Bützow : „Das ist gelebte Integration“

Das Arbeiten in der Miniaturstadt macht Hossein und Nahid Rajabi viel Freude. Ihre Stellen werden über das Bundesprogramm Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen finanziert. BQG-Geschäftsführerin Birgit Czarschka (r.) konnte für ihren Einzugsbereich knapp 30 Stellen durchsetzen.
Das Arbeiten in der Miniaturstadt macht Hossein und Nahid Rajabi viel Freude. Ihre Stellen werden über das Bundesprogramm Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen finanziert. BQG-Geschäftsführerin Birgit Czarschka (r.) konnte für ihren Einzugsbereich knapp 30 Stellen durchsetzen. Christina Milbrandt

Über ein Arbeitsmarktprogramm des Bundes beschäftigt die BQG derzeit 18 Flüchtlinge

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04. September 2017, 08:00 Uhr

Seit drei Jahren leben Hossein und Nahid Rajabi bereits in Bützow, anerkannt sind die beiden Geflüchteten aber immer noch nicht. Das machte ihnen den Einstieg in den Arbeitsmarkt, beispielsweise durch eine Ausbildung, bislang unmöglich. Die Hände in den Schoß legen wollen die beiden aber nicht. Deswegen gehören sie seit Ende Mai zum Team der Miniaturstadt Bützow. Hossein Rajabi verrichtet in der Werkstatt Tischlerarbeiten, seine Frau hilft bei der Organisation diverser Veranstaltungen des Fördervereins mit. Möglich ist das über das Arbeitsmarktprogramm Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen (FIM), das im vergangenen Jahr vom Bund angeschoben wurde. Diese Chance nutzte Birgit Czarschka, Geschäftsführerin der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Umwelt und Arbeit Bützow und Umland (BQG), sofort. Insgesamt 29 Stellen konnte sie beim Landkreis Rostock durchsetzen, 18 davon sind derzeit besetzt.

Die über den Träger beschäftigten Flüchtlinge übernehmen nicht nur Aufgaben in Sachen Miniaturstadt, sondern sind auch bei lokalen Sportvereinen, dem Freizeittreff, dem Rühner Kloster oder dem Umwelttreff untergekommen. Die Arbeitszeiten variieren zwischen 20 und 30 Stunden pro Woche. „Wir versuchen, sie dort einzusetzen, wo sie schon Erfahrungen haben“, sagt Birgit Czarschka. Davon profitiert auch Hossein Rajabi der in seiner Heimat auch als Tischler arbeitete und diese Fähigkeiten nun in der Ministadt-Werkstatt anwenden kann. „Das macht mir Spaß“, sagt der 35-Jährige.

Die Arbeitsmaßnahmen sind zunächst auf ein halbes Jahr ausgelegt, können aber auch für weitere sechs Monate verlängert werden. „Ich denke mal, das ist in Hosseins und Nahids Interesse“, sagt Birgit Czarschka.

Auch Samira Ahmadipak ist über das Bundesprogramm bei der Ministadt angestellt. Die Iranerin wohnt in Güstrow und fährt seit einem Monat jeden Tag in die Werkstatt nach Bützow. Dort kann sie ihr künstlerisches Talent ausleben: Die 46-Jährige gestaltet derzeit unter anderem die Tischdekoration für das Erntedankfest, das am 24. September im Freizeit- und Familienpark stattfindet. Die Arbeit mache ihr viel Spaß und mit den Mitarbeitern verstehe sie sich sehr gut, sagt Samira Ahmadipak. Das bestätigt auch Mitarbeiterin Annegret Walter, die ihrer neuen Kollegin nicht nur bei der Arbeit mit Rat und Tat zur Seite steht, sondern ihr auch dabei hilft, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. „Wir kommen super miteinander aus“, sagt Annegret Walter.

Für Birgit Czarschka ist der offene Umgang, den alle Mitarbeiter, egal welcher Nationalität, miteinander pflegen, der perfekte Beweis dafür, dass die Maßnahme Erfolg hat. „Ich habe schon seit Langem immer wieder betont, dass solche gemischten Maßnahmen notwendig sind. Das ist gelebte Integration“, sagt sie.

Die Stellen der BQG sind zunächst für ein Jahr bewilligt. „Ich gehe davon aus, dass das verlängert wird“, sagt Birgit Czarschka. Der Bund jedenfalls stellt das Geld für die FIM für fünf Jahre zur Verfügung.

Hossein und Nahid Rajabi sind froh, dass sie durch das Programm die Möglichkeit haben, etwas beizutragen. Wie lange sie noch auf ihre Anerkennung warten müssen, wissen sie noch nicht. Die Hoffnung haben sie aber noch lange nicht aufgegeben. Nach Feierabend üben die beiden regelmäßig deutsche Vokabeln und Grammatik. Dafür würden sie das Internet, aber auch die Kinderbücher ihres Sohnes nutzen, der in Bützow in die Kita geht, erzählt Hossein Rajabi. Eine Rückkehr in die alte Heimat komme nicht mehr in Frage. Er stamme aus dem Iran, seine Frau aus Afghanistan. Beide Länder hätten große Probleme, auch untereinander, das mache ihnen ein gemeinsames Leben dort unmöglich, sagt Hossein Rajabi. Sobald sie anerkannt sind, wollen sie beruflich Fuß fassen. Eine Ausbildung in der Holzverarbeitung sei sein Wunsch, sagt Hossein Rajabi. Seine Frau würde sich gern zur Friseurin ausbilden lassen.

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