Klein Raden : Brücke aus Liebe gebaut

Brückenfest in Klein Raden: Gerd Manthei erzählte, wie es zur ersten Verbindung der Ufer kam.
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Brückenfest in Klein Raden: Gerd Manthei erzählte, wie es zur ersten Verbindung der Ufer kam.

Fest würde es ohne die Geschichte von Gerd Manthei vielleicht nicht geben.

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21. Oktober 2019, 18:00 Uhr

„Es waren zwei Königskinder. Die hatten einander so lieb. Sie konnten zusammen nicht kommen. Das Wasser war viel zu tief.“ An diese Ballade von Theodor Storm erinnert ein wenig die Geschichte des Buchenhofer Jungen Gerd Manthei. Beim Brückenfest in Klein Raden gab der heute 66-Jährige sie zum Besten und seitdem weiß jeder: Ohne seine Geschichte gäbe es vielleicht die Brücke über der Warnow bei Klein Raden und damit auch das Brückenfest nicht.

„Ich war 17 Jahre alt und bin in Buchenhof aufgewachsen. Damals, es war 1970, hatte ich ein Mädchen kennengelernt, das wohnte aber in Groß Görnow. Wenn ich zu ihr wollte, musste ich entweder über Sternberg oder Eickelberg fahren. Einen anderen Weg gab es nicht, denn zwischen unseren Orten fließt ja die Warnow.“

Im Gegensatz zu Storms Königskindern gab es aber noch einen anderen Ausweg: Es war bekannt, dass es früher bei Klein Raden eine Brücke über die Warnow gegeben hatte. Zu sehen ist das heute noch an den Dämmen an beiden Ufern. Nach 1945 jedoch kümmerte sich keiner mehr um die Brücke und so verrottete sie. Diese Brücke allerdings wäre die perfekte Abkürzung von Buchenhof/Klein Raden nach Groß Görnow.

„Und so hatten mein Freund Joachim Eichler aus Klein Raden und ich die Idee, eine neue Brücke zu bauen. Kurzentschlossen zogen wir beide mit einer Säge in den Wald, suchten zwei geeignete Bäume aus und fällten sie. Mein Vater kam mit dem Pferd und rückte uns die beiden Stämme aus dem Wald ans Wasser. Mit anderen Jungs zusammen bauten wir in drei Tagen eine Brücke über die Warnow – genau hier, an dieser Stelle. Dafür hatten wir weder einen Plan noch eine Baugenehmigung. Wir hatten keinen gefragt, hatten aber auch keinen Ärger. Gekostet hat uns das Ganze 20 Mark für die Nägel.“

Das war also der Neuanfang der Brücke. Und die wurde angenommen. Nicht nur von den beiden „Königskindern“ Gerd Manthei und seiner Freundin in Groß Görnow. Wanderer, die ins Warnowdurchbruchstal wollten, nutzten sie. Besonders die Angler, aber auch die Kinder des Ferienlagers gleich nebenan bei Klein Raden.
„Das allererste Brückenfest hatten wir 1970 hier gefeiert: die Fertigstellung unserer Jungsbrücke“, ergänzt Gerd Manthei. Am Sonnabend wurde das neunte Brückenfest der neuen, modernen Verbindung gefeiert. Nachdem alle Teilnehmer ihre Wanderung durchs Warnowdurchbruchstal mit Rita Lenz und die Kinder etwa die Hälfte der 300 Glasmurmeln auf ihrer Suche durchs Tal mit Ines Hepperle wiedergefunden hatten, setzten sich alle gemütlich zum Kaffeetrinken zusammen und legten fest: Zum zehnten Brückenfest 2020 lassen sich die Organisatoren etwas Besonderes einfallen.

Eine Idee hatten sie schon: Sie suchen bis zum nächsten Jahr Bilder von früher und heute, die die Warnow an dieser Stelle mit und ohne Brücke zeigen. Vor allem die „Königskinder-Jungsbrücke“ würde die heutige Generation gern einmal sehen. Vielleicht gibt es ja noch in alten Alben Erinnerungsfotos davon. Dann soll zum zehnten Brückenfest eine kleine Bildergalerie entstehen. Wer etwas findet, kann diese Bilder zum Einscannen bei René Weiß in Buchenhof abgeben.

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