Tarnow : Das Wort „fertig“ gibt es nicht

Es wirkt fast schon gruselig: Diese Porträts fertigte der Bildhauer Michael Mohns an. Theoretisch könnten sie nun in Bronze gegossen werden. Neben Porträts widmet sich der Tarnower vorrangig tierischen Plastiken.
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Es wirkt fast schon gruselig: Diese Porträts fertigte der Bildhauer Michael Mohns an. Theoretisch könnten sie nun in Bronze gegossen werden. Neben Porträts widmet sich der Tarnower vorrangig tierischen Plastiken.

Der Tarnower Bildhauer Michael Mohns hat sich Tier- und Porträtplastiken verschrieben. Ausstellung ab Sonnabend im Kunsthaus Bützow.

svz.de von
13. Juni 2018, 12:00 Uhr

Es klingt doch recht ungewöhnlich. Einst studierte Michael Mohns Fischereibiologie, heute ist er Bildhauer. Denn vor mehr als 30 Jahren hängte der Tarnower an dieses Studium noch ein Kunststudium heran, um seiner wahren Leidenschaft nachzugehen. Der 63-Jährige bezeichnet es rückblickend als „Neustart“. Mit der Fischerei hat er unlängst abgeschlossen, „das kann man nicht parallel praktizieren“. Rein handwerklich lässt er dies hinter sich, thematisch in der Kunst jedoch nicht. „Das Interesse an Tieren und der Biologie könnte der Grund sein, warum ich mich mit Tieren beschäftige“, sagt Michael Mohns. Denn ein Schwerpunkt seiner Arbeiten sind tierische Bronze-Kleinplastiken.

Als Beispiel zeigt Michael Mohns einen bronzenen Elch – mit stattlichem Gewicht, wie es für Bronze üblich ist. Die Anfänge des Elchs haben mit dem Werk am Ende noch nicht viel zu tun. Denn ganz zu Beginn gibt es nur Draht. Daraus formt der Tarnower eine Art Skelett. In diesem Fall das Grundgerüst eines Elchs. „Der Draht gibt die Richtung der Arbeit vor.“ Dieses wird danach mit wachsartiger Knete bestückt und modelliert. Das Wachs wird dann ständig auf- und abgetragen. Das unterscheidet Mohns Arbeit übrigens mit der von Steinbildhauern, denn diese tragen nur ab. Anschließend geht der Rohling in die Gießerei, wo erst ein Abdruck genommen und letztlich die Bronze gegossen wird. Das kann allerdings dauern. „Es kann mal vier Wochen dauern, aber auch anderthalb Jahre“, sagt der 63-Jährige. Es sei ein offener Arbeitsprozess mit offenem Ausgang. Das Wort „fertig“ benutzt Michael Mohns übrigens nicht, denn das treffe die kreative Arbeit nicht. „Es handelt sich ja nicht um ein Industrieprodukt.“ Richtung Gießerei geht ein Stück nur, wenn es aus seiner Sicht nicht mehr zu verbessern ist.

Zahlreiche dieser tierischen Rohlinge zieren das Bild von Michael Mohns Werkstatt. Manche sind auch deutlich größer, in sogenanntem mittelgroßem Format. Und dann stehen noch zahlreiche Porträts auf einem Tisch. Also Köpfe. „Ich merke, dass ich gern zwischen den Formaten unterwegs bin“, erklärt der Künstler. Die größeren Rohlinge sind jedoch aus Gips gefertigt. Die größeren Tiere und die Köpfe allesamt in Bronze gießen zu lassen, sei zu kostspielig. Denn Bronze hat seinen Preis. Wenn es einen Kaufinteressenten gibt, dann wird die Bronze gegossen.

Das geschieht übrigens nie öfter als fünf Mal, wie Michael Mohns entschieden hat. Theoretisch könnte der Abdruck eines ausmodellierten Rohlings unendlich oft gegossen werden. Doch dann verlieren sie an Exklusivität. Deswegen sind die Bronzen auch alle gestempelt.

Ursprünglich fing Michael Mohns mit menschlichen Figuren an. Seit knapp zehn Jahren widmet er sich jedoch vordergründig Tieren. „Ich war in eine Sackgasse geraten, hatte keine Motivation mehr, menschliche Figuren zu modellieren.“ Mit einem Pferd fing dann alles an. Das sah er beim Nachbarn stehen und brachte ihn auf die tierisch-künstlerische Linie. „Es gibt kaum Bildhauer, die das intensiv machen. Tiere standen und stehen im Schatten des Figürlichen.“

Michael Mohns lebt seit 30 Jahren etwas außerhalb von Tarnow, stammt ursprünglich aus Ost-Berlin. Der Wegzug habe vielerlei Gründe gehabt. Neben familiären war es aber auch die Kunst. „Hier gab es die Möglichkeit, zu wohnen und zu arbeiten. Das ist in Berlin nicht möglich. Das war damals schon schwer und ist heute unmöglich.“

Letztmalig stellte Michael Mohns in der Region 1994 aus. Damals noch im Rahmen des Bützower Kunstvereins, der nach der Wende ins Leben gerufen wurde. Nun sei es an der Zeit, auch mal in der Region zu zeigen, was er so mache. Nach einigen Gesprächen mit Karl-Werner Zießnitz vom Bützower Kunsthaus sagte der Tarnower zu, dort auszustellen. Derzeit laufen die Aufbauarbeiten. Die feierliche Eröffnung findet am Sonnabend um 15 Uhr statt. Mohns wird dabei auch einige Porträt- und Aktzeichnungen präsentieren, die er anfertigt. Herzstück der Ausstellung sind jedoch die plastischen Arbeiten.

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