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Bützower Zeitung

15. Dezember 2017 | 22:45 Uhr

Bützow : Denkmal wird von der Stadt saniert

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Arbeiten am Haus Rühner Straße 6 kosten rund 800000 Euro / Vier Wohnungen sollen entstehen

von
erstellt am 25.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Seit vielen Jahren steht es leer – das denkmalgeschützte Haus Rühner Straße 6. Doch das soll sich jetzt ändern. Für die ersten Sanierungsarbeiten wurden jetzt die Aufträge vergeben. Die Stadt lässt das geschichtsträchtige Haus im Zuge der Stadtsanierung in Schuss bringen. Künftig sollen dort vier Familien ein neues Zuhause finden.

Die Fenster sind mit Platten zugenagelt, die historische Tür mit einem einfachen Vorhängeschloss verriegelt. Nur noch schwer ist der Schriftzug auf der rechten Häuserhälfte zu entziffern: Heinrich Piehl Schuhmachermeister. Einer von vielen Bewohnern in den zurückliegenden fast drei Jahrhunderten. So alt ist das Haus bereits. Das ergaben jetzt die neuesten Untersuchungen.

Die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses ist eine der Maßnahmen im Rahmen der Stadtsanierung. Dafür will die Stadt in den kommenden zwei Jahren rund 711 000 Euro einsetzen. Damit können Sanierungsarbeiten im Gesamtumfang von rund 2,5 Millionen Euro angeschoben werden. Das geht aus dem Bewilligungsbescheid des Landes hervor. Für die Rühner Straße 6 sind rund 800 000 Euro erforderlich. Die Vorbereitungen laufen dafür schon lange. So hat Restaurator Boris Frohberg ein restauratorisches Gutachten angefertigt, erzählt Architekt Hartmut Böhnke, der das Projekt betreut. Und Torsten Rütz aus Greifswald hat ein bauhistorisches Gutachten erstellt. Dabei wurden auch dendrochronologische Untersuchungen an dem im Haus verarbeiteten Holz durchgeführt. „Sind wir nach den uns bisher vorliegenden Unterlagen davon ausgegangen, dass das Haus um 1785 gebaut wurde, gehen die Untersuchungen von Rütz nun vom Jahr 1732 aus“, erklärt Böhnke. Um 1810 muss es dann in den klassizistischen Stil umgebaut worden sein. „Es war ein reiches Kaufmannshaus“, sagt der Architekt.

Die Untersuchungen decken sich mit früheren Veröffentlichungen. So schrieb der Bützower Hobbyhistoriker Wolfgang Schmidtbauer vor einigen Jahren in der Bützower Zeitung, dass die lange Straßenfront des Hauses Rühner Straße 6 darauf schließen lasse, „dass an dieser Stelle in früherer Zeit zwei Häuser gestanden haben müssen“. Das kleinere soll Anfang des 18. Jahrhunderts Bäcker Koberg erworben haben. „Eigentümerin des daneben liegenden Dreiviertel-Hauses war im Jahre 1764 die Frau (oder Witwe) des Kammerjunkers v. Driberg“, schrieb Schmidtbauer.

Rund 100 Jahre später erlangt das Haus eine besondere Bedeutung, mit dem geschichtlichen Blick zurück. Denn 1883 kehrt Uhrmachermeister Heinrich Carl Kröplin in seine Heimatstadt Bützow zurück und kauft das Eckhaus Rühner Straße 6 und eröffnet hier eine Uhrenwerkstatt. Der umtriebige Geschäftsmann entwickelte zahlreiche Neuerungen. „Ein Renner auf dem Markt wurden seine Metallbarometer. Luftdruckmesser speziell für die ständige Erfassung der Druckschwankungen in der Luft, die mit Änderung der Wetterlage verbunden sind“, weiß Hobbyhistoriker Fritz Hoßmann. Das führte dazu, dass die Werkstatt in der Rühner Straße 6 zu klein wurde. Kröplin kaufte ein Grundstück in der heutigen Gartenstraße und eröffnete dort seine Barometerfabrik. Die Rühner Straße 6 geht laut Schmidtbauer zunächst in den Besitz von Uhrmachermeister Otto Wagner und später bis nach 1945 an Sattlermeister Wilhelm Hoth beziehungsweise dessen Witwe Liesbeth Hoth über.

Nun soll dieses geschichtsträchtige Haus in ganz neuem Glanz erstrahlen. Dafür werden sich jetzt unter anderem Tischler, Dachdecker und Maler ordentlich ins Zeug legen, um das Denkmal zu sanieren.

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