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Gütesiegel für Milchbauern : Die Milch ist spitze, der Preis nicht

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Landwirtschaftsbetrieb Schneekloth aus Bernitt erhält Gütesiegel des Landeskontrollvereins Güstrow

svz.de von
erstellt am 13.Apr.2016 | 10:00 Uhr

Wenn bei den Lesern der SVZ die Zeitung auf dem Frühstückstisch liegt, hat Maike Schneekloth bereits ihre erste Schicht hinter sich. Dann sind die 280 Milchkühe im Stall auf dem Hof der Schneekloths in Bernitt bereits gemolken. Für ihre Mühen bekommen sie und die anderen Milchbauern nur wenig zurück. Der Milchpreis ist bis auf 21 Cent je Liter gesunken. Dennoch machen die Landwirte aus Bernitt weiter. Und das in hoher Qualität. Gestern erhielten sie dafür das Gütesiegel des Landeskontrollvereins Güstrow. Bereits das vierte Jahr in Folge.

Vor mehr als 20 Jahren kam Dirk Schneekloth nach Bernitt und baute hier seinen Betrieb auf. „Erst pachteten wir Flächen, später nutzten wir die Möglichkeit, den Boden zu erwerben“, erzählt Dirk Schneekloth. Heute bewirtschaftet er gemeinsam mit seiner Frau und zwei Angestellten rund 330 Hektar. Auf 270 Hektar davon wachsen Getreide und Ölsaaten heran. Weizen, Gerste und auch Raps. Das Stroh, das beim Mähdrusch anfällt, wird in den eigenen Ställen verarbeitet, bildet die Grundlage dafür, dass sich die Tiere wohl fühlen. Insgesamt 550 Kühe leben auf dem Hof, denn den Nachwuchs für die Milchproduktion ziehen die Bernitter selbst heran.

Es sind 280 Milchkühe, die auf dem Hof der Schneekloths täglich gemolken werden. Ab 3 Uhr in der Früh kommen die Tiere das erste Mal in den Melkstand, am Nachmittag ab 15 Uhr ein zweites Mal. „So haben die Tiere eine längere Ruhephase als in Betrieben, die dreimal melken“, erklärt Maike Schneekloth.

Einmal am Tag wird die Milch vom Hof abgeholt. In unregelmäßigen Abständen nimmt der Fahrer der Molkerei Stichproben, die dann im Labor analysiert werden. „Wann diese Proben gezogen werden, wissen wir vorher nicht“, erzählt die Tierwirtin. Bei der Analyse geht es unter anderem um die Zell- und die Keimzahl. Sind diese zu hoch, sei das ein Zeichen, dass zum Beispiel die Tiere nicht gesund sind oder der Milchtank nicht sauber ist. „Deshalb ist es wichtig, das man ein Gefühl für die Tiere hat. Stimmt bei einer Kuh etwas nicht, muss man sofort etwas dagegen tun“, sagt Maike Schneekloth. Diese Aufmerksamkeit erwartet sie auch von den Mitarbeitern, damit sich eine mögliche Krankheit nicht auf andere Tiere überträgt und sich nicht auf die Milchqualität auswirkt.

Wenn die Qualität stimmt, gibt es von der Molkerei einen halben Cent pro Liter obendrauf. Nicht viel, zumal der Milchpreis mit 21 Cent im Keller ist. Dirk Schneekloth zeigt eine Abrechnung vom 31. Juli 2014. Damals hat er noch 36 Cent für einen Liter Milch bekommen. Preise, die derzeit in weiter Ferne liegen. Das ärgert Maike Schneekloth. „Wasser kostet im Supermarkt mehr als Milch. Dabei steckt in der Milch alles, was der Mensch zum Leben braucht – und viel Arbeit“, sagt die Bernitterin.

Dennoch hätten sie noch Glück. Sie konnten die vorhandenen Ställe aus LPG-Zeiten nutzen, mussten nicht neu bauen, erzählt Dirk Schneekloth. Und sie betreiben auf ihrem Boden auch ein Windrad – als zweites wirtschaftliches Standbein. „Dadurch können wir Verluste bei der Milch ausgleichen“, sagt Maike Schneekloth. Andere Milchbauern hätten es da derzeit noch weitaus schwieriger.

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