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Bützower Zeitung

16. Dezember 2017 | 10:23 Uhr

Bützow : Bahn behindert Reisende

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Barrierefreier Zugang der Bahnsteige 2 und 3 durch Fahrstühle wird voraussichtlich erst ab 2019 gewährleistet

svz.de von
erstellt am 05.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Es bleibt dabei: In Bützow müssen Menschen mit Behinderungen, insbesondere Rollstuhlfahrer, ihre Reise mit der Bahn genau planen. Denn vor 2019 wird es auf dem Bahnhof keine Aufzüge geben. Darüber informierte Bahnsprecher Gisbert Gahler auf SVZ-Nachfrage. Auf „Bahn-Deutsch“ lautete die Antwort: „Die Realisierung der barrierefreien Erschließung des Inselbahnsteiges in Bützow ist in der Mittelfristplanung 2019 verankert.“

Hannelore Kömmler vom Behindertenverband Bützow ist enttäuscht: „Das geht nun schon seit Jahren so. Es gibt ja nichts mehr. Spontane Reisen sind für behinderte Menschen nicht möglich.“

Ein Zustand, der nun schon seit sieben Jahre anhält. Im Frühjahr 2009 baute die Deutsche Bahn moderne, digitale Ansagetechnik auf dem Bahnhof ein. Die sogenannte Fallblatt-Technik verschwand. Und mit ihr auch die Mitarbeiter der Bahn-AG, die bis zu diesem Zeitpunkt in Bützow ihren Dienst taten. Die Folge: Rollstuhlfahrer und andere Menschen mit Behinderung, die nicht allein Treppen steigen können, sind seitdem auf den Mobilitätsservice der Deutschen Bahn angewiesen. Das heißt: Mindestens 24 Stunden bevor jemand eine Fahrt antreten will, muss er diesen Service anmelden. Dann kommt ein Bahnmitarbeiter nach Bützow, um den Reisenden über den Übergang am Ende der Bahnsteige zu geleiten.

Der blinde Stadtvertreter Wolfgang Wehrmann (EB), der Behindertenverband und der Seniorenbeirat Bützow machten 2009 mobil gegen diese Entwicklung auf dem Bahnhof. So kam im Mai 2009 der damalige Bürgerbeauftragte des Landes, Bernd Schubert, nach Bützow, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Schubert informierte ein halbes Jahr später über die Ergebnisse seiner Gespräche mit der Bahn. Für Bützow seien „mittelfristig“ zwei Fahrstühle geplant. Mittelfristig hieße in etwa drei Jahren. Doch dabei blieb es. Weder 2011 noch 2012 kamen die Fahrstühle. „Nach derzeitigem Stand ist eine Umsetzung der Maßnahme für 2016/2017 vorgesehen“, erklärte die Bahn vor drei Jahren auf Nachfrage von SVZ.

Nun schreibt Bahnsprecher Gisbert Gahler: „Das Planrecht wird nach jetzigem Stand beim Eisenbahnbundesamt voraussichtlich noch dieses Jahr beantragt. Mit dem Planrecht rechnen wir 2017, so dass die Ausschreibung der Bauleistungen 2018 erfolgen kann.“ Somit könnte dann 2019 gebaut werden.

Bürgermeister Christian Grüschow ist dieser Zeitplan seit August vergangenen Jahres bekannt. Die Stadt plant bekanntlich, den Bahnhofsvorplatz gemeinsam mit dem Kreis zu einem Verkehrsknotenpunkt auszubauen. In diesem Sinne hatte er Gespräche mit der Bahn geführt. „Die Vorgeschichte war mir so aber nicht bekannt.“ Wie auch: Ist er doch erst seit knapp eineinhalb Jahren im Amt. Er habe nur erfahren, dass es wohl bei der Planung manche Varianten gab. Es werde jetzt wohl ein Übergang favorisiert. „Wir werden die Bahn an ihrer Zusage 2019 festmachen.“ Denn schließlich wollen die Stadt und der Kreis dafür sorgen, dass das Bahnhofsumfeld modern und kundenorientiert gestaltet wird.

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