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Bützower Zeitung

21. September 2017 | 09:04 Uhr

Schwaan : Beißattacke mit zu milden Folgen?

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Nach Angriff auf ein Kind in Schwaan: Hundehalterin aus Rostock darf Bullmastiff unter Voraussetzungen wieder haben – Mutter entsetzt

svz.de von
erstellt am 21.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Den 28. März wird Ariane Sennewald nie wieder vergessen. Ihre Tochter Juna wurde von einem Bullmastiff attackiert, auf dem eigenen Hof, ohne Vorwarnung, ohne Grund. Juna wäre fast zu Tode gebissen worden, wenn sich der Nachbar Mathias Hallier nicht ein Herz gefasst hätte, um den Hund zu überwältigen (SVZ berichtete).

Rein äußerlich würden alle Bissspuren noch immer zuwachsen, erklärt die Schwaanerin. Doch Narben werden bleiben. Folgen der Attacke sind aber nicht nur rein äußerlich zu sehen. Wenn Juna einem freilaufenden Hund begegne, habe sie noch immer große Angst und es sei nicht auszuschließen, dass sie weglaufe, schlimmstenfalls sogar auf die Straße, erklärt die Mutter. „Wenn wir einem Hund begegnen, der angeleint und kurz genommen wird, geht es.“ Die meisten Hundehalter aus der Umgebung würden ihren Vierbeiner extra kurz nehmen, wenn sie Juna sehen. Aber Ariane Sennewald sagt, dass es auch diejenigen gebe, die trotz der Geschehnisse rücksichtslos nach dem Motto „Ach, der tut doch nichts“ ihrem Hund zu viel Leine gewähren. Ob sich die Angst jemals bessert? Die Schwaanerin ist skeptisch. Das Erlebnis sei gravierend gewesen.

Mittlerweile hat die Hansestadt Rostock, wo die Halterin wohnhaft ist, auch erste Konsequenzen gezogen. „Gegen die Hundehalterin wurden verschiedene ordnungsrechtliche Verfügungen erlassen, die der Gefährlichkeit des Tieres Rechnung tragen“, erklärt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Eine Strafanzeige von Ariane Sennewald läuft außerdem. Noch immer sei der Hund in einem Tierheim in Verwahrung. Dort bleibe er auch, bis die Halterin die „Voraussetzung für die Erteilung der Erlaubnis zum Halten und Führen gefährlicher Hunde“ nachgewiesen habe. „Gemeinsam mit der Hundehalterin wurden verschiedene Schritte und Vorgehensweisen besprochen und erörtert, die die ordnungsgemäße Führung des Tieres ermöglichen sollen“, heißt es weiter.

Und das bringt Ariane Sennewald auf die Palme: „Das ist doch wahnsinnig und unbefriedigend ohne Ende! Ein Hund, der derart aggressiv auf ein Kind losgegangen ist, stellt eine Gefahr dar.“ Ob der Bullmastiff eingeschläfert oder permanent weggesperrt wird, sei für sie nicht entscheidend. Für sie zählt nur, dass der Hund nicht wieder zurück zu der Halterin kommt.

Bereits in einer vorigen beantworteten Anfrage seitens der Stadt Rostock wurde erklärt, dass ein Aufenthaltsverbot für den Hund in Schwaan durch die dortige Kommune zu verhängen sei und dass nach Kenntnis der Rostocker ein solches Verfahren vorbereitet werde. Mathias Schauer (UWS), Bürgermeister von Schwaan, kann sich allerdings nicht erklären, wie die Hansestadt auf so etwas kommt. „Von uns hat keiner eine solche Information herausgegeben.“ Der Grund: Schwaan fehle die rechtliche Grundlage, ein solches Aufenthaltsverbot zu verhängen.

Schauer könne eine solche Forderung menschlich verstehen, „und menschlich kann man nur an den Halter appellieren“, doch für ein solches Aufenthaltsverbot sei seitens des Hundes eine Gefahr für jeden Meter Schwaans erforderlich, was rechtlich schwierig zu begründen sei.

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