Bernitt : Bio-Kraftwerke vom Förster

Vom Forst- zum Geschäftsmann: Axel Stein leitet die Landesforst MV Waldservice und Energie GmbH in Güstrow.
Vom Forst- zum Geschäftsmann: Axel Stein leitet die Landesforst MV Waldservice und Energie GmbH in Güstrow.

Landesforst MV Waldservice und Energie GmbH in Güstrow bietet spezielle Lösungen für kleine Gemeinden

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10. Januar 2018, 05:00 Uhr

Bio-Kraftwerke vom Förster? Mit dem Rohstoff Holz als erneuerbare Energie direkt vor der Tür? Von diesem Geschäftsmodell ist Axel Stein voll überzeugt. Der ehemalige Leiter des Forstamtes Güstrow ist vom Forst- zum Geschäftsmann geworden, leitet seit drei Jahren von Güstrow aus die landesweit tätige Landesforst MV Waldservice und Energie GmbH. Neben Umweltdienstleistungen unter anderem im Angebot: Energieerzeugungsanlagen auf Holzbiomassebasis. Das Besondere: „Alles aus einer Hand – vom Rohstoff über die Installation bis zur Wärmeversorgung kümmern wir uns“, sagt Stein. In diesem Jahr errichtet die Firma ihre erste Modellanlage in Mecklenburg-Vorpommern in Bernitt.

In dem Dorf werden durch die Holzhackschnitzelheizung nicht nur die beiden Schulen, sondern auch die gemeindeeigenen Wohnblöcke sowie die Kita und die Feuerwehr mit Wärme versorgt (SVZ berichtete). „Diese Anlage basiert zu 80 Prozent auf erneuerbaren Energien“, erklärt Stein. „Wir bauen und investieren und refinanzieren unsere Investition dann über den Verkauf der Wärme an die Gemeinde“, erklärt der Geschäftsführer das Modell des „Wärmecontractings“. In Bernitt investiert die Firma ca. 400 000 Euro. In diesem Herbst, hofft Stein, „dass der Schornstein in Bernitt raucht“.

Für den Förster ein Modell mit Vorbildcharakter. „Wir glauben, dass es dafür noch ein großes Potenzial in vielen Gemeinden in MV gibt. Viele kleine Kommunen müssen in den nächsten Jahren ihre Wärmeanlagen modernisieren oder ersetzen – da kommen wir ins Spiel“, hofft er. Dennoch nennt er ein großes Problem: „Der zurzeit immer noch niedrige Öl- und Gaspreis.“ Trotz den vielbeschworenen Schlagworten „bio“ und „erneuerbare Energien“ würden sich die Leute doch eher für die günstigere Variante entscheiden, hat Stein festgestellt. „Aber wenn die Preise für Öl und Gas in den nächsten Jahren wieder anziehen, verschiebt sich die Situation zu unseren Gunsten und zum Rohstoff Holz“, ist er überzeugt.

Bisher ist die Landesforst MV Waldservice und Energie GmbH noch nicht sehr bekannt. „Viele Projekte wurden zwar schon zur Realisierungsreife getrieben, aber immer fehlte letztendlich der erste Spatenstich“, sagt Stein. Mit Bernitt erhofft er sich hier eine Veränderung. Neun Spezialisten der Forstwirtschaft, der Landschaftsökologie sowie der Umwelt- und Verfahrenstechnik hat Stein in seinem Team. Bei der GmbH handelt es sich um ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das zugleich eine 100-prozentige Tochter der Landesforst MV ist. Für Axel Stein kein Widerspruch: „Die Landesforst MV will Geld verdienen mit erneuerbaren Energien und Umweltdienstleistungen. Und zudem wollen wir die Ziele des Landes bei der Energiewende unterstützen.“

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