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Aufzüge für Bahnhof Bützow verzögern sich : Die Bahn kommt - aber viel zu spät

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Fahrstühle sollen Reisenden den Zugang zu den Bahnsteigen auf dem Bahnhof Bützow erleichtern. Doch bis es so weit ist, müssen sie sich noch gedulden. Stadtvertreter sind verärgert von der "Hinhaltetaktik" des Konzerns.

svz.de von
erstellt am 07.Feb.2013 | 06:31 Uhr

Bützow | Fahrstühle sollen Reisenden den Zugang zu den Bahnsteigen auf dem Bahnhof in Bützow erleichtern. Doch bis es so weit ist, müssen sie sich noch gedulden. "Nach derzeitigem Stand ist eine Umsetzung der Maßnahme für 2016/2017 vorgesehen", erklärt Bahnsprecher Burkhard Ahlert auf Nachfrage unserer Redaktion. Als SVZ Wolfgang Wehrmann gestern über diese Antwort informiert, reagiert der Stadtvertreter (Einzelbewerber) stinksauer: "Aus meiner Sicht kommt die Deutsche Bahn damit ihrem Auftrag, für eine ordentliche und reibungslose Betriebsführung zu sorgen, nicht nach."

Rückblende: Vor nunmehr vier Jahren, im Juli 2009 holte der blinde Stadtvertreter den Bürgerbeauftragten des Landes, das war damals Bernd Schubert, nach Bützow. Anlass waren Sparmaßnahmen der Deutschen Bahn AG, die von Wehrmann und anderen nicht mehr akzeptiert wurden. Denn wenige Monate zuvor hatte die Bahn das Service-Personal vom Bahnhof abzogen. Der Konzern begründete diesen Schritt damit, dass mit der Digitalisierung von Ansage und Anzeigeeinrichtungen keine Mitarbeiter vor Ort mehr erforderlich seien. Außerdem hätte es in Bützow nie Service-Personal gegeben, die gebe es nur für Einser- und Zweier-Bahnhöfe. In Bützow als Dreier-Bahnhof, so eingeordnet nach einer sechsstufigen Klassifizierung der Deutschen Bahn, habe es nur Zug ansager gegeben. "Und wenn die "zwischen den Ansagen" Reisenden geholfen haben, sei das der gute Wille der Bahn gewesen.

Der Hinweis darauf, dass zum Beispiel Rollstuhlfahrer oder Reisende mit Kinderwagen Probleme hätten, von einem Bahnsteig auf den anderen zu kommen, wurde nicht akzeptiert. Dafür gebe es den mobilen Reise-Dienst. 24 Stunden vor Antritt einer Fahrt könnte man so Hilfe anfordern.

Doch Wolfgang Wehrmann wollte das nicht hinnehmen. Immer wieder drängte er in den Monaten danach, dass es eine Zwischenlösung geben müsse, so lange es keine Fahrstühle auf dem Bahnhof in Bützow gibt. Zumal sich immer wieder zeigte, dass Zugansagen falsch waren bzw. ganz ausblieben, und der mobile Reise-Dienst nicht immer das realisieren konnte, was Kunden erwarten (SVZ berichtete mehrfach).

Im September 2009 sprach Ingo Mau, Bahnmanager der DB Station&Service AG, von einer behindertengerechten Lösung ab 2012. Doch nachdem auch im vergangenen Jahr nichts passierte, fragte Wolfgang Wehrmann nun auf der jüngsten Stadtvertretersitzung nach, ob die Stadt schon etwas gehört hätte. Bürgermeister Sebastian Constien: "Wir haben die Bahn angeschrieben."

Die antwortete nun auf SVZ-Nachfrage, dass man derzeit "am Beginn der Vorentwurfsplanungen für die barrierefreie Erschließung des Bahnhofs Bützow durch den Einbau von zwei Aufzügen" stehe. Bahnsprecher Burkhard Ahlert weiter: "Gegenwärtig werden verschiedene Varianten für eine Realisierung untersucht, da der Einbau in die Personenunterführung, aufgrund der räumlichen Verhältnisse, schwierig umzusetzen ist. Eine Kostenermittlung gibt es zurzeit noch nicht, da diese abhängig ist von der gewählten Variante." Und dann abschließend die Zielsetzung 2016/17.

Für Wolfgang Wehrmann ist das inakzeptabel. "Wir Blinden kommen damit ja noch klar. Doch ich denke an die vielen älteren Menschen, die mit schweren Koffern und Gepäck unterwegs sind, an Rollstuhlfahrer und junge Muttis mit Kinderwagen." Er sei nach wie vor der Überzeugung, so lange es keine Aufzüge gibt, ist hier Personal vorzuhalten. "Was die Deutsche Bahn hier macht, ist enttäuschend, es ist eine Hinhaltetaktik."

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