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Bützower Zeitung

22. November 2017 | 13:34 Uhr

Benitz : Der Kampf gegen Windmühlen

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Die Gemeinde Benitz versucht alles, um die beiden geplanten Windkraft-Testanlagen zu verhindern

von
erstellt am 19.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Don Quijote führte dem Roman nach einen aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen. Zwar spielte diese Geschichte in Spanien, doch in Bröbberow und Benitz fühlen sich die Menschen derzeit genauso, wie Don Quijote. Sie führen einen Kampf gegen zwei geplante Windkraft-Testanlagen auf Höhe der Kreuzung beider Orte.

Ähnlich wie im Roman erscheint der Kampf gegen die Windmühlen für Rainer Mohsakowski, Bürgermeister von Benitz, aussichtslos. Das Problem: Die Gemeinde hat kein Mitspracherecht, darf lediglich eine Stellungnahme abgeben. „Das soll so dicht an der Gemarkungsgrenze stattfinden und man hat keinen Einfluss drauf“, ärgert sich Mohsakowski.

Während einer Einwohnerversammlung in Bröbberow (SVZ berichtete) wurden bereits Bedenken hinsichtlich des Naturschutzes geäußert, die auch die anwesenden Entscheidungsträger und Projektverantwortlichen hörten. Dort wollen auch die Benitzer anknüpfen. Laut Rainer Mohsakowski habe es bereits Kontakt zum Nabu gegeben. Das Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (StALU MM) wird zudem ein Gutachten anfertigen lassen. Auch die Projektverantwortlichen ließen bereits ein Gutachten erstellen. Doch Mohsakowski ist skeptisch. Die Gutachter seien oberflächlich gewesen und hätten nicht alles berücksichtigt. Mohsakowski glaubt den Grund zu kennen: „Wenn ein solches Gutachten in Auftrag geben wird, sagt man auch vorher, was dabei herauskommen soll.“ Zuarbeiten vom Nabu und von der Unteren Naturschutzbehörde würden belegen, dass auf dem Areal seltene Vogelarten und Fledermäuse zugegen sind – das beinhalte das Gutachten vom Projektträger nicht, was die Benitzer monieren.

Auch das Thema Infraschall wollen die Benitzer in ihrer Stellungnahme ansprechen. Dabei handelt es sich um Töne, die so tief sind, dass sie nicht gehört, wohl aber wahrgenommen werden. „Infraschall hat Auswirkungen auf Mensch und Tier“, ist sich Rainer Mohsakowski sicher. „Infraschall nimmt niemand wahr, er hat aber einen Enfluss. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Aber das Thema wird totgeschwiegen.“

Ärgern tut den Benitzer Bürgermeister auch die Höhe der beiden Windräder. Die Nabenhöhe der beantragten Anlagen beträgt 143,50 Meter, die Flügellänge 55 Meter. Es ist also eine Gesamthöhe von fast 200 Metern zu erwarten. „Die Anlagen werden immer größer, aber die Mindestabstände bleiben gleich“, moniert Mohsakowski. Er hat kein Verständnis dafür, dass die gesetzlichen Mindestabstände zu Wohngebieten an dieses Wachstum nicht angepasst werden. „Die Gesetze sind nicht mehr zeitgemäß.“

Was soll nun eine Gemeinde gegen das Vorhaben tun, wenn es kein Mitspracherecht hat? Erst am Montagabend trafen sich die Gemeindeverteter und fingen an, an der Stellungnahme zu arbeiten. Fußen soll diese auf den Kernargumenten Wirkung auf den Menschen und die Natur. Kurz vor Einreichung der Stellungnahme ist zu diesem Thema eine öffentliche Gemeindevertretersitzung angedacht.

Neben der gemeindlichen Stellungnahme wurden in Benitz Faltblätter verteilt. Neben Informationen zum Bauvorhaben wird dabei auch zum Protest aufgerufen. Unter dem Punkt „Aufruf zur Bürgerbeteiligung“ heißt es: „Die Stellungnahme der Gemeinde reicht allein nicht aus. Jeder einzelne Bürger sollte seine Kritik und Bedenken zu diesem Vorhaben äußern. Unterschriftenlisten werden als 1 Vorgang bearbeitet, deshalb ist hier jeder einzelne gefragt. Ihre Schreiben richten Sie bitte an folgende Adresse: Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg Erich-Schlesinger-Straße 35, 18059 Rostock; Aktenzeichen 571-1.6.2V-200, Betreff: Einwendung gegen den Antrag der Firma PZWK Grundstücksverwaltungsgesellschaft mbH & Co.KG zur Errichtung und Betrieb von 2 WKA im Landkreis Rostock Gemarkung Bröbberow. Um Ihre Kritik und Bedenken zu bekräftigen, senden Sie Ihr Schreiben als Petition an den Bürgerbeauftragten des Landes Mecklenburg-Vorpommerns: Bürgerbeauftragter des Landes M-V Herr Matthias Crone Schloßstraße 9 19053 Schwerin.“

Rainer Mohsakowski weiß um die Rolle seiner Gemeinde bei diesem Vorhaben, will aber nichts unversucht, um doch Einfluss zu nehmen und den Bürgern Gehör zu verschaffen. Und dann heißt es: „Wir können nur auf die Einsicht und die Vernunft der Entscheidungsträger hoffen.“

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