Eröffnung der Biogasanlage : Biogas aus Jürgenshagen ins weite Land

Projektentwickler Christoph Zädow (l.) von Arcanum Energy erläutert  die Anlage. Rechts: ein Gärproduktlager, hinten: die Gasaufbereitungsanlage. Evelyn Bubber-Menzel
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Projektentwickler Christoph Zädow (l.) von Arcanum Energy erläutert die Anlage. Rechts: ein Gärproduktlager, hinten: die Gasaufbereitungsanlage. Evelyn Bubber-Menzel

Gehört hatten schon viele davon, jetzt wollten sie es mal mit eigenen Augen sehen: Eine große Schar von Besuchern folgte Freitagnachmittag der Einladung der Agrargenossenschaft zur Einweihung ihrer Biogasanlage.

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03. September 2012, 09:23 Uhr

Jürgenshagen | Gehört hatten schon viele davon, jetzt wollten sie es mal mit eigenen Augen sehen: Eine große Schar von Besuchern folgte Freitagnachmittag der Einladung der Agrargenossenschaft Jürgenshagen e. G. zur Einweihung ihrer Biogasanlage.

Und viele staunten, was da auf dem Gelände der Genossenschaft entstanden ist: Rund zehn Millionen Euro sind nach den Worten von Dr. Helmut Kern, geschäftsführender Gesellschafter der Arcanum Energy, in den Bau der Anlage investiert worden, die die modernste ihrer Art weit und breit ist. Aus Rindergülle von der umliegenden Milchviehanlage und Mais wird in der Anlage Energie produziert, die ausreichen würde, 2000 Haushalte ein Jahr lang mit Bioerdgas zu versorgen. Insgesamt hat die Anlage ein Leistungsvermögen von 32 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.

Künftig solle in der Anlage auch Gras und Ganzpflanzensilage mit verarbeitet werden, stellte Projektentwickler Christoph Zädow auf die entsprechende Frage eines Rundgangteilnehmers fest. Damit solle erreicht werden, den Mais anbau zu reduzieren, der sich auch in Jürgenshagen rund um die Anlage soweit erstreckt, wie das Auge reicht. "Wir nutzen die Gülle aus den Viehställen und ergänzen sie mit Rohstoffen, die rund um die Agrargenossenschaft angebaut werden", sagt Zädow. So würden weite Transportwege für die Rohstoffe entfallen.

Ein Jahr lang habe man für die planerischen Vorbereitungen gebraucht, ein weiteres Jahr sei dann gebaut worden, so Zädow. Entstanden sind ein gewaltiger Fermenter und ein Nachgärer, in denen aus den Substraten durch Bakterien unter Luftabschluss Biogas erzeugt wird. Außerdem zwei riesige Gärproduktlager. In diesen werden die Gärreste gelagert, bis sie auf den landwirtschaftlichen Flächen als hochwertiger Dünger ausgebracht werden können.

Daneben befindet sich die Gasaufbereitungsanlage. "Hier wird das Gas auf Erdgasqualität aufbereitet", erläuterte der Techniker. Müsse doch das Biogas eine bestimmte Qualität haben, bevor es in das Gasnetz eingespeist werden kann. Das veredelte Biogas wird als Biomethan bezeichnet und unmittelbar neben der Aufbereitungsanlage in das öffentliche Erdgasnetz eingespeist. Auf diese Weise lasse sich das Gas über beliebige Strecken transportieren und an Orten mit hohem Energiebedarf einsetzen, erläuterte Zädow. Die Arcanum Energy mit Sitz in Unna nutzt für die Gaseinspeisung das Leitungsnetz der Stadtwerke Rostock.

Im März dieses Jahres sei die Anlage erstmals in Betrieb gegangen und man sei "sehr schnell bei hundert Prozent der Leistung gewesen", sagt der Projektentwickler.

"Es ist schon ’ne tolle Sache", meint Manfred Bissa, Vorsitzender des Bauernverbandes Bützow und Umgebung, der am Freitag mit zu den vielen Gratulanten von Michael Constien, geschäftsführender Gesellschafter der Argrargenossenschaft Jürgenshagen e. G., gehörte. Im Landkreis Rostock sei die Jürgenshagener Anlage mit ihrem hohen technischen Standard die erste dieses Typs, würdigte Dr. Rainer Boldt, Stellvertreter des Landrats, die Initiative der Agrargenossenschaft, die sich damit ein weiteres Standbein schuf und die dadurch gleichzeitig eine Vorreiterrolle bei der alternativen Energiegewinnung übernahm.

"Wir arbeiten mit leis tungsstarken landwirtschaftlichen Betrieben zusammen, die uns pro Jahr zwischen 500 und 800 Hektar Fläche für den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen bereit stellen", erläuterte Dr. Kern von Arcanum Energy, die die Anlage zusammen mit einer Gruppe von fünf Stadtwerken in Nordrhein-Westfalen errichtete. "Die Stadtwerke nutzen das Biogas aus Jürgenshagen für ihre Energieversorgung", erläuterte er. Und würdigte die Agrargenossenschaft Jürgenshagen als "ausgesprochen verlässlichen Partner".

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