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Bützower Zeitung

24. September 2017 | 03:15 Uhr

Wände wackeln : Brummi-Alarm in Kurzen Trechow

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Die Baustelle für den neuen Windpark bei Bernitt raubt einigen Trechowern den letzten Nerv. Geschwindigkeitsbegrenzung gefordert.

In Spitzenzeiten donnern sie im Minutentakt durch den kleinen Ort: die großen Lkw. Ihr Ziel und manchmal auch ihr Startpunkt ist der Windpark bei Bernitt. Eine Ausweichstrecke gibt es nicht, denn Kurzen Trechow liegt genau zwischen der Schutt-Aufbereitungsanlage bei Moisall und den geplanten Windkraftanlagen bei Bernitt. Für die Wege auf dem Feld werden die Schutt-Massen benötigt. Das sei ja auch alles verständlich, meinen die Anwohner. Jedoch sind ihnen die Zeiten ein Dorn im Auge. „An manchen Tagen fahren die ersten um 4 Uhr morgens durch das Dorf und dann geht das Schlag auf Schlag. Und dann auch noch in Geschwindigkeiten, die nicht zumutbar sind“, beklagt eine der älteren Damen, die direkt an der Hauptstraße des Ortes wohnen. Ihr Mann und sie haben sich mit der Landwirtschaft im Ort angefreundet. „Das ist ja auch alles in Ordnung, aber diese riesigen Schutt-Lastkraftwagen sind eine Belastung, man hat keine ruhige Minute. Und das nun schon seit vier Wochen“, sagt sie wütend. Auch ihr Nachbar ist nicht damit einverstanden. „Wir haben uns hier in Trechow ein Haus gekauft, um ein bisschen Ruhe genießen zu können, doch damit ist es seit einigen Wochen vorbei. Allein in einer Stunde sind hier heute über zwölf Lkw mit Schutt vorbeigefahren. Die Lebensqualität ist wie an einer Bundesstraße“, sagt der Schwerbeschädigte.

Letzter Ausweg:

wieder ausziehenNicht zuletzt seine Krankheiten haben ihn und seine Frau dazu bewogen, von der Stadt ins ländliche Trechow zu ziehen. „Wir sind am überlegen, ob wir vielleicht wieder wegziehen. Denn das soll noch gut acht Wochen so gehen. Ich kann das Haus nicht ohne fremde Hilfe verlassen. Der Lärm ist ätzend. Ich kann weder in Ruhe ein Buch lesen, noch einen Film gucken. Die Tassen und Gläser wackeln im Schrank“, sagt der Wahl-Trechower. Beim Bürgermeister hat er sich bereits beschwert. Ohne Erfolg. „Der kann auch nichts machen. Und der Landkreis will uns auch keine Geschwindigkeitsbeschränkung aufstellen“, wettert er. Denn das ist seine letzte Hoffnung. „30 Kilometer pro Stunde wären nicht nur besser für die Anwohner, sondern auch für die Häuser. Hier überall sind schon Risse“, sagt der Hausbesitzer und verweist auf  Stellen  neben dem Ofen und an der Hausfassade.

Beim Landkreis Rostock ist das Problem bereits bekannt, doch einen Ausweg gibt es für das Problem nicht. „Wir haben bereits Anfragen aus Kurzen Trechow bekommen, mussten jedoch auf die Gesetzlage verweisen. Es handelt sich hier um eine Kreisstraße mit vorgeschrieben Geschwindigkeitsbegrenzungen die nicht einfach geändert werden können“, erklärte Kreis-Sprecher Kay-Uwe Neumann auf Nachfrage der Redaktion. Zudem sei der Ab- und Antransport des Schutts zeitlich begrenzt. Sollten die Trechower dennoch auf „Gefahr im Verzug“ verweisen, sollten sie sich an die örtliche Ordnungsbehörde wenden, schlug Neumann vor. Im Fall Kurzen Trechow wäre es das Ordnungsamt des Amtes Bützow, ergänzte der Kreis-Sprecher.

 

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