zur Navigation springen
Bützower Zeitung

22. November 2017 | 08:38 Uhr

Rühn : „Bilder brauchen immer Humor“

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Das Klostergelände ist um eine Künstlerin reicher / Franziska Bielenstein hat ihre ganz eigene Art ihr Handwerk einzubringen

svz.de von
erstellt am 26.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Im September 2016 hatte sie sich beim Klosterverein Rühn beworben. Dieses Jahr hat es nun endlich geklappt. Im Mai ist Franziska Bielenstein in ihr neues Atelier am Kloster eingezogen. Dabei war es ein langer und beschwerlicher Weg hin zum ersten eigenen Atelier. „Heutzutage ist es gar nicht so leicht, eins zu bekommen“, sagt sie. In Rühn habe es schließlich geklappt. Der einzige Nachteil, der auch viele Bewerber abgeschreckt hätte: Es gibt keine Heizung. „Glücklicherweise konnte ich einen alten Ofen vom Café nebenan übernehmen. Jetzt kann ich auch in meinem Atelier heizen“, erzählt die Künstlerin.

„Der Verein wollte die Räume hier mit etwas Leben füllen und für mich war es eine super Gelegenheit. Die Touristen, die das Kloster besuchen, können anschließend noch bei mir vorbeischauen.“ Mit kleinen, aus Papier ausgeschnittenen, Hühnern, die alle in dieselbe Richtung laufen, will Franziska Bielenstein den Besuchern den Weg weisen. Nur ein Schild für die Fassade habe sie noch nicht, da diese unter Denkmalschutz stehe.

Wer einmal ins Innere gefunden hat, den erwarten, neben den Hühnern aus Papier auch Malereien eben dieser Tiere. „Generell male ich gerne Tiere aller Art. Doch für mich brauchen alle Bilder immer einen gewissen Humor. Diesen drücke ich oft über Kleinigkeiten aus“, erklärt die Künstlerin. „Humor ist auch ein großer Bestandteil in Kinderbüchern. Deshalb ist es auch mal mein Traum, diese irgendwann mal zu illustrieren.“

Weiterhin lassen sich auch verschiedene Personenportraits, Bühnenmalereien und sonstige Arbeiten der Künstlerin begutachten. In Zukunft, so überlegt sie, könnte sie auch diverse Kurse für Kunstinteressierte anbieten. Mal wolle sie ein offenes Atelier mit Verkaufsraum haben, mal brauche sie aber auch einen Rückzugsraum, in dem sie konzentriert arbeiten könne.

Doch nicht immer war Franziska Bielensteins Leidenschaft zur Kunst so eindeutig. Obwohl sie aus einer Künstlerfamilie stammt, sträubte sie sich zeitweise dagegen, ebenfalls diesen Berufsweg einzuschlagen. „Nach meiner Schulzeit hatte ich eine rebellische Phase und wollte nichts mit Kunst zu tun haben. Da habe ich dann eine Ausbildung im Einzelhandel absolviert. Danach habe ich als Au Pair in Schweden gearbeitet. Erst später habe ich eine zweite Ausbildung in Malerei und Bühnenbild gemacht“, erzählt sie. Doch damit ist noch lange nicht Schluss. Außerdem hat die Künstlerin noch ein Fachabitur in Grafik und Gestaltung abgeschlossen, ein Praktikum in Bühnenmalerei und ein Reisejahr durch Südamerika hinter sich gebracht. „Während meiner Reise habe ich ein Tagebuch geführt. Allerdings nicht mit Worten, sondern mit Zeichnungen. Ich habe jeden Tag alle meine Eindrücke und Erlebnisse gezeichnet. Dadurch bin ich auch wieder zur Kunst gekommen.“

Aktuell hat die in Baumgarten lebende Malerin ein Fernstudium in Grafikdesign an der HTK Hamburg begonnen. „Damit möchte ich mir ein zweites Standbein aufbauen. Ich habe mich schon früh selbstständig gemacht, aber es ist eben schwer, sein Geld nur mit Kunst zu verdienen, vor allem wenn man Kinder hat“, sagt sie. Außerdem sehe sie auch hier die Möglichkeit, Humor mit einzubringen. „Ich mag beispielsweise das Spiel mit der Sprache und das verbinde ich gerne mit meiner Kunst. So etwa die Redensart ,Die Hühner satteln‘. Die Vorstellung, dass Hühner Sattel tragen, fand ich so witzig, dass ich es zeichnen musste.“

Auch im Bezug zum Kloster fielen ihr viele Motive ein. So recherchierte Franziska Bielenstein das genaue Aussehen von damaligen Nonnen und malte, wie diese ihre Unterwäsche aufhingen. Für das Gelände plant sie jedoch noch viel mehr. „Ich habe mir gedacht, dass es mehr Infos geben müsste, da es hier neben dem Kloster noch sehr viel mehr zu entdecken gibt. Deshalb arbeite ich gerade an einem Leporello, das die Einrichtungen hier zeigt.“ So integriere sich die Kunst immer in das Kloster und biete einen echten Mehrwert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen