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Besonderer Beruf : Der Tod muss kein Tabu-Thema sein

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Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Die Mitarbeiter des Bestattungshauses Räthel in Güstrow halten die Balance zwischen Empathie und Distanz

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2016 | 10:00 Uhr

Der Tod gehört zum Leben dazu. Trotzdem ist er in der Gesellschaft ein Tabu-Thema. Dass der berufliche Umgang mit dem Lebensende auch seine schönen und erfüllenden Momente haben kann, wissen die Mitarbeiter vom Bestattungshaus Räthel in Güstrow, Bützow und Schwaan. „Wenn die Angehörigen des Verstorbenen mir sagen, dass es eine schöne Beerdigung war, dann ist das für mich das größte Lob“, sagt Andrea Maske, Filialleiterin in Schwaan.

Doch vor allem am Berufsanfang sehe nicht jeder die schönen Seiten der Arbeit. „Ich hatte zuerst Berührungsängste. Eine Urne nur zu sehen, hat mich schon erschrocken“, sagt Katrin Räthel, Juniorchefin des Bestattungshauses. Nach und nach verlor sie ihre Scheu. „Die Neugierde wurde einfach größer“, sagt sie. Ähnlich erging es Andrea Maske. „Ich fuhr in die Feierhalle nach Lüssow, wo die Verstorbenen hygienisch versorgt werden. Damit wollte ich mich selbst testen. Nach dem Besuch hatte ich keine Furcht mehr vor Verstorbenen“, so Andrea Maske.

Für die Versorgung der Toten ist unter anderem Mitarbeiter Dirk Liesau zuständig. Er fährt raus, um die Verstorbenen abzuholen. Somit habe er meistens den ersten persönlichen Kontakt mit den Hinterbliebenen. „Der Tod kommt immer zum falschen Zeitpunkt. Wichtig ist es, den Menschen in ihrer Trauer zuzuhören“, erzählt Dirk Liesau. Manchmal geben die Angehörigen ihm persönliche Gegenstände wie Kleidung, Schmuck oder Kissen mit. Mit dem Toten in der Feierhalle angekommen wäscht, kämmt und kleidet Dirk Liesau den Verstorbenen ein. „Es gibt Angehörige, die bei der Versorgung der Toten helfen wollen. Das gehört für sie zur Trauerbewältigung dazu“, erzählt Dirk Liesau.

Um den Beruf des Bestatters ausüben zu können, sollten bestimmte charakterliche Eigenschaften vorhanden sein. „Sicher in der Kommunikation und empathisch sein, sowie in schwierigen Situation die Ruhe bewahren – diese Fähigkeiten sollten Neueinsteiger mitbringen“, sagt Andrea Maske. Eine Distanz zur der Trauer anderer zu halten, sei für den Beruf notwendig.

Auch die 16-jährige Schülerin Sara-Christin Bundesmann weiß, richtig mit der Situation umzugehen. Im Bestattungshaus Räthel habe sie bereits ein Praktikum gemacht, ein zweites ist in Planung und in den Ferien arbeite sie hin und wieder im Unternehmen mit. „Ich bin bei den Beerdigungen mit dabei, richte das Blumenarrangement her und fotografiere während der Trauerfeier“, sagt Sara-Christin. Sie ist sich des Kummers der Trauernden bewusst, lasse dieses Gefühl jedoch nicht an sich heran. Ihre Freunde und Familie waren erstaunt von ihrer Entscheidung, ein Praktikum in einem Bestattungshaus zu absolvieren. „Ich habe aber immer positiv von dieser Arbeit erzählt. Damit hat sich das Bild vom Bestatter für die Menschen aus meinem Umfeld geändert“, so die 16-Jährige.

Ähnliche Erfahrungen machen die meisten Personen, die in dieser Branche arbeiten. „Wenn ich im Urlaub bin und man mich fragt, was ich beruflich mache, reagieren die meisten sehr erschrocken auf meine Antwort. Oft höre ich dann: Du siehst gar nicht aus wie ein Bestatter“, erzählt Katrin Räthel. Dirk Liesau nimmt während seiner Arbeit verschiedene Reaktionen wahr. „Wenn ich mit dem Leichenwagen unterwegs bin, gibt es die einen, die sofort wegsehen, und es gibt diejenigen, die stehen bleiben und dem Wagen neugierig hinterherschauen.“

Wer noch nie mit dem Tod konfrontiert wurde, habe größere Hemmungen dem Beruf gegenüber. Wer bereits einen Angehörigen beerdigen lassen musste, trete den Mitarbeitern von Beerdigungsunternehmen verständnisvoller gegenüber und wirke bisweilen sogar interessiert, so Katrin Räthel. „Natürlich ist es ein Unterschied, ob man den Verstorbenen kennt oder nicht. Ich möchte selbst von dem Tod meiner Eltern, bis es so weit ist, nichts wissen“, sagt sie. Denn sie seien eben nicht nur Bestatter sondern auch Menschen, so Steffen Räthel, Juniorchef im Bestattungshaus. „Ich werde oft gefragt, was mich denn an dem Beruf hält. Es ist vor allem die Dankbarkeit, die ich von den Hinterbliebenen erfahre. Das ist einfach schön“, sagt Katrin Räthel.

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