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Bützower Zeitung

24. Oktober 2017 | 08:03 Uhr

Jabelitz : Biber lässt Felder überfluten

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Durch den Dammbau eines Nagers drohen die Flächen von Landwirt Martin Vorbeck zu überschwemmen

von
erstellt am 28.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Wenn Martin Vorbeck Am Kirchsteig zwischen Qualitz und Göllin unterwegs ist, stehen ihm die Sorgenfalten deutlich ins Gesicht geschrieben. Grund dafür sind die Aktivitäten eines Bibers, der in den dortigen Wasserläufen Dämme und seine Burg gebaut hat. „Dadurch wird ein gewaltiger Rückstau erzeugt, sodass das Wasser in meine Felder fließt“, erklärt Vorbeck. Das bedeutet für den Jabelitzer Landwirt einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden.

Die Wertminderung der Flächen, zu denen auch Pachtland gehöre, sei enorm, sagt Vorbeck. „Man muss aufpassen, dass das Wasser wegkommt.“ Um Abhilfe zu schaffen, hat sich der Landwirt unter anderem mit den Mitarbeitern des Naturparks Sternberger Seenland in Verbindung gesetzt. Die haben den größeren der beiden Dämme mit einem sogenannten Bibertäuscher ausgestattet, einem Rohrsystem, mit dem der Wasserstand reguliert werden kann. „Dem Biber wird dadurch suggeriert, dass sein Damm in Ordnung ist, das Wasser kann aber dennoch abfließen“, erklärt der stellvertretende Naturparkleiter Jan Lippke.

Einfach so aktiv werden, können die Ranger allerdings nicht. „Wir können nicht einfach an die Dämme rangehen, sondern brauchen immer erst die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde“, so Jan Lippke. Ist die Erlaubnis zum Eingreifen erteilt, muss genau darauf geachtet werden, dass der Lebensraum des Tieres nicht gefährdet wird. So muss der Eingang zur Biberburg immer unter Wasser liegen, sagt Lippke. „Das ist die Voraussetzung für die Tiere. Ist das nicht mehr so, suchen sie sich einen anderen Ort zum Leben.“

Im gesamten Naturpark Sternberger Seenland gibt es zwischen 330 und 350 Biber. Aus Naturschutzsicht eine positive Entwicklung. Denn zwischenzeitlich waren die Tiere fast völlig ausgerottet. Im Zuge eines Ansiedlungsprojektes wurden 1991 elf Tiere in die Region gebracht. „Seitdem haben sie sich gut verbreitet. Wir sind jetzt nicht mehr aktiv, was Ansiedlung anbelangt. Man kann also davon ausgehen, dass die heutige Population direkt aus der Nachzucht der damals ausgesetzten Tiere entstanden ist“, sagt Jan Lippke.

Dass diese Entwicklung Landbesitzer wie Martin Vorbeck in Bedrängnis bringen kann, ist Lippke bewusst. „Wir sehen es generell natürlich positiv. Der Biber gehört in unsere Landschaft und so begrüßen wir es, dass er sich wieder so ausgebreitet hat. Die Probleme der Landwirte können wir aber durchaus verstehen“, betont Lippke. Generell sei es zwar immer einfach, zu sagen, dass die Bewirtschaftung diesen Gegebenheiten angepasst wird, aber das sei natürlich nicht immer möglich. „Wir können in diesem Fall nicht mehr tun, als regelmäßig zu kontrollieren, dass der Bibertäuscher auch funktioniert“, sagt der stellvertretende Naturparkleiter. Massives Eingreifen sei nur gerechtfertigt, wenn eine deutliche Gefahr bestehe. „In Brüel war zum Beispiel eine alte Bahnlinie betroffen. Die Behörde hat dann genehmigt, dass der Damm verfüllt werden darf“, erzählt Lippke. „Wir haben das begleitet und überwacht.“

Involviert ist auch der Wasser- und Bodenverband Obere Warnow. Wenn es in Sachen Biberaktivitäten brenzlig wird, kümmert sich Fred Doradzillo um Lösungen. Liegt eine Genehmigung vor, könnten Teile eines Damms beispielsweise mit der Hand abgetragen werden, sagt der Verbandstechniker. Größeres wird mit einem Bagger erledigt.

Nicht nur die umliegenden Äcker nehmen Schaden, auch die Förster haben jede Menge Arbeit: Rund um die Wasserläufe ist an sämtlichen Bäumen die Rinde abgefressen. „Wir müssen etwa 50 Buchen fällen, weil sie sonst absterben“, berichtet Förster Uwe Hildebrandt, Leiter des Qualitzer Reviers. Ein großer wirtschaftlicher Schaden entsteht dem Forstamt dadurch bislang nicht. Das Holz wird verkauft.

Für Martin Vorbeck bleibt das Problem drängend. Elf Hektar seiner Flächen sind unmittelbar bedroht. „Das ist nicht wenig. Wie gravierend der Schaden ist, wird sich in den nächsten Jahren zeigen, davon bin ich überzeugt“, ahnt der Landwirt Böses.

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