steinhagen : Bauern auf der Schulbank

Personaltrainerin Heike Sohna (l.) und Landwirt Martin Vorbeck beim Armdrücken auf der Schulbank.
Personaltrainerin Heike Sohna (l.) und Landwirt Martin Vorbeck beim Armdrücken auf der Schulbank.

Winterakademie für Landwirte der Region findet das dritte Jahr in Folge statt

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15. Januar 2016, 10:00 Uhr

Nicht im Büro, im Stall oder auf dem Acker waren gestern einige Landwirte der Region, sondern auf der Schulbank. Wie kann ich erfolgreich Verhandlungen mit Geschäftspartnern führen? Welche Rolle spielen da die Kommunikation und die Körperhaltung? Das waren gestern Themen bei der Winterakademie 2016 des Bauernverbandes Bützow. Heike Sohna, Personaltrainerin aus Berlin, gab Anregungen und holte mit kleinen Rollenspielen verborgenes Wissen wieder an die Oberfläche.

Jeder nehme sich seinen Banknachbar als Partner, sagt Heike Sohna. „Sie kennen alle das Armdrücken?“, fragt sie in die Runde. Sie selbst nimmt sich Landwirt Martin Vorbeck. Beide gehen in die Ausgangsposition zu diesem vermeintlichen Kräftemessen. Ruhe. Abwarten. Dann die Frage von Sohna: „Was ist passiert?“ Jeder habe irgendwie versucht, zu drücken, stellen die Teilnehmer fest. Keiner konnte aber genau sagen, wer zuerst begonnen hat, Druck auszuüben. „Dabei habe ich doch gar nicht gesagt, dass sie Armdrücken sollen“, erklärt Sohna. Druck sei nicht unbedingt das, was bei Verhandlungen eine Rolle spielen sollte.

Das dritte Jahr in Folge organisiert der Bauernverband Bützow für seine Mitglieder diese Form der Weiterbildung in den Wintermonaten, erklärt Geschäftsführerin Katrin Kauer. Die Winterakademie bestehe immer aus vier Seminaren, zu unterschiedlichen Themen. „Heike Sohna war bereits im vergangenen Jahr mit dabei. Das hat allen sehr gut gefallen. Deshalb haben wir sie wieder eingeladen“, sagt die Geschäftsführerin. Es sei nicht immer einfach, genug Teilnehmer zu finden, denn in den vier Januarwochen müsse sich der Teilnehmer immer einen Tag in der Woche von der Arbeit loseisen. Doch eine Mindestteilnehmerzahl sei notwendig, denn die Winterakademie werde mit EU-Geldern gefördert.

Dietrich Röders aus Brookhusen ist einer der Teilnehmer in diesem Jahr. Der Landwirt, seit über 30 Jahren in der Branche tätig, betreibt auf 400 Hektar Ackerbau. Er kennt Preisverhandlungen. Sei man an einem bestimmten Punkt angelangt, würden sich die Verhandlungspartner entweder hinter der Geschäftsleitung oder den Marktpreisen verstecken, ist eine Erfahrung vieler Landwirte. Der Spielraum des Außendienstmitarbeiters sei sehr begrenzt, um bei Vertragsverhandlungen einen Kompromiss auszuhandeln. Dietrich Röders räumt aber ein, dass er zu seinen Geschäftspartnern ein gutes Verhältnis habe. „Es ist immer ein Geben und Nehmen.“ Trotz seiner langjährigen Berufserfahrung sei ein solches Seminar gut, um sich auf solche Gespräche vorzubereiten. „Man lernt immer was dazu“, sagt Röders. Und es gehe ja nicht nur um Gespräche mit Geschäftspartnern, sondern auch mit eigenen Mitarbeitern.

Katrin Kauer sieht aber in den Seminaren noch einen weiteren Nebeneffekt. „Die Landwirte diskutieren auch in den Pausen weiter, sind miteinander im Gespräch.“

Denn während der Winterakademie sind die Themen sehr vielschichtig. In der vergangenen Woche ging es zum Beispiel um Versicherungsfragen und Steuerrecht. In der kommenden Woche steht die langfristige Ertragssicherung im Marktfruchtbau auf der Tagesordnung und welche Rolle dabei die Fruchtfolge hat. Ein weiteres Thema in diesem Jahr ist schließlich die Frage der Öffentlichkeitsarbeit und die Möglichkeit, Fachkräfte für die Landwirtschaft zu gewinnen. Auch das wird immer schwieriger.

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