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Stinkende Gärreste : Aufruhr in Warnower Ortsteilen

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Stinkende Gärreste auf Feldern waren Thema auf Einwohnerversammlung in Rosenow

Das Thema beschäftigt nicht nur die Einwohner Rosenows seit längerer Zeit: Von den umliegenden Feldern zieht immer wieder Gestank heran. Betroffen sind fast alle Dörfer der Gemeinde Warnow. Um diese Geruchsbelästigung ging es jetzt auf einer Einwohnerversammlung im Rosenower Ortszentrum, zu der rund 50 Interessierte gekommen waren.

„Wir müssen hier versuchen, einen Kompromiss zu finden“, sagte einleitend Bürgermeister Siegfried Hoffmann. Das aber scheint nicht einfach.

Hintergrund: Umliegende Felder (600 ha Ackerland, 200 ha Grünland) werden von der Warnower Agrar GmbH bewirtschaftet. Die nutzt für die Düngung ihrer Flächen Gärreste, die von Biogas Bützow kommen. Und genau diese Gärrreste verbreiten in den Dörfern einen zum großen Teil unerträglichen Gestank. Nachdem am 6. und 7. Juni erneut größere Mengen des Wirtschaftsdüngers ausgebracht worden waren, reichte es den Rosenowern. Wilfried Behnke auf der Einwohnerversammlung: „Die Geruchsbelästigung wurde unerträglich, selbst der folgende Niederschlag reichte nicht, den Gestank zu beseitigen.“

Viele Rosenower unterschrieben daraufhin einen „Bürgereinspruch gegen das Ausbringen von Wirtschaftsdünger durch die Agrar GmbH Warnow“. Einwohner Wilfried Behnke: „Wenn 80 von 120 Rosenowern eine solche unerträgliche Geruchsbelästigung bestätigen, dann kann man das nicht einfach wegwischen.“ Nach seinen Worten waren etwa 30 Einwohner unmittelbar gesundheitlich beeinträchtigt, u. a. durch Kopfschmerzen, Reizungen der Augen und Schleimhäute sowie Schlafstörungen. Als Folge dessen wurde Strafanzeige wegen Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung erstattet.

Der Bürgerbeauftragte des Landes, Matthias Crone, bestätigte inzwischen den Erhalt der Petition und teilte mit, er habe den Landwirtschaftsminister von MV um Stellungnahme gebeten, ebenso um die Übermittlung der Untersuchungsergebnisse.

Warum aber stinken besagte Gärreste auf den Feldern um Rosenow und anderer Ortsteile so? Mike Goesmann, Geschäftsführer der Warnower Agrar GmbH: „Wir liefern jährlich 13  000 bis 15  000 Tonnen Maissilage an die Biogasanlage Bützow, dazu rund 7000 bis 8000 Tonnen Gülle. Entsprechend des Vertrages nehmen wir pro Jahr die gleiche Menge Gärreste zurück, also 20  000 bis 22  000 Tonnen und nutzen sie als Düngemittel. Möglicherweise ist die Zusammensetzung der Ausgangsprodukte die Ursache für die Geruchsbelästigung.“

Mutmaßungen, das wurde auf der Einwohnerversammlung deutlich, gehen dahin, dass Hühnermist für den Gestank verantwortlich sein könnte. Der ist nämlich in den Gärresten, die aus Bützow zurück nach Warnow geliefert werden, enthalten, was dem Liefervertrag auch entspricht.

Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg hatte im Juni die Beschwerde der Einwohner an Biogas Bützow weiter geleitet und von dort zur Antwort erhalten, dass der Betrieb der Anlage „konstant und genehmigungskonform“ verlaufe, es keine technische Störung gegeben habe und sich die „Rohstoffarten und deren Rezepturen“ nicht verändert hätten.

Leider war auf der Einwohnerversammlung kein Vertreter von Biogas Bützow anwesend und auch von erwähntem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt lediglich ein Dezernent, der nach eigener Aussage nicht für Geruchsbelästigung zuständig ist, sondern für die Düngeverordnung. Was den Unmut vieler Anwesender hervorrief. Dezernent Stefan Nettelbeck versicherte, seinen Amtsleiter zu informieren. „Es wird nichts verschleppt“, sagte er. Im Rahmen der landesweit vorgeschriebenen Regelüberwachung, die auch für Biogasanlagen gilt, soll jetzt eine Anlasskontrolle durchgeführt werden, um möglicherweise den Auslöser für die Geruchsbelästigungen zu finden.

Peter Dethloff, Geschäftsführer der Bützower Wärme GmbH, die zuständig ist für die technische Betriebsführung der Biogasanlage, bekräftigte am Freitag indes gegenüber SVZ, dass in den Gärresten nichts enthalten ist, was gegen Vorschriften verstößt. „Wir geben nichts dazu. Enthalten sind reine nachwachsende Rohstoffe: Mais, Gülle von Rind und Schwein sowie Hähnchentrockenmist.“

Viele Einwohner gingen nach der Versammlung mit gemischten Gefühlen nach Hause. „Ich bin nicht zufrieden. Wir wissen auch nicht, wie sich das Ganze zum Beispiel auf das Öko-System mit den vielen Tümpeln und Gewässern auswirkt“, so eine Frau.

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erstellt am 16.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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