Bützow : Bäume schneiden, aber richtig

Schneidet Bäume mit der Handsäge: Steven Schäge und seine Mitarbeiter sind derzeit in Bützow aktiv.
Schneidet Bäume mit der Handsäge: Steven Schäge und seine Mitarbeiter sind derzeit in Bützow aktiv.

Gadebuscher Firma ist seit Sonnabend im Bützower Nebeltal zugange. Steven Schäge: Viele Kommunen verschleudern Geld

svz.de von
15. Mai 2018, 10:52 Uhr

Der Steiger fährt hoch. Zwei Männer stehen darin. Einer wird auf der linken Straßenseite in der Baumkrone ausgesetzt, wo er sich anschließend per Seil sichert und dann mit einer Handsäge, manchmal auch mit einer kleinen Motorsäge Äste abschneidet. Der andere Mann tut das gleiche, nur aus der Hebebühne heraus. Im Nebeltal, an der Verbindungsstraße zwischen dem Bützower Gewerbegebiet und Zepelin Ausbau, werden Baumschnittarbeiten durchgeführt. Sonnabend legte die Firma R. Schäge los, gestern ging es weiter und heute sollen die Arbeiten beendet werden. Es stehen Totholzbeseitigung, das Entfernen von Bruchästen und das Instandhalten von Lichtraumprofilen an. Mit Steven Schäge hat sich Bützow einen Fachmann kommen lassen, der überregionales Ansehen genießt.

Einen Ritterschlag erhielt Steven Schäges Firma kürzlich vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, kurz BUND, nach Abschluss der Arbeiten an der Rosskastanien-Allee zwischen Groß Trebbow und Barner Stürck in Landkreis Nordwestmecklenburg. „Das freut mich natürlich“, sagt der Gadebuscher. Denn erfahrungsgemäß gebe es sonst vom BUND eher „auf die Ohren“, wenn Eingriffe in die Natur erfolgen. Doch der BUND betonte, dass die Bäume gewissenhaft und fachgerecht geschnitten wurden. Genau das sei das Firmen-Credo.

Statt auf Geld setzt Firma auf Nachhaltigkeit

Um gewissenhaft arbeiten zu können, nimmt Steven Schäge kommunale Aufträge an, große Arbeiten an Landes- oder Bundesstraßen lehnt er ab. Aber auch Privatkunden machen einen großen Anteil seiner Aufträge aus, nach eigenen Angaben rund 50 Prozent.

Das bedeutet auch, dass die Firma freiwillig auf viel Geld verzichte, um Bäume vernünftig zu schneiden oder zu fällen. Es gebe unzählige Firmen, die das schnelle Geld wittern und binnen kürzester Zeit Unmengen an Bäumen schneiden, so Schäge. Er berichtet von einem Auftrag einer anderen Firma, als innerhalb eines einzigen Tages 800 Bäume einer Allee im Umfang von 20 000 Euro bearbeitet wurden. Für Steven Schäge ein Unding. Er setzt auf nachhaltige Baumpflege. „Man muss Prioritäten setzen. Dann dauert ein Baum halt mal eine halbe oder Dreiviertelstunde.“

Viele Gemeinden würden Alleen-Baumschnittarbeiten im Frühjahr und im Herbst ausschreiben. Laut Steven Schäge sei das „Müll“. Wenn man es vernünftig mache, sei danach drei, vier, manchmal sogar fünf Jahre Ruhe, mit Ausnahme von wenigen Einzelbäumen. „Als Mensch lasse ich mich doch auch nicht jedes Jahr operieren.“ Der Baumkletterer glaubt, dass die Gemeinden nun aber aufwachen und begreifen, was für die Bäume gut ist. Er spricht von rausgeschmissenem Geld seitens der Kommunen. „Dann lieber einmal richtig.“ Manche Kommunen würden per Gutachten Nachkontrollen anschieben, was der Gadebuscher begrüßt. „Dann hört der Schindluder nämlich auf.“

Inzwischen kämen sogar Anfragen aus Leipzig. Sogar so viele, dass der Gadebuscher überlegt, dort eine Außenstelle zu gründen. Für den guten Ruf werden auch Arbeiten gemacht, die eigentlich nicht im Vertrag stehen. Im Falle der Arbeiten in Bützow waren vier Tage veranschlagt. Doch Schäge merkte, dass der heutige Tag für die Arbeiten genügen wird. So wird der Stadt sogar ein Tag erstattet, obwohl die Auftragsvergabe den vierten Tagessatz vorsah.

Baumkletterer als Traumberuf

Der Grund für die fachmännischen Arbeiten der Firma sei das Herzblut der Mitarbeiter. Auch der Chef packt mit an. „Das ist mein Traumberuf“, sagt Steven Schäge. Zu DDR-Zeiten lernte er den Beruf, saß dann erst einmal an einem Schreibtisch. Dies sei nichts für ihn gewesen. Seit 15 Jahren klettert er nun in den Bäumen der Region. Seit vier Jahren gebe es die Firma mit inzwischen sieben Mitarbeitern.

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