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Nach Randale in Bützow : Bahnhofsgebäude bald geschlossen?

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Nach einem Fall von Vandalismus überlegt Besitzer Poppe Gerken, aus Sicherheitsgründen dicht zu machen.

von
erstellt am 12.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Vandalismus, gewalttätiges Verhalten und Beschimpfungen am Bützower Bahnhof: Der Ausraster eines Mannes am vergangenen Sonntag könnte weitreichende Konsequenzen haben. Nachdem er auch im Bahnhofsgebäude randalierte und dessen Besitzer Poppe Gerken, der zu dem Zeitpunkt gerade vor Ort war, tätlich angriff, überlegt dieser das Gebäude zu schließen. „Es ist nicht einsehbar, dass ich so etwas dulden muss“, sagt Gerken.

Der Vorfall warf für den Zepeliner die Frage nach einem permanenten Sicherheitsdienst auf, der auch das Bahnhofsgebäude regelmäßig ins Visier nimmt. „Es muss im Prinzip ständig jemand stationiert werden“, so Gerkes Forderung. Er sei zwar der Besitzer, sehe sich aber nicht allein in der Pflicht, etwas für die Sicherheit zu tun. Im Grunde sei es eine teilöffentliche Angelegenheit. Eine Zwickmühle, denn die Bahn, die für das Außenareal zuständig ist, sieht ihrerseits keinen Handlungsspielraum in dieser Frage. Da das Empfangsgebäude sich nicht im Besitz des Unternehmens befinde, habe dieses auch kein Hausrecht für die Immobilie, sagt Bahnsprecher Gisbert Gahler. „Wir würden es bedauern, wenn der Eigentümer aus Sicherheitsgründen die Empfangshalle verschließen würde.“ Sicherheitsdienste der Deutschen Bahn würden im Außenbereich aber täglich auf Streife sein.

Poppe Gerken hofft auf die Unterstützung der Bundespolizei. Diese solle zu den offiziellen Öffnungszeiten täglich vor Ort sein, fordert er. Die Präsenz der Beamten kann jedoch nicht permanent gewährleistet werden, sagt Polizeihauptkommissar Frank Schmoll, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Rostock. „In unseren Zuständigkeitsbereich fallen 124 Bahnhöfe, Haltepunkte und dazugehörige Streckenabschnitte, die wir alle regelmäßig bestreifen. Die Häufigkeit richtet sich je nach Brennpunktlage“, erklärt Schmoll. Bei konkreten Vorfällen und Ermittlungsverfahren seien die Beamten entsprechend sensibilisiert. Sie könnten jedoch nicht zu jeder Zeit an allen Bahnhöfen des Zuständigkeitsbereiches vor Ort sein.

Ursprünglich hatte Gerken geplant, vielleicht schon ab nächster Woche die Türen zu schließen. Davon sieht er nun jedoch ab. „Ich gebe der Sache nochmal eine Chance, halte mir aber die Option der Schließung offen für den Fall, dass so etwas wie am vergangenen Sonntag noch einmal passiert“, betont er. Das sei sicher ein drastischer Weg, aber wenn die Sicherheit der Bahnreisenden nicht gewährleistet sei, gebe es keine andere Möglichkeit. Langfristig setzt Gerken auf die Zusammenarbeit mit der Bahn und der Bundespolizei: „Alle, die ein Interesse am Bahnhof haben, natürlich auch ich, müssen daran arbeiten, dass die Sicherheitsfrage geklärt ist.“

Den Randalierer, der nach Gerkens Aussage einen Migrationshintergrund hat, hat er wegen Körperverletzung angezeigt. „Ich hoffe, dass sich so etwas hier nicht noch einmal wiederholt“, sagt er.

Sollte Poppe Gerken tatsächlich den Bahnhof schließen, hat dies auch Auswirkungen auf Gabriele Thielcke. Sie führt den Shop im Bahnhof. „Es wäre existenzbedrohend.“ Außerdem hofft sie, dass die Scheibe aus Panzerglas bleibt, wenngleich es die Kommunikation etwas stört. „Manche Reisende kommen wutentbrannt her und lassen hier ihren Frust aus“, sagt Gabriele Thielcke. So mancher sehe das DB-Schild über ihrem Lädchen und denke, dass sie Schuld an eventuellen Reise-Strapazen sei. Dies mündet oft in Aggressionen. Einer schlug mal mit der Faust gegen die Scheibe und Thielcke fürchtet, dass sie der Schlag ohne Scheibe getroffen hätte. „Ich wurde auch schon gewürgt.“ Mit der Scheibe fühle sie sich sicherer. Ob sie allerdings bleibt, ist Vermieter-Sache.

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