Bützow : Die erste Gitarre bekam er vom Vater

Musik ist seine Leidenschaft: Volker Tripschu ist Lehrer am Geschwister-Scholl-Gymnasium Bützow.
Musik ist seine Leidenschaft: Volker Tripschu ist Lehrer am Geschwister-Scholl-Gymnasium Bützow.

Volker Tripschu ist Musiklehrer am Bützower Geschwister-Scholl-Gymnasium, liest viele Bücher, und das gleichzeitig, und möchte noch viel von der Welt sehen

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03. Juni 2017, 05:00 Uhr

Er sei überrascht gewesen, als die Bützower Zeitung fragte, ob er sich den 20 Fragen zum Wochenende stellen würde, sagt Volker Tripschu. „Vielleicht hängt es mit einem Hobby zusammen, das ich auch im Beruf umsetzen darf: die Musik“, sagt der 35-Jährige. „Dabei hat sich mittlerweile ein Projekt herauskristallisiert, das mir sehr am Herzen liegt: Die Band ,Still Searching’, die sich aus Musikern des hiesigen Geschwister-Scholl-Gymnasiums zusammensetzt und bereits seit zwei oder sogar schon drei Jahren miteinander musizieren.“ SVZ-Redakteurin Christina Milbrandt stellte dem Familienvater die 20 Fragen zum Wochenende.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Da ich nicht aus Bützow komme und aktuell dort auch nicht lebe, ist es schwer einen Lieblingsplatz zu benennen. Am Wasser finde ich es sehr entspannend und davon hat Bützow auch eine Menge zu bieten.
Was würden Sie als Bürgermeister in Ihrem Wohnort sofort ändern?
Auch als Nichtbützower stelle ich oft fest, dass es im Ort ein Nadelöhr gibt, dass zu bestimmten Zeiten zu erheblichen Verkehr und Wartezeiten führt. Ansonsten würde ich versuchen, den Charme den Bützow hat, beizubehalten.
Wo kann man Sie am ehesten treffen?
In Bützow – an meinem Arbeitsplatz, das Geschwister-Scholl-Gymnasium.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Es fing mit 16 an, als es darum ging, den Führerschein zu finanzieren. Damals war es etwas schwierig einen geeigneten Job zu bekommen. Aber ich bekam einen an einer Tankstelle, wo ich die gesamten Sommerferien an zwei bis vier Tagen die Woche mein erstes Geld verdienen konnte. Es war für mein Verständnis und meinem Umgang mit Geld gut, bereits im Teenageralter Erfahrungen zu sammeln, welchen langen Zeitraum es benötigt, um sich das nötige Geld für bestimmte Wünsche zu erwirtschaften.
Wofür haben Sie es ausgegeben?
Wie bereits erwähnt, die den Führerschein.
Was würden Sie gerne können?
Ich hätte gerne ein Bewusstsein für mehr eigene Wirtschaftlichkeit. Richtig toll kochen.
Was stört Sie an anderen?
Ich halte mich selbst für recht tolerant und jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Dies sollte eine ehrliche Grundlage sein, für ein tolerantes Miteinander und dafür auch mal Nachsicht zu üben. Dennoch gibt es einige Aspekte, über die ich mich dann doch trotz der Nachsicht störe: So empfinde ich Unachtsamkeit, Überheblichkeit, Arroganz und Ignoranz schwer erträglich.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Am meisten lache ich über mich selber. Aber auch viel mit Freunden und der Familie. Neulich war ich bei einer Kollegin, deren Schilderungen über eine Amsel mir die Tränen in die Augen trieben, weil sie so lustig waren, besonders weil sie dabei gekonnt ihr Mienenspiel einsetzte.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Ich mache am Tag so viele kleine unvernünftige Dinge, da kann ich mir nicht merken, was es war. Aber mit Ü  30 bin ich ein wenig ruhiger geworden.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Jeder, der sich für Menschlichkeit, ein offenes Miteinander und Toleranz einsetzt.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Trotz der Arbeit und des vielen Korrigierens gibt es eine relativ hohe Dichte an gelesener Lektüre, sodass pro Woche ein Buch verschlugen wird. Zurzeit sind es mehrere Bücher gleichzeitig: Den neusten Roman von Jostein Gaarder habe ich gerade begonnen, der von Sprachprofessor Jakob Jacobsen handelt, der, wie sich bis jetzt herausstellt, gerne Beerdigungen besucht, sich dort aber zum Teil auch unwohl fühlt und eine Leidenschaft für die Etymologie hat. Er schreibt an eine Agnes, die der Leser bisher (S. 60) noch nicht näher kennt. Das zweite Buch ist das letzte Buch von Roger Willemsen „Wer wir waren“, das er anfing, jedoch aufgrund seiner Krankheit nicht mehr zu Ende brachte. Dieses Buch ist nun das Resultat, eine Reden aus dem Jahr 2015 und seiner bis dato angefertigten Aufzeichnungen. Es geht Roger Willemsen vor allem darum, dass wir erkennen, was wir in der Gegenwart versäumen, um eine für die kommenden Generationen noch erträgliche Zukunft zu gestalten. Dazu ein Zitat: „Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrungen. