Bützow / Schwaan : Der heiße Draht: Rentner suchen Rat

<strong>Hartmut Kühne hält</strong> einmal im Monat hier in einem Raum unterm Dach des Bützower Rathauses eine Beratungssprechstunde zum Rentenrecht ab.  'Manchmal komme ich auch zweimal im Monat', sagt der Güstrower, der in Bützow immer viel zu tun hat. <foto>Ralf Badenschier</foto>
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Hartmut Kühne hält einmal im Monat hier in einem Raum unterm Dach des Bützower Rathauses eine Beratungssprechstunde zum Rentenrecht ab. "Manchmal komme ich auch zweimal im Monat", sagt der Güstrower, der in Bützow immer viel zu tun hat. Ralf Badenschier

Um Fragen im Rentenrecht zu klären, müssen Menschen aus Bützow und Schwaan nach Güstrow oder Rostock fahren. Lydia Räsig wünscht sich, dass die Deutsche Rentenversicherung Beratungstermine in Bützow anbietet.

svz.de von
11. Januar 2013, 07:47 Uhr

Bützow | Lydia Räsig aus Bützow wünscht sich, dass die Deutsche Rentenversicherung einmal wöchentlich einen Beratungstermin in Bützow anbietet. "Ich habe in den zurückliegenden Tagen mit mehreren Menschen gesprochen, die sind der gleichen Meinung", erzählt die Bützowerin. Die Rentenberatung am Dienstag im Bützower Rathaus für eineinhalb Stunden reiche nicht aus. "Dort saßen acht Leute, als ich hinkam", so Räsig.

Das bestätigt Hartmut Kühne. Der Güstrower ist einmal im Monat für die Deutsche Rentenversicherung Nord in Bützow im Einsatz. "Die Termine hier im Rathaus werden immer sehr rege genutzt", sagt Kühne, der selbst schon 76 Jahre zählt. Seit zehn Jahren ist der ehemalige Abteilungsleiter der einstigen Landmaschinenfabrik Güstrow als ehrenamtlicher Versicherungsberater tätig. Zunächst nur in Güstrow, seit dem die Beratungsstelle in Bützow vor drei Jahren geschlossen wurde, kommt er auch einmal im Monat in die Warnowstadt.

"Ich fahre auch zu den Senioren nach Hause"

Seine Aufgabe ist es vor allem, Menschen bei der Antragstellung unter die Arme zu greifen. Das Rentensystem sei sehr kompliziert. Es gebe viele Fragen. Manches Formular habe zehn bis 15 Seiten. Manchmal müssten für eine Angelegenheit zwei oder drei Anträge ausgefüllt werden. Bis zu 15 Menschen kommen zu den Beratungsterminen nach Bützow. "Doch viele Versicherte sind älter, da fahre ich dann auch schon mal zu ihnen nach Hause", erklärt der zweifache Familienvater, dreifache Opa- und zweifache Uropa.

Es sei wichtig, dass alles mit der Rentenzahlung funktioniert, denn sonst können Menschen auch in finanzielle Schwierigkeiten kommen. Das treffe vor allem bei der Witwenrente zu. "Frauen bekommen oftmals nur 400 bis 500 Euro Rente. Wenn dann der Mann stirbt und die Witwenrente nicht kommt, wird es z.B schwierig mit der Mietzahlung", nennt Kühne ein Beispiel. Zur Erklärung: Nur für drei Monate wird die Witwenrente nach dem Ableben des Lebenspartners automatisch gezahlt. Danach erfolgt die Zahlung der 60 Prozent der letzten Einkünfte des Verstorbenen nur auf Antragstellung.

Hilfe gibt Hartmut Kühne auch, wenn es um die Rentenbescheide geht. "Ich kann schon mal einen Blick darauf werfen, ob alles richtig ist. Oder viele Fragen gibt es auch, wie viel jemand bekommt, wenn er vorzeitig in den Ruhestand geht." Bei all dem hat der Güstrower aber keinen Zugriff auf die ganz persönlichen Daten der Versicherten. Das ist nur bei den Mitarbeitern der Deutschen Rentenversicherung möglich. Und Beratungsstellen gibt es für die Region nur in Güstrow und Rostock.

Bundesrechnungshof fordert Wirtschaftlichkeit

Auf die Forderung von Lydia Räsig erklärt Michael Eßer, Pressesprecher der Deutschen Rentenversicherung Nord: "Wir haben unser Beratungsstellennetz neu ausgerichtet. Dabei geht es darum, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. In einer größere Beratungsstellen für eine größere Zahl an Versicherten ist es eher möglich, die Beratungstätigkeit zu sichern - auch in Urlaubs- und Krankheitsfällen." Außerdem habe der Bundesrechnungshof bundesweit eine deutliche Reduzierung der Auskunfts- und Beratungsstellen gefordert. "Bei der Neuausrichtung des Beratungsstellennetzes sind wir davon ausgegangen, dass sich die Beratungsstellen in der Regel in einem Radius von 30 Kilometern bzw. einer Fahrzeit mit dem Auto von 45 Minuten zu ihren Versicherten befinden. Aufgrund der teilweise dünn besiedelten ländlichen Struktur wird dieses Ziel leider nicht in allen Fällen erreicht", räumt Eßer ein. Jedoch könne jeder Versicherte auch die Telefonhotline (Hintergrund). "Dort sitzen genauso kompetente Berater wie in unseren Geschäftsstellen."

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