Denn der Schnitt hat Auswirkungen auf den Wuchs im folgenden Jahr. Dabei gelte es Wuchsregeln und -gesetze auszunutzen: „Man muss jeden Baum einzeln betrachten, denn es gibt auch sortenspezifisches Wuchsverhalten.“


Verletzungen am Stamm

Die Gruppe steht um einen Apfelbaum und diskutiert. Ein Mann meint, die kleinen Triebe unten am Stamm müssten doch abgeknipst werden. Uwe Arnsberg rät davon ab: „Grundsätzlich ist das erst mal erwünscht.“ Denn er sieht Verletzungen am Stamm oberhalb der jungen Triebe, für die vielleicht Rehe verantwortlich sind. Der Fachmann weiß, dass der Baum auf diese Weise die Verletzungen repariert. Dann redet die Gruppe über einen der Leitäste. Uwe Arnsberg entscheidet: „Der Leitast soll untergeordnet bleiben, aber nicht abkippen. Also schneiden wir ihn an.“ Er stellt die Leiter an, klettert hoch und greift zur Baumsäge. Gesagt, getan.

Brigitte Dehne aus Warin ist begeistert. Eigentlich wollte sie in ihrem Dorf am geplanten Obstbaum-Schautag teilnehmen. Doch wegen tiefer Temperaturen fiel die Veranstaltung aus. „Mein Mann und ich sind völlige Laien“, meint sie. Im Jahr 2007 hätten sie ein Haus mit einem großen Garten gekauft. Eine Baumschule habe die Obstbäume sehr kurz geschnitten. „Wir wussten nicht, was wir machen sollen“, sagt die Warinerin. Nun habe sie gelernt, dass die Baumschule zu rabiat vorgegangen ist. Etappenweise, also Jahr für Jahr neu zu entscheiden, sei besser. Man dürfe einen Baum nicht zu sehr schwächen. „Einer der schlimmsten Fehler ist es, zu viel wegzuschneiden“, sagt Dirk Müller.

Wie sich ein Baum entwickelt, hängt auch von den klimatischen Bedingungen ab. Uwe Arnsberg schaut sich einen Boskoop-Baum an. Im vergangenen Jahr sei es zur Obstblüte zu kalt gewesen, danach habe es viel geregnet, erinnert er sich. Dearaus folgert er: „Wenn es zur Blüte warm wird, gibt es, glaube ich, eine Super-Ernte mit unglaublich viel Obst.“

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