Das Wunder von Boitin

Pastor Siegfried Rau zeigt einen Ausschnitt der reichhaltigen Wandmalerei in der Boitiner Kirche. Das rechte Motiv - der ungläubige Thomas - wurde versuchsweise bereits restauriert. Claudia Röhr (2) / Archiv
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Pastor Siegfried Rau zeigt einen Ausschnitt der reichhaltigen Wandmalerei in der Boitiner Kirche. Das rechte Motiv - der ungläubige Thomas - wurde versuchsweise bereits restauriert. Claudia Röhr (2) / Archiv

Der 15. Juli 2009 wird ein guter Tag für Boitin. Dann weiht der Landesbischof nach jahrzehntelanger Sperrung die Dorfkirche wieder ein. Das riesige Loch im eingestürzten Westgewölbe ist verschwunden, die Freude groß. Pastor Siegfried Rau spricht von einem Wunder. Vor Jahren hatte man die Kirche schon aufgegeben.

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23. Januar 2009, 07:53 Uhr

Boitin | Ein eisiger Wind pfeift durch das hölzerne Turmportal. Das Kirchenschiff dahinter hat jetzt wieder eine gelb gestrichene und mit Verzierungen bemalte Gewölbedecke. Die alte stürzte im Oktober 1998 mit einem lauten Krachen zu Boden und brachte die bereits begonnenen Sanierungsarbeiten an dem Gotteshaus ins Stocken. "Zehn Jahre haben wir gebraucht, um das Geld für ein neues Gewölbe aufzutreiben", sagt Kirchenälteste Erika Scherbarth. Was sie jetzt, wo die Arbeiten an der Boitiner Kirche dem Ende entgegen gehen, fühle? Große Freude, sagt die Frau. Tränen kullern über ihr Gesicht. Erika Scherbarth schluckt. Sie kenne die Kirche seit ihrer Kindheit. Bereits in den 60er-Jahren sei sie gesperrt worden. "Sie wurde aber trotzdem weiter genutzt", sagt Pastor Siegfried Rau. Er wünscht sich für die Zukunft eine offene Kirche. "Jeden Tag sollen Kerzen brennen, Einheimische und Touristen kommen", sagt Siegfried Rau.

Am erhalten gebliebenen Chorgewölbe arbeitet noch der Maler, die Fußboden-Ziegel wurden neu verlegt. "Auch Kirchenmitglieder und Menschen aus dem Dorf halfen mit", sagt Pastor Rau. Auf Unterstützung hofft er auch für ein weiteres ehrgeiziges Projekt: für die Restaurierung der sehr reichhaltigen Wandmalereien, die, so ist es überliefert, aus dem Jahr 1301 stammen und vom Schweriner Bischof gespendet wurden. "Sie sind einzigartig", sagt Rau. Mindestens 40 000 Euro würden für die Restaurierung benötigt.

Bis zur Einweihung im Juli bleibt noch viel zu tun. Das Kirchengestühl muss aufgearbeitet werden. Zwei Drittel der Bänke wurden allerdings beim Gewölbeeinsturz zerstört.

Erika Scherbarth hat noch ein weiteres Ziel. Sie will die Boitiner Orgel zurück ins Dorf holen. Sie steht seit 1995 in Alt-Schwerin. Seinerzeit wollte man das einsturzgefährdete Gotteshaus aufgeben und begann bereits, die Kunstwerke zu demontieren. Später entschied man sich dann doch für eine Sanierung.

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