Bützow : „Die Überlebenden nicht vergessen“

Symbolträchtig: Pastorin Christine Oberlin mit Kreuz, Herz und Anker
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Symbolträchtig: Pastorin Christine Oberlin mit Kreuz, Herz und Anker

Gedenken an Opfer von Krieg und Gewalt gestern am Volkstrauertag unter anderem in Bützow und Krakow am See

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20. November 2017, 05:00 Uhr

Nicht viele sind gekommen zum offiziellen Gedenken der Stadt Bützow am Volkstrauertag. Mögen es gerade einmal zwei Dutzende Frauen und Männer gewesen sein, die sich gestern am Gedenkstein in der Neuen Bahnhofsstraße eingefunden hatten, um den Opfern von Krieg und Gewalt ihre Ehre zu erweisen.

Doch für sie spiele die Zahl, derer, die gekommenen sind, nicht die Rolle, es zähle jeder einzelne, erklärte Christine Oberlin, Pastorin der evangelisch-reformierten Gemeinde. Sie reichte einen kleinen Anhänger herum. Ein Kreuz, ein Herz und ein Anker. Kreuz, Herz, Anker so heiße die Kolumne im Kirchenradio, erklärt die Pastorin. Ein Kreuz für den Glauben, ein Herz für die Liebe oder ein Anker für die Hoffnung vergeben die Kolumnisten. Christine Oberlin verwies auf die Gedanken von Pastor Jan Dieckmann anlässlich des Volkstrauertages 2017. Es sei nicht nur wichtig, der Opfer zu gedenken, sondern es sei auch wichtig, „die Überlebenden nicht zu vergessen“. Es seien die Menschen, die Kriege und Gewalt überstanden, aber seelische Narben davongetragen haben.

Zuvor hatte Landtagsabgeordneter Philipp da Cunha (SPD) daran erinnert, dass wir auf eine 70-jährige Friedensperiode zurückblicken können. Das sei angesichts von Kriegen und kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit keine Selbstverständlichkeit. Umso mehr müsse man sich an die Folgen von Krieg und Gewalt erinnern. Da Cunha zitierte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit den Worten: „Wer an Europa zweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen.“ Weil nirgendwo besser, eindringlicher und bewegender zu spüren ist, was das europäische Gegeneinander an Schlimmstem bewirken könne.

Landrat Sebastian Constien (SPD) lehnte es bei der Gedenkfeier in Krakow am See ab, einen „Schlussstrich unter die Aufarbeitung unserer Geschichte“ zu ziehen, „wie er heute offen von manchen gewählten Abgeordneten gefordert wird.“ Aus dem Gedenken am Volkstrauertag ergebe sich für alle „die Pflicht zum Erhalt des Friedens“. „Dieser Frieden muss von innen erhalten und nach außen geschützt werden“, betonte Sebastian Constien. „Wir sind also auf unsere eigene Mitarbeit ebenso angewiesen wie auf die Bereitschaft von Menschen, unsere Werte im Ernstfall zu verteidigen. Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr übernehmen diese Aufgabe. Daher gilt ihnen heute unser Dank und wir gedenken der gefallenen Bundeswehrsoldaten. Unter Einsatz ihres eigenen Lebens haben sie sich für unser aller Wohl eingesetzt.“

Regelmäßig würden wir daran erinnert, wie zerbrechlich der Frieden sei. „Die Folgen des Kriegs spüren wir bis hier. Kriegsflüchtlingen bietet unser Land immer wieder Schutz, zuletzt den Opfern des syrischen Bürgerkriegs“, so Constien. Auch die Stadt Krakow am See habe, als es darauf angekommen sei, nicht weggeschaut und dabei geholfen, die syrischen Flüchtlinge aufzunehmen und unterzubringen.

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