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Eigentümer der Burg Trechow : Auf der Suche nach altem Mobiliar

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Christian Schierning, Eigentümer der Burg Trechow, sucht die Möbel, die vor dem Zweiten Weltkrieg die Zimmer ausgestattet hatten. In den Kriegs- und Nachkriegswirren war das Haus geplündert worden.

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erstellt am 17.Feb.2012 | 09:53 Uhr

Kurzen Trechow | Christian Schierning, Eigentümer der Burg Trechow, sucht die Möbel, die vor dem Zweiten Weltkrieg die Zimmer in den herrschaftlichen Gebäude ausgestattet hatten. In den Kriegs- und Nachkriegswirren war das Haus geplündert worden, das historische Mobiliar kam abhanden.

Seine Großmutter hatte ihm von den schrecklichen Erlebnissen damals erzählt: "Meine Großmutter Therese und Familienmitglieder haben noch Mittag gegessen und sind dann mit dem Pferdewagen geflüchtet, weil die russischen Soldaten mit ihren Panzern immer näher rückten", erzählt Christian Schierning vom 28. April 1945, als die Familie zu Verwandten nach Schleswig-Holstein fuhr.

Der resoluten Dame, die seit 1939 die Burg Trechow allein führte, muss dieser Schritt sehr schwer gefallen sein. "Sie hat sich 1943 von einem Architekten den Grundriss des Hauses geben lassen und darin jedes Möbelstück vom Teppich bis zur Nachttischlampe eingezeichnet", erzählt Enkel Christian Schierning. Dann habe sie notiert, worum es sich bei den einzelnen Möbelstücken gehandelt habe. Neben dieser schriftlichen Auflistung gibt es auch noch eine fotografische Dokumentation aller Möbelstücke. "Mit Hilfe der Bilder kann man sich einen Eindruck verschaffen, wie das Haus früher eingerichtet war", sagt Schierning.

Alte Möbel von höchst ideellem Wert

Für den "Burgherren" besitzen die Möbel vor allem einen ideellen Wert. Deswegen würde er sich freuen, wenn Einwohner aus Kurzen Trechow, Bützow oder anderen Orten, die wissen, wohin Inventarstücke verschollen sind, sich bei ihm melden würden. Vielleicht hat mancher selbst einen alten antiken Sekretär, Schrank oder ein historisches Sofa im Haus. "Diejenigen, bei denen die Möbel jetzt stehen, brauchen nichts befürchten", fügt Christian Schierning erklärend hinzu. Die Möbel gehören - rechtlich gesehen - den jetzigen Besitzern. Sollte sich das eine oder andere Inventarstück anfinden und er sich mit dem jetzigen Eigentümer einigen können, werde er den finanziellen Wert ausgleichen. "Ich hänge an den alten Möbeln, sie besitzen einfach einen hohen ideellen Wert für mich", sagt Schierning. Er blättert in einem der vier Foto-Bände und zeigt auf ein rundes Bild mit dem Porträt eines Mannes, das von einem Blumenkranz umschlossen ist. Das habe seine Großmutter noch mit in die Ehe mit Hennike von Plessen gebracht. Es stamme von 1590 und sei von einem damals bekannten Mönch, Daniel Seghers, gemalt worden. "Er musste damit Geld verdienen, aber weil er Blumen so gerne mochte, hat er sie auch noch ins Bild gemalt", erzählt Christian Schierning und fügt hinzu:"Es ist sehr wertvoll". In der Burg hingen damals in vielen Zimmern Bilder - häufig Landschaftsmalereien.

Kommen und Gehen nach dem Zweiten Weltkrieg

Eine Sofa-Tischgruppe als Schwarz-Weiß-Fotografie, ein Sekretär als Schau modell und immer wieder elegant-robuste Tische und Sitzgelegenheiten - einige von ihnen sogar schon in Farbe abgelichtet. "Hier, das ist ein Hausaltar aus dem Jahr 1601, er wurde von Hans Gudewerth angefertigt", sagt der Burgherr. Das sei in seiner Zeit ein ganz großer Schnitzer gewesen. Bekannt sei auch der Tischler des Arbeitszimmer-Sekretärs, David Roentgen, gewesen, erzählt Christian Schierning und zeigt auf ein weiteres Möbelstück.

Nachdem Therese von Plessen fort war, wohnten sehr viele Menschen in dem Gebäude. "Zunächst waren Leute aus dem Dorf in der Burg, dann Flüchtlinge, Militärs, russische Gefangene und schließlich lebten ab 1946 Siedler in dem Gebäude", zählt Christian Schierning auf. Sie hätten nicht nur die Möbel mitgenommen, sondern auch Wandfliesen, Bodenkacheln und Heizkörper. Als Christian Schierning 1987 die Burg zum ersten Mal betrat, konnte er nichts mehr vom einstigen Glanz entdecken. Als er schließlich 1991 in den alten Familiensitz einzog, konnte er nur noch ein letztes übrig gebliebenes Möbelstück entdecken: "Es ist der Küchentisch, den meine Großmutter bemalt hatte", schildert er. Wer Christian Schierning helfen kann, erreicht ihn unter Telefon 01 72 4 51 17 85).

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