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.“ Gerade in dieser Zeit, ein Buch, das einem besinnt. Das letzte Buch lese ich nicht, sondern höre es. Und es wird von meiner Freundin vorgelesen. Hierbei geht es um einen junges Genie, der von seinen Agenten bewusst ins Unglück gestürzt wird, um die beste Kunst zu erschaffen. Der Roman stammt von Joey Goebel und hört auf den Titel „Vincent“.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Da ich keinen Fernseher besitze, gibt es auch nicht die Sendung, die ich unbedingt ansehen muss. So kann ich auch nicht bei bestimmten Vorabend-Soaps oder aktuellen TV-Serien mitreden. Aber das ist egal. Noch als Schüler oder später auch als Student würde ich mich fast als Fernseheule bezeichnen. Heute kann ich mir kaum vorstellen, woher ich die Zeit dafür genommen habe.
Dennoch verzichte ich im Zeitalter der Mediatheken nicht komplett aufs Fernsehen, gerade weil ich die aktuellen Ereignisse erfassen möchte. So sind die Tageschau und die Tagesthemen Sendungen, die ich gerne verfolge. Aber auch die heute-Show, mit Oliver Welke und das Neo-Magazin-Royale mit Böhmermann schalte ich gerne mal an. Ansonsten suche ich ganz bewusst bestimmte Themen in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender heraus. Auf die privaten Sender kann ich ganz gut komplett verzichten.
Wo trifft man Sie eher: bei einer Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?
Weder noch, aber wenn nur diese Auswahl zur Verfügung steht eher bei einem Fußballspiel. Aber eher in einer Bar mit Freunden als live im Stadion. Zuletzt war ich im Ostseestadion, als Hansa Rostock noch in der ersten Liga spielte. Mit Karneval kann ich leider kaum etwas anfangen.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Einige Autoren und Musiker. Die Liste wäre zu lang und würde den Rahmen sprengen.
Wenn Sie selbst kochen: was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Oh… kochen… ich versuche gerade meine Kenntnisse auf diesem Gebiet zu vertiefen, damit es nicht immer bei Nudel etc. bleibt.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Als Musikliebhaber gibt es nicht das Lied und es gibt auch nicht die schönste Erinnerung in meinem Leben, sondern einige. So zum Beispiel die Geburt meiner Tochter, zu der ein Stück eines unbekannten Komponisten gesungen wurde. Oder der Moment, als ich ein Stück spielte, ohne das Wissen, das es ein Lieblingssong meiner Freundin ist und wir uns darüber unterhalten haben. Ein Song, den ich nicht vergesse, weil ich ihn mit einem Mädchen in Verbindung bringe, das ich als 16-Jähriger toll fand. Zudem gibt es bei mir Ohrwürmer, die mich seit rund 15 Jahren in regelmäßigen Abständen wieder heimsuchen.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Das Geschenk des Lebens, der Liebe, des Glücks, der Freude, der Musik und des Selbst. Dafür muss ich meiner Familie, meinen Freunden, meiner Freundin, meinen Kindern und auch meinen Kollegen und meinen Schülern, insgesamt den Wegbegleitern meines bisherigen Lebens danken. Konkreter: Zuletzt habe ich von meiner Freundin ein paar Hausschuhe bekommen, die während der kalten Jahreszeit unglaublich gute Dienste leisteten. Meine erste Gitarre von meinem Vater, die mich dazu verleitet hat, weiter am musikalischen Talent zu feilen; auch meine tolle Konzertgitarre, die ich nicht mehr missen möchte. Es sind auch viele kleine Geschenke dabei, die mir besonders am Herzen liegen.
Mit der Zeit haben sich die Dinge aber geändert. Ich schenke viel lieber und erfreue mich an der Freude über ein gelungenes Geschenk.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Noch etwas mehr von der Welt sehen.
Wie gestalten Sie Ihre Freizeit als Rentner?
Das ist noch so lange hin. Als 20-Jähriger hatte ich bestimmte Vorstellungen davon, wie ich als Rentner leben will. Aber auch diese Utopie ist nicht mehr komplett mit meinen jetzigen Vorstellungen vereinbar.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?
Weil ich nicht weiß, wer schon an dieser Rubrik teilgenommen hat, ist es schwer jemanden zu benennen. Dennoch möchte ich gerne meinen Schulsozialarbeiter Uwe Kranz vorschlagen. Nicht nur, dass er gebürtiger Bützower ist, er leistet auch unglaublich wichtige Arbeit in der Schule und auch außerhalb.

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