bützow : Aus der Großstadt an den See

Auf dem Drachenboot war Teamgeist gefragt.
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Auf dem Drachenboot war Teamgeist gefragt.

Eine Gruppe Jugendlicher aus Würzburg verbringt einen Teil der Ferien auf dem Gelände des Bützower Kanuclubs

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05. August 2016, 19:00 Uhr

Zelt an Zelt reiht sich derzeit am Bützower See – Besucher aus Süddeutschland haben sich für zehn Tage hier einquartiert. Die Gruppe gehört zur evangelischen Kinderjugendhilfe der Diakonie Würzburg. „Wir sind eine Wohngruppe“, erklärt Erzieher Lukas Reimer. Sieben Kinder und Jugendliche zwischen elf und 16 Jahren und zwei Begleiter – eine reine Männergruppe – zelten auf dem Gelände des Bützower Kanuclubs.

Was die Baden-Württemberger an den Bützower See treibt? Die Gruppe mit schwer erziehbaren und psychisch kranken Jugendlichen genießt hier ein völliges Kontrastprogramm zum Alltag in Würzburg.

„2014 waren wir schon mal hier“, erinnert sich Lukas Reimer. Damals war der Erzieher im Internet auf den Campingplatz gestoßen und die Gruppe sei „ein bisschen ins Blaue hineingefahren“. Nun ist die Wohngruppe zum zweiten Mal da, „weil es hier so himmlisch ist“, sagt der Erzieher und zwinkert den Vereinsmitgliedern des Kanuclubs zu. „Es gibt hier ganz viele Möglichkeiten.“ So könnten sich die Kinder und Jugendlichen austoben und in verschiedensten motorischen Herausforderungen ausprobieren. Diese Erlebnispädagogik umfasse zudem Grenzerfahrungen und die eigene Körperwahrnehmung.


Morgens auf den Sportplatz


Doch nicht nur die vielen Abenteuer, die sich in der Region auftun, sind für die Würzburger etwas neues. „Wir zelten hier. Viele kennen das gar nicht“, so Reimer über die Stadtkinder. Er und sein Kollege sorgen während des zehntägigen Ferientripps für die nötige Disziplin. Deshalb gehört der Frühsport – der Sportplatz befindet sich praktischer Weise in unmittelbarer Nähe – fest zum Tagesablauf. Von Weitwurf über Sprint bis zu Weitsprung gibt es hier große Auswahl, um schon morgens ins Schwitzen zu kommen. „Wenn uns die Disziplinen ausgehen, dann gehen wir aufs Wasser“, hat Lukas Reimers immer noch eine Idee in der Hinterhand.

„Ich finde es in jedem Fall schöner, als wenn wir am Meer sind“, sagt Simon Ostermeier, der zu den Ältesten der Gruppe zählt. Mit den anderen habe er die ersten Tage genutzt und per Boot den Bützower See und die Natur erkundet. Auch dem Klima kann der Jugendliche Positives abgewinnen. „Es ist nicht so extrem heiß wie in Würzburg.“ Zudem sei es viel windiger als in Süddeutschland. „Das finde ich gar nicht so schlecht“, meint Simon Ostermeier.


Ziel ist ein geregelter Alltag


Die Jugendlichen werden durch das Jugendamt in die Einrichtung der Diakonie vermittelt. Hier bekommen sie heiminternen Schulunterricht in sehr kleinen Gruppen mit drei bis vier Teilnehmern. „Wir sind eine relativ alte Gruppe“, erklärt Lukas Reimer, dass auch jüngere Kinder aufgenommen würden. Ziel sei es, die Kinder und Jugendlichen – diese verweigerten oftmals den Unterricht – wieder in eine Regelschule einzugliedern und ihnen einen Abschluss zu ermöglichen, um eine Ausbildung machen zu können. Auch sollen sie möglichst in ihre Familien zurückkehren. In den Wohngruppen werden sie quasi auf das Leben nach der Schule vorbereitet. Neben dem Erzieher unterstützen Solzialpädagogen, Psychologen und Psychotherapeuthen die Heranwachsenden. Einige werden nur kurz untergebracht, andere, wie Simon, sind schon seit einigen Jahren bei der evangelischen Kinderjugendhilfe zuhause.

Die Ferienwoche am Bützower See gebe den Jugendlichen mehr Freiheiten „Hier ist alles ein bisschen offener“. So können sie in den meisten Fällen selbst entscheiden ob sie an den Ausflügen, beispielsweise nach Rostock oder an die Ostsee, teilnehmen wollen. Wer lieber mit dem Kanu auf den See möchte, hat ebenfalls jederzeit die Möglichkeit dazu.

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