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Video: Häftlingstreffen Bützow : ...denn sie wissen nicht, wie es war

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Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Beim 14. Häftlingstreffen in Bützow kommen Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums und ehemalige Gefangene ins Gespräch

svz.de von
erstellt am 08.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Geduldig faltet Dr. Peter Uebachs (75) die Hände, der Ring an seinem Finger gibt ein leises Klacken von sich, als er die Hände ablegt. Er wartet, schaut interessiert in die Gesichter der mit ihm am Tisch sitzenden Schüler einer 11. Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Uebachs ist die Ruhe selbst. Er hat viel gesehen, viel erlebt und möchte nun viel berichten.

Es ist jedoch seine Geschichte zu einem bestimmten Lebensabschnitt, die ihn am gestrigen Tag in die Schul-Aula führte. Es sind die 20 Monate in der DDR-Haft, davon vier in Bützow, wegen der er berichten möchte. Nicht als Aufarbeitung, wie er betont, sondern als Anregung zur Demokratieoffenheit und zur Vorsicht mit extremen Strömungen, allen voran den verborgenen.

Die Aktion, ehemalige Strafgefangene aus dem Bützower Zuchthaus in die Schule zu führen, gehört zum Programm der jährlichen Häftlingstreffen. Dort können Schüler Geschichte nicht nur lernen, sondern wirklich erleben, können Fragen stellen und historische Ereignisse aus erster Hand erfahren. Die Chance dafür gibt es nicht oft und gerade deshalb wird sie umso mehr genutzt. Schon die Begrüßung ist mit Musik und einstudierter Geschichtsaufführung auf die Aktion abgestimmt.

In seiner Eröffnung plädiert Frederic Werner von der Friedrich-Ebert-Stiftung: „Die Geschichte muss immer wieder erzählt werden.“ Nach der musikalischen Aufführung der Schüler und der kurzen Vorstellung der ehemaligen Häftlinge verteilen sich jeweils zwei Besucher an aufgestellte Tische. Dort werden sie von einer Traube Schüler umringt und befragt.

Auch an Uebachs Tisch haben sich Schüler versammelt. Der ehemalige Arzt erzählt die Geschichte seiner Inhaftierung wegen „Versuchter Republiksflucht“ und von seinem Kind, welches er das erste Mal im Westen sah – und die Zuhörer schweigen. Schließlich bricht das Eis und die 16-jährige Miriam Bünow aus Molternow stellt viele Fragen. Uebachs beantwortet sie mit ruhiger Stimme. „Das Treffen war interessant und hat sich defintiv gelohnt“, resümiert die Elftklässlerin.

14. Bützower Häftlingstreffen: Das Programm am Freitag

  • 9 Uhr: Die Heimkehr aus der Sowjetunion 1956 in der deutschen Gesellschaft – ein Vortrag von Prof. Dr. Matthias Pfüller aus Schwerin
  • 10.30 Uhr: Kaffeepause
  • 11.30 Uhr: Gedenkveranstaltung am Denkmal für die politischen Häftlinge der DDR in den Bützower Gefängnissen im Krummen Haus am Schlossplatz 2 – Andacht mit der Bützower Pastorin Johanna Levetzow und Pastor  und  Gefängnisseelsorger Andreas Timm, für die kulturelle Umrahmung des Nachmittags sorgt die Musikschule Bützow
  • anschließend: Mittagessen und Ausklang des 14. Bützower Häftlingstreffens zum Motto „Das Jahr 1956“
     
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