Der Künstler passt in keine Schublade

Stefan Albrecht arbeitet mit Holz, Stahl, Beton, Kupfer und Glas

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12. März 2014, 13:01 Uhr

Stefan Albrecht aus Eickhof passt in keine der gängigen Schubladen, in die Künstler gern gesteckt werden. Das einzige Attribut, das voll zutrifft, dürfte „vielseitig“ sein. „Ich gestalte Holzskulpturen, baue Figuren für Spielplätze, beschäftige mich mit kinetischen Skulpturen, entwerfe Lichtobjekte und seit einem Jahr etwa versuche ich mich an Emaillearbeiten“, umreißt der 52-Jährige sein Schaffen. Dabei arbeitet er mit Holz, Stahl, Beton, Kupfer und Glas, manchmal auch mit Schrott, Knochen und Federmaterial.

Albrecht ist Autodidakt. Er lernt aus Büchern und fragt Leute, die sich auskennen. Bevor er mit dem Emaillieren begann, absolvierte er mehrere Wochen ein Praktikum bei einer befreundeten Künstlerin. Zurzeit arbeitet er in seinem beheizbaren Winteratelier an einer Serie über Frösche. „Die ist für eine Ausstellung in der Rothener Mühle bestimmt“, sagt er. Schon als Kind mochte er Holz, bastelte gern und schnitzte. Daraus hat sich nach der Wende eine Leidenschaft für Spielplätze entwickelt. Um die 100 davon hat er schon für Kindertagesstätten oder Gemeinden gestaltet, einen sogar für Japan. Eine Anfrage aus Afrika musste er ablehnen. „Die Transportkosten wären zu hoch gewesen, das hätte keiner bezahlen können“, bedauert Albrecht. Viele seiner Spielgeräte stehen in Hamburg oder im süddeutschen Raum. „Gerade mal eine Handvoll in Mecklenburg-Vorpommern“, sagt er mit leichter Enttäuschung in der Stimme.

Dabei kommen seine Ideen an. In Bützow schuf er für die Grundschule am Schlossplatz ein Klettergerät in der Form eines Käses. Einen Spiel-Traktor mit Hänger fertigte Albrecht für den Spielplatz in der Kita Baumgarten an. Auch die Kita in Jürgenshagen hat so ein Objekt bestellt. Das gute Wetter der letzten Wochen hat Stefan Albrecht genutzt, um an einem großen Auftrag für die Kinderkrebsstation der Rostocker Universitätsklinik zu arbeiten. „Da werde ich einen Innenhof mit Dinosauriern, Krokodilen, Palmen und Walen gestalten“, blickt er voraus.


„In Eickhof bin ich angekommen“


Seit Mitte der 90er-Jahre hat Stefan Albrecht die kinetischen Skulpturen für sich entdeckt. „Das sind bewegliche Objekte, die durch Maschinen, von Hand, durch Wind oder Wasser angetrieben werden“, definiert er. Meist entwirft er sie, um Klänge zu erzeugen. Als ein Beispiel nennt er das Projekt „Neue Wassermusik“ mit Springbrunnen und Tänzer, das er gemeinsam mit dem Komponisten Reinhard Lippert 2001 in Schwerin realisierte. „Die kinetische Skulptur kann Töne erzeugen, die man mit keinem Instrument hinbekommt“, sagt Albrecht, der zur Entspannung Saxophon spielt. Die „Musikmaschine“ aus den Schweriner Sommerkulturtagen steht auf seinem Grundstück. „Über zehn Jahre alt ist sie, funktioniert aber immer noch“, versichert der Künstler. Für Ende Mai hat Albrecht eine Einladung nach Dresden erhalten. Da soll ein Konzert mit drei Musikern und sechs kinetischen Objekten aufgeführt werden.

In seiner als Atelier genutzten ehemaligen Scheune stehen die von ihm gebauten Objekte dicht an dicht. „Aber für Dresden muss ich noch zwei neue bauen“, schmunzelt er. Apropos Atelier. Nach einem geeigneten Raum für seine viel Platz erfordernde Kunst hat der gebürtige Rostocker lange gesucht in Mecklenburg. Die alte Scheune in Eickhof, die die letzte Zeit als Schrotmühle genutzt wurde, entsprach genau seinen Vorstellungen, das geräumige Grundstück war willkommene Zugabe. 1996 zog er in den kleinen Ort. Den parkähnlichen, bis zum Wasser reichenden und mit Eschen besetzten großen Garten teilen sich seither die Schafe mit den Kunstwerken. Die „Drei tanzende(n) Bauern“ sind fast hinter Zweigen verschwunden, der Michelangelo nachempfundene „David, 40 Jahre später“ schaut zur Grundstücksmitte. Dort verpassen Sonne und Regen gerade dem für den Rostocker Auftrag gefertigten Dinosaurier die erste Patina. „In Eickhof“, sagt Stefan Albrecht, „bin ich angekommen. Ich bin ein bodenständiger Mensch“.


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