Familien-Druckerei Malitz : „Die Druckerei ist mein Leben“

Ingelore Fiedler steht an der Rotaprint-Druckautomat, mit der die unterschiedlichsten Dokumente wie auch Satzungen gedruckt werden.
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Ingelore Fiedler steht an der Rotaprint-Druckautomat, mit der die unterschiedlichsten Dokumente wie auch Satzungen gedruckt werden.

Ingelore Fiedler prüft die ersten Seiten eines Anzeigenblattes am Rotaprint-Druckautomat. Sie ist mit ihrer Schwester schon fast ein Leben lang in der Druckerei Malitz tätig, sie begehen noch in diesem Jahr das 65-jährige Jubiläum.

Ingelore Fiedler prüft gerade die ersten Seiten eines Schwaaner Anzeigenblattes am Rotaprint-Druckautomat. Ihre Schwester Sieglinde bearbeitet derweil am Computer mit einem speziellen Gestaltungsprogramm Werbungen für Weihnachtsbüffets von unterschiedlichen Betrieben.

Die beiden Schwestern sind (fast) schon ein Leben lang in der Druckerei Malitz tätig, begehen in diesem Jahr das 65-jährige Jubiläum des Familienbetriebes. Sowohl der Vater, Heinrich, als auch der Großvater, Willy, haben schon in der Druckerei gearbeitet. „Mein Großvater hatte das Gebäude am 1. Januar 1948 mit dem dazu gehörigen Grundstück in der Schulstraße 10 erworben“, erklärt Fiedler. Er habe damals Lebensmittelkarten, aber auch Einladungen, Geburtstags- und Traueranzeigen gedruckt. Bereits viele Jahre zuvor hatte es eine Druckerei in Schwaan gegeben. „Schon vor 130 Jahren war in der Warnowstraße die erste Druckerei ansässig“, sagt die 63-Jährige. 1902 zieht dieser Betrieb in die Schulstraße 10, wo auch die „Schwaaner Zeitung“ hergestellt wurde. „Das war ein Publikationsorgan der städtischen Behörden und erschien drei Mal pro Woche“, erklärt Ingelore Fiedler. Schon bis1926 hatte es zwei Verleger-Wechsel gegeben. Die damaligen Eigentümer, die Gebrüder Richter, ließen die Zeitung in dem Jahr sogar täglich erscheinen, erinnert sich Ingelore Fiedler.

Die Schwaanerin betreibt seit 13 Jahren den kleinen Laden in der Schulstraße 10, hatte ihn 2000 von ihrem Vater Heinrich übernommen. Mit ihm hat sie über Jahrzehnte Rechnungen, Briefblätter oder Einladungen für eine Vielzahl von Firmen und Personen aus Schwaan gedruckt. „Selbst für die Brausefabrik der Familie Schauer hatten wir die Etiketten erstellt“, sagt Ingelore Fiedler, die im Alter von 16 Jahren eine Ausbildung zum Schriftsetzer begann. Das erste Jahr habe sie in Schwerin gelernt, das zweite dann im elterlichen Betrieb. Ab 1968 war sie in der Druckerei voll tätig – hatte gesetzt, gedruckt, gefalzt und auch die Rechnungen sowie Kalkulationen für die jeweiligen Bestellungen durchgeführt. Ihre Schwester Sieglinde kam sechs Jahre später in den Betrieb. Aufträge haben sie zu DDR-Zeiten auch für große Unternehmen wie das Dieselmotorenwerk oder das Fischkombinat aus Rostock sowie den Schwaaner Fischwaren-Betrieb ausgeführt. Damals waren in der Druckerei bis zu zehn Angestellte tätig. Sie setzten die Aufträge unter anderem an drei Blei-Setzmaschinen sowie dem so genannten OM2-Druckautomat um. Nur ein Anzeigenblatt oder eine Zeitung wurde in all den Jahren nicht herausgegeben. „Die frühere Schwaaner Zeitung musste nach dem Zweiten Weltkrieg eingestellt werden, wurde von der russischen Kommandantur verboten“, erzählt Ingelore Fiedler. Sie setzt sich Anfang der 1980er-Jahre sogar noch einmal auf die Schulbank, erhält 1983 ihren Meisterbrief.

Nach der Wende blieben Aufträge aus. „Wir mussten kürzer treten.“ Wollte man überleben, musste man zeitgleich den Betrieb umstrukturieren. Neue Geräte wie eine Photosatz- und Offsetmaschine, einen Belichter sowie einen Entwickler wurden angeschafft. Die schmerzhaftesten Monate waren aber, als der Familienbetrieb Mitarbeiter entlassen musste.

Im Laufe der Zeit erholt sich die Druckerei, gab es wieder mehr Arbeit, z.B. den Schwaaner Amtsanzeiger. Heute werden u.a. wieder Hochzeits- und Trauerkarten oder Plakate gedruckt.

Über die Zukunft macht sich Ingelore Fiedler noch nicht zu viele Gedanken, mit 65 wolle sie auf jeden Fall noch nicht „in Rente gehen“. Der Beruf mache ihr auch nach so vielen Jahren immer noch Spaß. „Die Druckerei ist mein Leben“, sagt Ingelore Fiedler. Sie sei hier zusammen mit ihren Geschwistern reingewachsen und wenn der eine für den anderen da sei, dann „ist das etwas ganz besonderes“. Sie würde sich freuen, wenn die Druckerei auch in Familienhand bliebe und ihr Sohn Oliver, der zur Zeit in einer Rostocker Druckerei arbeitet, ihn übernehme.

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