DER HEIßE DRAHT : Auf einmal war der Gehweg weg

Fassungslos: Peter Müller, Petra Ahnfeld und Jörg Boomgarden aus Diedrichshof (v.l.) können immer noch nicht glauben, dass die Gemeinde Warnow ihnen den Bürgersteig entfernt hat.  Fotos: Milius (2)
Fassungslos: Peter Müller, Petra Ahnfeld und Jörg Boomgarden aus Diedrichshof (v.l.) können immer noch nicht glauben, dass die Gemeinde Warnow ihnen den Bürgersteig entfernt hat. Fotos: Milius (2)

Warnows Bürgermeister lässt eigenmächtig Betonsteine in Diedrichshof entfernen, weil er sie im Hauptdorf braucht.

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15. November 2014, 08:43 Uhr

„Das ist doch unmöglich, dass sie uns hier den Bürgersteig wegnehmen“, sagt Petra Ahnfeld. Am Mittwochmorgen habe die gelernte Verkäuferin die Bauarbeiten in unmittelbarer Nähe zu ihrem Haus mitbekommen. „Ich habe gerade mit einer Bekannten gefrühstückt. Durch das Fenster in der Küche habe ich dann Baufahrzeuge gesehen.“ Zunächst habe sie noch vermutet, dass Gemeindearbeiter gekommen waren, um Grünflächen zu pflegen. Doch dann habe sie gesehen, wie die Männer einen Gehwegstein nach dem anderen wegtrugen.  „Ich konnte es nicht fassen“, so Ahnfeld. Wutentbrannt habe sie sich ihre Kamera geschnappt und das Treiben in Fotos festgehalten.

Zudem habe sie Warnows Bürgermeister angerufen und zur Rede gestellt. Von ihm habe sie erfahren, dass er die Steine in das Hauptdorf verlegen ließ, um sie dort verbauen zu können. Die Gemeinde wolle damit einen befestigten Untergrund errichten für das Sparkassenmobil, das einmal die Woche in Warnow Station macht. Auf ihre Beschwerde habe sie von ihm zu hören bekommen, dass in Diedrichshof eh keiner auf dem Bürgersteig laufen würde.

Ahnfeld wollte das nicht einfach hinnehmen und wandte sich an die Stadt Bützow.    „Ich habe in Bützow angerufen. Dort wusste man von nichts, wollte mich aber auch nicht mit jemanden verbinden, bei dem ich mich hätte beschweren können. Es hieß nur: Die Gemeinde Warnow wäre dafür zuständig“, erzählt die Diedrichshoferin.

Gemeindevertreter wussten von nichts 

Nach ersten Recherchen handelte Warnows Bürgermeister Siegfried Hoffmann eigenmächtig. Die anderen Gemeindevertreter wussten nichts von seinem Vorhaben. „Ich war ganz überrascht. Das war nicht mit uns abgesprochen“, sagt Warnows stellvertretender Bürgermeister Lutz Ritter. Vor gut einem Jahr sei die Verlegung der Steine unter den  Abgeordneten thematisiert, letztlich aber abgelehnt wurden. „Damit war für mich das Thema  eigentlich im Sand verlaufen“, so Lutz. 

Bürgermeister Hoffmann entschied nun doch anders. Seiner Meinung nach sei der Bürgersteig nicht notwendig. Als Grund gibt er eine Zufahrt an, über die auch das Haus von Petra Ahnfeld zu Fuß erreichbar ist.  

Gleichzeitig gibt Hoffmann zu, das Abbauen des Gehwegs ohne die Zustimmung der Gemeindevertretung  beauftragt zu haben. „Das habe ich selbst entschieden“, sagt er. Er habe sich zudem nicht darüber informiert, ob sein Entschluss mit der Kommunalverfassung konform geht. Der Bürgersteig war vor knapp 14 Jahren aus Mitteln der Fusion der Gemeinden Rosenow und Lübzin gebaut wurden. 

„Das ist doch unglaublich. Die Gemeinde hat uns quasi beklaut“, äußert sich Ahnfelds Ehemann, Jörg Boomgarden, empört. Auch andere Diedrichshofer sind fassungslos. „Das ist eine bodenlose Frechheit. Der fehlende Bürgersteig ist eine Gefahrenquelle sondergleichen. Hier direkt am Ortsschild fahren die Autos mit hoher Geschwindigkeit“, sagt Peter Müller.

Die Anwohner  wollen gegen die Entwendung der Gehwegsteine vorgehen und ihren Ärger  auf der Gemeindevertretersitzung am Montag Luft machen. Ahnfeld: „Ich habe Unterschriften gesammelt und werde den Bürgermeister auf der Sitzung darauf ansprechen.“

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