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Flüchtlinge in Bützow : Bürokratie bremst die Integration

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Familie Shaqiri aus Albanien lebt seit fast zwei Jahren in Bützow. Noch immer warten sie auf das Ergebnis des Asylverfahrens

von
erstellt am 21.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Seit 22 Monaten wohnt Shkelzen Shaqiri mit seiner Familie in Bützow. Die Albaner haben sich seither so gut wie möglich in die Warnowstadt integriert. Gestern besuchte die SPD-Bundestagsabgeordnete Jeannine Pflugradt gemeinsam mit Philipp da Cunha (SPD) die vierköpfige Familie und deren Betreuer, um bei Kaffee und typisch albanischem Kuchen über ihre Situation, Perspektiven und Probleme zu sprechen.

Dabei erfuhr sie unter anderem, dass die beiden 14- und 18-jährigen Kinder inzwischen auf das Gymnasium gehen. Keine Selbstverständlichkeit, wie die Betreuungsleiterin vom Malteser Hilfsdienst, Kathrin Braun, erklärt. Sie mussten die Sprache gut genug beherrschen, um im Lernstoff mitzukommen. „Wir wissen, was das für eine Anstrengung für die Kinder ist. Da können sie stolz drauf sein“, meint sie.

Doch auch die Eltern haben in der Stadt inzwischen Anschluss gefunden, fühlen sich der deutschen Gesellschaft zugehörig. Zuhause redet das Paar mal deutsch, mal albanisch, „aber wenn die Kinder zuhause sind reden wir deutsch“, verrät Liliana Shaqiri.

In Arbeit zu kommen, stellt eine Hürde dar

Doch ganz ohne Sorge sind sie nicht. Weil Liliana Shaqiri mit den Kindern vor ihrem Mann nach Deutschland kam, gibt es zwei Asylverfahren, von denen eines noch läuft, das andere wurde abgelehnt. Eine aufreibende Situation, die die Familie belastet. „Das ist rechtlich natürlich der richtige Weg“, kommentierte Kathrin Braun. Sie wünscht sich aber, dass das Engagement der Shaquiris für eine positive Entscheidung sorgt. „Sie haben viele Untersützer und Fürsprecher“, weiß auch Betreuer Christian Schapat. „Wenn wir mit Shkelzen Shakiri durch die Stadt gehen, kennt er mehr Leute als wir“, sagt Schapat und lacht. Denn vor allem nach dem Tornado half er unermüdlich bei den Aufräumarbeiten, baute bei Privatleuten wieder mit auf. „Ich bin sehr zufrieden und dankbar. Die Stadt hat viel für uns getan und ich wollte es mindestens zurückgeben“, sagt Shkelzen Shaqiri. Inzwischen ist er zudem offizielles Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Bützow und hilft regelmäßig in der Tafel bei den Essensausgaben.

Neuen Flüchtlingen hilft die Familie bei anfänglichen Problemen. „Wer so integriert ist in der Gesellschaft, sollte eine Chance bekommen“, so die Politikerin, die anbot mit einem Schreiben zu unterstützen. „Beeinflussen kann ich die Entscheidung nicht“, fügte sie an.

Eines der größten Probleme, mit denen die Flüchtlinge und Betreuer immer wieder konfrontiert werden, ist, einen Job anzunehmen. Denn an Arbeit mangele es im ländlichen Raum kaum, so Christian Schapat. Mehrfach habe der Albaner bereits Zusagen gehabt. „Die behördliche Hürde jemanden in Arbeit zu bringen sind nach wie vor hoch.“

Die Bearbeitungszeiten würden dazu führen, dass viele Arbeitgeber die Geduld verlieren. In vielen Fälle blieben die Arbeitsplätze aus Mangel an Bewerbern unbesetzt. „So eine Stadt wie Bützow braucht junge Leute“, betonte Schapat und appelierte, dass die Verfahren vereinfacht werden.

Schwierig sei zudem die Suche nach Wohnraum für große Familien, die eine Aufenthaltserlaubnis bekommen und eine eigene Wohnung suchen. Der Umgang müsse flexibler werden, um in Einzelfällen die beste Lösung zu finden, erklärte Betreuer Philipp Benn.

Das Paar und die Betreuer schauen dennoch positiv in die Zukunft und hoffen auf das Beste. Denn klar ist, dass sie in der Warnowstadt bleiben möchten: „Egal wo ich arbeite, ich wohne in Bützow“, sagt Shaqiri entschieden.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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