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Bützower Zeitung

21. November 2017 | 20:37 Uhr

Wildunfälle : Ausweichen oder Draufhalten?

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Im Oktober und November ist die Gefahr am größten

von
erstellt am 25.Okt.2017 | 05:00 Uhr

„Wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind und ein Wildtier stellt sich vor Sie auf die Straße, ist es meist eine schlechte Idee, ausweichen zu wollen“, erklärt der Vorsitzende der Rotwildhegegemeinschaft Bützow, Ulrich Constien. Auf den ersten Blick mag dies eine unintuitive Reaktion sein, doch sie ist durchaus begründet. „Sowas ist natürlich immer leichter gesagt, als getan, aber im Zweifel ist der Baum am Straßenrand die schlechtere Option. Das Fleisch des Tieres ist weich und gibt nach.“

Der Deutsche Jagdverband (djv) erfasste im Jagdjahr 2015/16 etwa 230 000 getötete Wildtiere im Straßenverkehr. Die Dunkelziffer ist allerdings höher, da die Meldepflichten in den Bundesländern nicht einheitlich geregelt sind. Die deutsche Versicherungswirtschaft regulierte 2015 mehr als 260 000 Wildtierunfälle über Teil- und Vollkaskoschutz. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist dies eine Zunahme von 30 Prozent.

Besonders jetzt haben Wildtierunfälle wieder Hochkonjunktur. Obwohl Autofahrer das ganze Jahr über wachsam sein sollten, ist momentan erhöhte Aufmerksamkeit gefordert, da mehrere Faktoren zusammenkommen. „Zum einen sind die meisten Wildtiere nachtaktiv und bewegen sich gerade in der Dämmerung und im Morgengrauen. Wenn die Tage kürzer werden, überschneidet sich das mit den Zeiten, in denen die Leute zur und von der Arbeit zurück fahren. Der andere Faktor ist die späte Maisernte dieses Jahr. Wenn die Felder verschwinden, wandern viele Wildtiere, die sich über den Sommer dort aufgehalten haben, in den Wald. Dabei müssen sie zwangsläufig die Straßen überqueren.“

Vor einigen Jahren habe man deshalb angefangen, blaue Reflektoren an den Leitpfosten zu befestigen. Diese stellen bei Dunkelheit für die Tiere eine optische Lichtschranke dar, da sie in regelmäßigen Abständen das Licht der Autoscheinwerfer reflektieren. „Es ist zwar noch nicht wissenschaftlich belegt, jedoch hat nach unserer Einschätzung die Zahl der Wildunfälle nach Einführung der Blaulichtreflektoren deutlich abgenommen. Sie stellen auf jeden Fall einen sinnvollen Beitrag zur Verkehrssicherheit dar und gleichzeitig sind ihre Kosten in der Anschaffung und Befestigung sehr überschaubar“, sagt Ulrich Constien. „Leider befinden sich auf der L11 beispielsweise noch viele Lücken, in denen Streckenabschnitte nicht mit Reflektoren abgedeckt sind. Wir sind sehr bestrebt, die Lücken schnell zu füllen.“

Gleichzeitig mahnt er aber auch dazu, sich als Autofahrer nicht auf die Reflektoren zu verlassen. „Im Gegenteil, in Abschnitten mit blauen Reflektoren sollte man erst recht vorsichtig fahren, da dies Gebiete mit erhöhter Gefahr für Wildwechsel sind“, so Ulrich Constien.

Auch wenn es bisher zu keinen Personenschäden gekommen ist, sind der Polizei zwischen August und Oktober im Bützower Land 46 und in Schwaan 23 Wildtiervorfälle bekannt. Diese sind in den Gebieten großflächig verteilt, sodass sich Autofahrer überall auf potenzielle Straßenüberquerungen von Reh-, Rot-, oder Schwarzwild einstellen müssen. Zusammenstöße mit Rehen kommen zwar am häufigsten vor, doch glücklicherweise sind diese kleiner als Rot- und Schwarzwild, die eine größere Gefahr für Autos darstellen.

Im gesamten Amtsbereich Güstrow-Land ereigneten sich in diesem Zeitraum 42 Unfälle mit tierischer Beteiligung. Davon fielen 14 Vorfälle in den Stadtbereich Güstrow. Als erhöhte Gefahrenstelle nennt die Polizei die Glasewitzer Chaussee.

Zusammenstöße mit Wildtieren sind oft nicht zu vermeiden. Für Autofahrer gibt die HDI Versicherung die klare Empfehlung: Die kontrollierte Kollision mit dem Tier ist in den meisten Fällen die weniger gefährliche Lösung. Moderne Autos verkraften auch die Kollision mit größeren Tieren wie Wildschweine oder Hirsche, ohne dass die Insassen Schaden nehmen. Zwar sollte diese notfalls per Vollbremsung vermieden werden, doch das Lenkrad sollte fest in den Händen und der Wagen in der Spur gehalten werden.

Sollte es doch zu einem Unfall kommen, ist sofort die Polizei zu verständigen. Sie stellt die sogenannte Wildbescheinigung zur Vorlage beim Versicherer aus. Weiterhin setzt sie sich mit dem zuständigen Jäger in Verbindung, der sich um das tote oder verletzte Tier kümmert. Unter keinen Umständen sollte das Tier angefasst werden. Einerseits setzt man ihm so noch mehr Stress aus, aber es könnte Menschen auch durch Tritte oder Bisse verletzen. Ein Kadaver darf ebenfalls nicht mitgenommen werden und kann als strafbare Jagdwilderei ausgelegt werden.


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