zur Navigation springen
Bützower Zeitung

22. November 2017 | 17:52 Uhr

Schwaan : Blick hinter die Museumskulissen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die letzte Sommertour in diesem Jahr führte die Teilnehmer gestern in die Kunstmühle

von
erstellt am 03.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Um die Frage, wie Gemälde und Kunstwerke in die Schwaaner Kunstmühle kommen drehte sich gestern die finale SVZ-Sommertour. Museumsleiter Heiko Brunner gab einen ungewöhnlichen Einblick in die Arbeit der Mitarbeiter, zu deren Aufgaben deutlich mehr gehört, als Bilder an die Wände zu hängen.

„Wir versuchen, wenn wir die Bilder bekommen, sie aufarbeiten zu lassen, damit wir sie ausstellen können“, begann Brunner. Dass dies nötig ist, zeigte er an einem Bild, das sichtbare Altersspuren aufwies. „So ist der Zustand, wenn man einen Bodenfund hat. Das ist ein typisches Stück, wie ich es ankaufen kann“, sagte er.

In der Kunstmühle werden die Zukäufe oder Schenkungen zunächst abfotografiert. „Am liebsten fotografieren wir bei Tageslicht“, verriet er. Allerdings bevorzuge er einen wolkigen Himmel. Denn Sonne und auch ein Blitz würden für Reflexe und andere Bildfehler sorgen. Neben der Spiegelreflexkamera gehört deshalb auch eine Tageslichtlampe zur Ausrüstung.

Ein Restaurator nimmt sich schließlich des Werkes an. „Das ist immer eine Vertrauenssache“, gibt Brunner zu, dass er die Gemälde nicht jedem anvertrauen würde. Allein nach der Reinigung würden schon ganz andere Farben zutage treten, erzählte der Museumsleiter. Doch ihm ist auch ein besonders schlimmer Fall bestens in Erinnerung geblieben: Eine Bekeansicht von Rudolf Bartels, die nicht über eine Firnis – also eine konservierende Schutzschicht – verfügte sollte überarbeitet werden. Doch der Schaden war größer als erwartet: „Da hat jemand einen Zwei-Komponenten-Bootslack aufgetragen“, berichtete Brunner. Eine chemische Reinigung hätte das Werk zerstört, also entfernte der Restaurator mit Lupe und Skalpell ein Jahr lang Millimeter für Millimeter den Lack auf dem 70 Zentimeter mal einen Meter messenden Gemälde. Ein unbezahlbarer Aufwand.

Zum Vergleich zeigte Brunner ein frisch restauriertes Bild, ebenfalls von Rudolf Bartels, dass glänzte, als sei es gerade erst gemalt worden.


Viel Aufwand für einen Transport


Die restaurierten Gemälde landen jedoch nicht im Depot, um wieder Staub anzusetzen. Was den Besuchern verborgen bleibt, sind die vielen Ausleihen und Zusammenarbeiten mit anderen Häusern. So blieb den Sommertour-Teilnehmern gestern der Blick ins Depot verwährt, weil für eine Ausstellung verschiedene Kunstwerke gesammelt und zum Versand vorbereitet werden. Denn die wertvollen Gemälde werden nicht einfach mit einer Decke verhüllt ins Auto geladen und von A nach B gefahren.

Damit alles ohne Schaden transportiert werden kann, wird ordentlich Aufwand betrieben. Ein besonderer Leinenstoff schützt vor Abrieb. Zusätzlich werden die Stücke mit einer speziellen Polsterfolie verpackt. „Dann fragen wir die Museen, ob eine Kartonage gewünscht ist“, so Brunner weiter. Diese schützt vor Druckstellen und wird für jedes Bild extra angefertigt. „Das schaffen sie doch gar nicht alles“, stellte Heidemarie Spieker verblüfft fest. „Das müssen wir alles allein machen“, bestätigte Brunner und gab ein Beispiel, wie kompliziert der Transport der Werke werden kann. Als ein Bild von Otto Tarnogrocki aus Polen für eine Sonderausstellung abgeholt wurde, begleitete ein Mitarbeiter Brunner bis nach Schwaan, packte dort das Gemälde aus und hängte es an die Wand. Aber bei so großen Werten müsse dieser Aufwand betrieben werden, zeigte Brunner Verständnis.

Schließlich zählt auch die Kunstmühle inzwischen einige Schätze im eigenen Lager. „Langsam kommen wir an die Kapazitätsgrenzen in unserem Depot. Wir hätten nie gedacht, dass wir so einen erstaunlichen Bestand aufbauen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen