zur Navigation springen

Bützower Tafel : Betroffenheit in der ganzen Stadt

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Die Bestürzung über die überraschende Schließung der Einrichtung ist groß. Verwaltung und Verein suchen nach mittelfristiger Lösung.

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 21:00 Uhr

An der Bützower Tafel gab es am Dienstag ein ungewohntes Bild: Das Tor war verschlossen. Einzig ein Zettel informierte, dass keine Lebensmittel-Ausgabe stattfindet und der Verein seine Türen bis zum 17. Februar schließt. „Personelle Probleme“, heißt es auf dem Papier, das die Menschen erstaunt zurückließ. „Damit müssen wir uns abfinden“, sagt eine Bützowerin enttäuscht, als sie das Schild liest und die ungefüllten Beutel wieder in den Fahrradkorb legt. Für sie wird der Februar nun noch härter. Nur 120 Euro bleiben der Rentnerin zum Leben. Bei der Tafel holt sie sich regelmäßig Lebensmittel, die sie sich sonst gar nicht leisten könnte. Vor allem Rentner, aber auch Flüchtlinge, würden bei der Ausgabe Schlange stehen. „Ich frage mich, was Familien jetzt machen?“, sagt sie nachdenklich.

Taschen blieben leer

Monika Sternberg ist ratlos, hat aber ein bisschen damit gerechnet, dass das irgendwann passieren würde. „Ich war selbst ein halbes Jahr dabei. Das ist sehr schwere Arbeit“, berichtet sie. Die Bedingungen seien schwierig gewesen. „Wir waren manchmal auch zu wenig“, so Sternberg weiter, die das Arbeitsklima dennoch als sehr gut empfand.

„Meine Hochachtung vor dem, was sie leisten“, stimmt eine weitere Frau zu, als sie mit ihrem Mann dazukommt. Dass sie nun mit leeren Tüten wieder nach Hause muss, macht ihr trotz allem Verständnis zu schaffen. „Dann gibt es kein Gemüse“, kommentiert sie.

Doch was passiert nun mit den Waren, die bei den Märkten liegen blieben und gestern nicht ausgegeben wurden.? „Das wird jetzt alles weggeschmissen“, fürchtet die Bützower Rentnerin um die Lebensmittel, die ihr die finanzielle Last in dieser Woche erleichtert hätten.

Der Schock sitzt tief

Am Montag entschied die Vorstandsvorsitzende des Vereins Bützower Tafel, Katja Köster, kurzerhand, dass die Belastung zu groß für das Team geworden sei. Zu wenige übernahmen die Aufgaben. Hinzu kam, dass Köster Ehrenamt und Arbeitslosigkeit nicht länger vereinen konnte, ohne ihre Bezüge zu verlieren. Es wurde der Beschluss gefasst, die Tafel zunächst für zwei Wochen zu schließen und nach einer Lösung zu suchen. Viele SVZ-Leser sind geschockt und völlig überrascht, von der Nachricht.

„Das hat mich sehr berührt“, sagt der Bützower Friedrich Vernunft. Er wundert sich, dass für die Tafel kein Geld da sei, scheinbar niemand sich kümmert. „Das ist eine große Sauerei“, so Vernunft gestern gegenüber SVZ. „Ich bin richtig wütend“, macht der Bützower sich Luft.

„Ich bin schockiert, dass das geschehen ist“, sagt Vereinsmitglied Antje Wolff. „Ich werde alles dafür tun, dass es mit der Tafel in Bützow weitergeht“, so Wolff weiter.

Es müssen Perspektiven geschaffen werden

„Es ist eine sehr befremdliche Situation, dass die Tafel von heute auf morgen die Tätigkeit eingestellt hat“, sagt Bürgermeister Christian Grüschow. Unverständlich sei, dass die Mitglieder des Vereins nicht in diese Entscheidung eingebunden gewesen waren. „Aus meiner Sicht, darf die Vorsitzende das nicht“, meint der Verwaltungschef. Zudem habe er gestern das Zeichen verschiedener ehrenamtlicher Helfer bekommen, „die gewillt sind, die Tätigkeit aufrecht zu erhalten.“

Die Verwaltung wolle gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern nach Perspektiven suchen, um den Ehrenamtlern das Vertrauen zu geben, „ein sicheres Dach über dem Kopf“ zu haben, so Grüschow. Ziel müsse nun sein, schnellstmöglich den Betrieb wieder aufzunehmen und mittelfristig eine Lösung zu finden, um die Tafel dauerhaft betreiben zu können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen